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Niederrheinpokal: Wie Rot-Weiss Essen sich auf die Partie in Neuwerk vorbereitet

Rot-Weiss Essen vor Pokalspiel in Neuwerk : „Da gibt es schon ein paar mahnende Worte“

Am Mittwochabend steht für die Sportfreunde Neuwerk das große Pokalspiel gegen Rot-Weiss Essen an. Der Regionalligist nimmt die Aufgabe im Mönchengladbacher Stadtteil durchaus ernst, beobachtete den Gegner im Vorfeld und trainierte auf besonderem Untergrund.

Markus Lehnen hat bereits seine Erfahrungen mit Rot-Weiss Essen gemacht. Anfang der 1990er war das. Damals spielte er als Aktiver in der Oberliga mit dem Rheydter SV und dem 1. FC Viersen gegen den ehemaligen Bundesligisten. „Das war damals die dritthöchste Spielklasse. Das war vor vielen tausend Zuschauern schon ein Erlebnis“, sagt Lehnen, Trainer der Sportfreunde Neuwerk, „ich kann also nachvollziehen, wie das ist – auch wenn es morgen nur rund 1000 Zuschauer sein werden. Es ist etwas Besonderes, das sollen die Spieler aufsaugen und mitnehmen.“ Denn am Mittwoch kommt es für ihn zum Wiedersehen mit Essen: Der Regionalligist reist für die Zweitrundenpartie im Niederrheinpokal in den Mönchengladbacher Stadtteil.

Für die Sportfreunde Neuwerk ist es das selbsttitulierte „Spiel der Vereinsgeschichte“. Zumal Essen nicht nur eine geschichtenreiche Vergangenheit aus einigen Jahren Bundesliga-Zugehörigkeit besitzt, sondern auch in der Gegenwart sportlich als Tabellenführer der Regionalliga wieder besseren Zeiten entgegenarbeitet. Am vergangenen Wochenende überrannte Essen in der Liga beispielsweise einen bemitleidenswerten KFC Uerdingen mit 11:0. Das Ergebnis war zwar in der Höhe eine Ausnahme, dürfte im Neuwerker Umfeld aber auch nicht unbedingt die Zuversicht auf eine etwaige Pokalsensation genährt haben.

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An einen Sieg gegen den um drei Spielklassen höher spielenden Gegner möchte Lehnen daher gar nicht erst denken. „Das sind alles Profis“, sagt er, „wir gehen es ohne Druck an, wollen das Spiel genießen und gelegentlich auch Nadelstiche setzen. Das Hauptaugenmerk ist es, defensiv kompakt zu stehen und zu versuchen, das Ergebnis erträglich zu gestalten. Damit wir am Ende stolz auf uns sein können.“

Teilweise geht ihm die Aufregung um das Spiel aber auch zu weit. „Es war unser Wunschlos. Aber seit der Auslosung ist Essen das Thema Nummer eins. Im Ligaalltag befindet sich aber unsere Gegner, mit denen wir uns messen müssen“, sagt Lehnen. Denn da läuft es derzeit nicht sonderlich rund. Nach drei Niederlagen in Serie steht Neuwerk in der Bezirksliga kurz vor der Abstiegszone.

Beim vergangenen Spiel, einer 1:3-Niederlage am Sonntag bei Fortuna Dilkrath, war auch ein Vertreter von Essen vor Ort, um Lehnens Mannschaft zu beobachten. „Das machen wir immer so. Egal, wer der Gegner ist“, sagt Essens Trainer Christian Neidhart. Erkenntnisgewinne aus dem Besuch gab er nicht preis, lediglich, dass er Neuwerk „sehr defensiv erwartet.“ In der Vorbereitung ließ er seine Mannschaft zudem auf dem Kunstrasenplatz des Jugendleistungszentrums der Essener trainieren – denn auf dem Untergrund wird auch in Neuwerk gespielt. Anders als auf Rasen im Ligaalltag. Personell kündigt er eine Mischung aus Reservisten und Stammspielern an.

Für Neidhart ist es alles in allem aber eine reine Pflichtaufgabe in Mönchengladbach. „Wir müssen unseren Part seriös erfüllen und die Partie vernünftig angehen. Im Spiel selbst ist der Hebel nur schwer wieder umzulegen. Da gibt es vor der Partie schon ein paar mahnende Worte“, sagt der Trainer. Er macht sich um die Einstellung seiner Profis aber keine Sorge. In der 1. Runde des Niederrheinpokals gegen Fortuna Bottrop sei das auch kein Problem gewesen. Man gewann 6:0 gegen den Bezirksligisten. Das sei von der Aufgabe ähnlich zu der in Neuwerk gewesen. „Wir müssen frühzeitig die Weichen stellen, damit der Gegner die Motivation verliert“, sagt Neidhart. Die Favoritenrolle habe man ohnehin zumeist auch im Ligaalltag. Da macht die fußballerische Provinz-Kulisse aus Bezirkssportanlagen und improvisierten Tribünen in Neuwerk keinen Unterschied.

Trainer Lehnen fordert derweil von seinen Spielern vor allem eins: „Wir dürfen weder ängstlich oder mutlos sein. Das führt zu negativen Ereignissen. Wir müssen mit breiter Brust auftreten.“ Denn das Erlebnis soll bei seinen Spielern hängen bleiben – wie für ihn damals als Aktiver.

Danach soll die Aufmerksamkeit aber schnell bei der kommenden Liga-Aufgabe gegen Tura Brüggen liegen. Das klingt zwar nicht so aufregend wie Rot-Weiss Essen, ist für den Bezirksligisten, so betont es Lehnen, sportlich aber weitaus wichtiger.