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Mönchengladbach: NEW drehte 3731 Haushalten den Hahn zu

Mönchengladbach : NEW drehte 3731 Haushalten den Hahn zu

Immer wieder bleibt der Gladbacher Energieversorger NEW auf offenen Rechnungen sitzen. Als letzte Möglichkeit bleibt nur, die Anschlüsse zu sperren. Betroffen sind davon jedoch oft Unschuldige, die von den Problemen überrascht werden.

Sibilla Holzmann öffnet die Tür zum Balkon und deutet auf den Wäscheständer: "Ich habe extra noch die Bettwäsche gewaschen, damit ich wenigstens ein sauberes Bett habe." Seit mehr als 30 Jahren wohnt die Rentnerin in dem Haus an der Bylandtstraße 33, sie habe immer ihre Miete bezahlt und viele Jahre lang sei alles akkurat gewesen. Dann fand die alte Dame einen Brief in der Post: Der Energieversorger NEW kündigte an, Wasser, Strom und Gas abzustellen, weil Rechnungen in Höhe von rund 4500 Euro nicht bezahlt worden seien.

Für die Mieter war das ein Schock. Für sie geht es nicht nur um die Frage, ob sie ein sauberes Bett haben, sondern auch darum, ob sie duschen, abspülen und auf Toilette gehen können. "Wir haben unsere Pflicht getan, dafür dürfen wir doch jetzt nicht bestraft werden", sagt Sibilla Holzmann. Auch Nele Gerlach war völlig überrascht: "Wir wussten nicht, dass Probleme bestehen."

Das Haus an der Bylandtstraße ist kein Einzelfall. Immer wieder sieht sich die NEW dazu gezwungen, Sperrungen anzudrohen, weil offene Forderungen nicht beglichen werden und Mahnungen erfolglos blieben. Allein im vergangenen Jahr sperrte die NEW in Mönchengladbach 3731 Wasseranschlüsse.

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"Meistens erfahren die Betroffenen erst von den Problemen, wenn es schon fast zu spät ist", sagt Ursula Winbeck von der Verbraucherzentrale Mönchengladbach. Oft gingen solche Fälle zum Nachteil der Mieter aus, "weil sie auf Strom, Gas und Wasser angewiesen sind, zahlen sie oft lieber doppelt." Sie rät den Betroffenen, sich so schnell wie möglich mit dem Versorger in Verbindung zu setzen und den Kontakt zum Mieterschutzbund oder der Verbraucherzentrale zu suchen. Noch besser sei es, vorher aktiv zu werden. "Immer wenn es Anzeichen gibt, dass etwas nicht stimmen kann, bleibt Mietern nur die Möglichkeit, beim Versorger regelmäßig nachzufragen, ob Geld eingegangen ist."

Auch an der Bylandtstraße häuften sich die Anzeichen, dass sich der Vermieter nur unzureichend kümmerte. Wie Hohn wirkt das große Schild an der Eingangstür von Hausverwalter Jürgen Broisch, wenn man sich die Mängelliste der Mieter anschaut: "Bei uns ist ihr Haus in guten Händen."

"Mein Dachfenster ist undicht und geht nicht richtig zu", sagt Zekiya Altan. Im Wohnzimmer habe sich Schimmel gebildet, seit drei Jahren sei das Problem ungelöst. Die Altenpflegerin hat bereits die Miete gemindert, genauso wie Sibilla Holzmann, auf deren Balkon der Putz von der Außenfassade bröckelt und der morsche Holzrahmen des Abstellraums immer mehr zerfällt. Auch Nele Gerlach klagt über ein undichtes Dachfenster, doch selbst wenn ein Handwerker kommen sollte, würde sie davon wahrscheinlich nichts mitbekommen - die Klingel ist seit Wochen kaputt.

Hausverwalter Jürgen Broisch will sich zu den Problemen nicht äußern, das Haus befände sich schließlich in Privatbesitz. Eine Privatangelegenheit ist es jedoch nicht. Zuletzt besichtigte die Wohnungsaufsicht das Gebäude, das nur wenige hundert Meter vom "Schimmelhaus" an der Wilhelm-Strauß-Straße entfernt liegt. Als dort das Wasser abgestellt worden war, hatte die Kommune erst nach über einer Woche die baufälligen Gebäude besichtigt - und anschließend sofort geräumt. Diesmal reagierte die Stadt schneller.

Seit April gibt das Wohnaufsichtsgesetz NRW-Kommunen mehr Möglichkeiten, gegen Missstände im Wohnbereich vorzugehen. So soll verhindert werden, dass Gebäude und Straßenzüge verwahrlosen - und Problemhäuser wie das an der Wilhelm-Strauss-Straße entstehen. Dazu gehört, dass die Wasser- und Stromversorgung funktioniert und keine Gesundheitsgefahr - etwa durch Schimmel - vorliegt.

Bei der Besichtigung an der Bylandtstraße stellte die Wohnaufsicht Feuchtigkeitsstellen zwischen Balkon und Mauerwerk fest, die in Teilen der Wohnung zu Feuchtigkeit und damit Schimmel führten. Der Eigentümer sei daher aufgefordert worden, die Mängel zu beseitigen, heißt es bei der Stadt. Andernfalls müsse notfalls sogar ein Bußgeld angedroht oder weitere Maßnahmen ergriffen werden. Unbewohnbar sei das Objekt jedoch nicht.

Bernhard Laufenberg will dafür sorgen, dass es auch nicht dazu kommt. Seiner Familie gehört das Haus seit vielen Jahren. "Ich habe mich zu wenig darum gekümmert", räumt er schuldbewusst ein. Er habe die Hausverwaltung beauftragt, sich jetzt um die Probleme zu kümmern. Auch an die NEW hat Laufenberg rechtzeitig Geld überwiesen. Die Sperrung konnte abgewendet werden.

(RP)