Mönchengladbach: NRW will keine Gülle aus Holland

Mönchengladbach: NRW will keine Gülle aus Holland

Der preiswerte Wirtschaftsdünger trägt nach Meinung von Experten wesentlich zur Nitratbelastung des Grundwassers bei. Minister Johannes Remmel will deshalb die Importe aus dem Nachbarland stoppen. Bauern kritisieren, dass sie auf teureren Mineraldünger umsteigen müssen.

Landwirt Thomas Waden aus Mönchengladbach hat ein Problem: Er bekommt seit Monaten keine Gülle mehr, mit denen er die Äcker seines 98 Hektar großen Betriebes düngen kann. Da er kein Vieh hält, das ihm den Wirtschaftsdünger, der hauptsächlich aus Urin und Kot landwirtschaftlicher Nutztiere besteht, liefern könnte, importierte er die Gülle bislang aus den nahen Niederlanden. Die dortigen Massentierhalter, die keine Ackerflächen besitzen, aber viel Gülle produzieren, waren froh, diese im Nachbarland loszuwerden.

Thomas Waden und zahlreiche Ackerbau-Landwirte in der Köln-Bonner-Bucht, dem Erftkreis sowie den Kreisen Düren, Jülich und Heinsberg waren dankbare Abnehmer — zumal die Niederländer den Dünger ausgesprochen preisgünstig anboten. Doch seit Ende vergangenen Jahres versiegt der Gülle-Zufluss aus dem Nachbarnland — obwohl die Niederländer den Dünger gern weiter liefern, die deutschen Bauern ihn gern weiter abnehmen würden.

Ursache für den Rückgang des Gülle-Imports ist ein Erlass des Ministeriums für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und Verbraucherschutz in NRW vom 8. November 2010. Danach darf nur noch Gülle importiert werden, die drucksterilisiert wurde, um die Seuchengefahr zu minimieren. Da es in den Niederlanden nur sehr wenige Anlagen zur Drucksterilisation gab, war allen Beteiligten klar: Legale Importe wird es kaum noch geben — zumindest solange, bis die nötigen Anlagen fertiggestellt sind.

Für Thomas Waden und seine Kollegen bedeutete dies im Frühjahr erhebliche finanzielle Belastungen. Der Landwirt musste mangels niederländischer Gülle auf Mineraldünger umsteigen. "Das hat mich bislang 4000 bis 5000 Euro mehr gekostet", klagt der 41-Jährige. Gülle aus dem Münsterland zu kaufen, wo ebenfalls intensiv Vieh gehalten wird, sei keine Alternative. Dort kostet ein Kubikmeter acht bis zehn Euro statt 3,50 Euro, die er für niederländische Gülle zahlt.

Das NRW-Ministerium ist mit der Wirkung des Erlasses zum Gülle-Import aus den Niederlanden zufrieden. Kamen 2010 noch 750 000 Tonnen über die Grenze auf nordrhein-westfälische Äcker, so gingen die Importe im ersten Quartal 2011 um 75 Prozent zurück. "Wir haben in NRW ausreichend Wirtschaftsdünger und benötigen keine Gülletransporte aus den Niederlanden. Wir können die Gülle-Überschüsse aus der niederländischen Tierproduktion nicht auffangen — und sehen uns auch nicht in der Verantwortung das tun zu müssen", sagt Minister Johannes Remmel (Bündnis 90/Die Grünen).

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Dass holländische Gülle wieder auf NRW-Äcker strömt, wenn die Niederländer Drucksterilisations-Anlagen gebaut haben und nutzen können, fürchtet man im Ministerium nicht. "Möglicherweise wird dann ein anderes Regulativ eingesetzt", meint ein Sprecher.

Minister Remmel nennt auch Gründe, warum NRW den Wirtschaftsdünger aus dem Nachbarland nicht haben möchte. "Die Nitrat-Belastungen des Grundwassers gerade in den grenznahen Regionen sind viel zu hoch. Das wird immer mehr zu einem Problem auch für die Gewinnung von Trinkwasser." Die Wasserwerke bestätigen dies. Die unkontrollierte Gülle-Ausbringung hat laut Georg Wichert, Geschäftsführer des Verbandswasserwerkes Gangelt Geilenkirchen, Einfluss auf die Trinkwasserqualität, den Nitratgehalt des Grundwassers. Ein Brunnen in Waldfeucht (Kreis Heinsberg) sei deshalb geschlossen worden.

Verschärft wird die Situation durch illegale Gülle-Transporte über die Grenze. Trotz intensiverer Kontrollen ist sich Josef Schmitz von der Landwirtschaftskammer in Viersen sicher: "Es gibt illegale Gülle-Importe aus den Niederlanden." Dass es "schwarze Schafe" auf beiden Seiten der Grenze gibt, bezweifeln auch Mitarbeiter des Ministeriums und Georg Wichert vom Verbandswasserwerk Gangelt nicht. Der Sprecher des Ministeriums gesteht die Lücken des Kontrollsystems durchaus ein: "Das ist sehr schwierig. Erfolge beruhen auf Zufallstreffern."

Landwirt Waden hat eine andere Sicht auf die Gülle-Problematik: "Was brauche ich Kontrollen und den ganzen Papierkram? Wenn ich zu viel Gülle auf meinen Felder ausbringe, kippt mir das Getreide um — und ich habe dann den Schaden."

(RP)
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