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Neues Buch über Migration in Mönchengladbach

Buchvorstellung : Migration als Chance für die Stadt

Die Geschichtswerkstatt legt ein neues Buch vor, das sich mit den Auswirkungen von Migration vom Mittelalter bis zur Gegenwart beschäftigt. Die Beispiele reichen von den Mennoniten im 17. bis zu den Gastarbeitern im 20. Jahrhundert.

In der aktuellen Diskussion wird Migration oft als neues Phänomen und als Problem begriffen. Falsch, sagen die Autoren des Buches „Migration und Mönchengladbach.“ Migration gab es schon immer und erst durch die Zuwanderer wurde die Stadt zu dem, was sie ist. „Migration ist nicht risikolos, aber sie ist eine große Chance“, unterstreicht Karl Boland, zusammen mit Hans Schürings einer der Initiatoren des Projekts und Mit-Autor. Zuwanderung habe historisch gesehen auf Dauer zu Wohlstand und kultureller Bereicherung geführt.

Das neue lokalhistorische Werk spannt einen weiten Bogen. Es geht um die Auswanderung der Mennoniten im 17. Jahrhundert, einem Thema, mit dem sich Judith Reher und Milan Clemens im Rahmen eines Geschichtsprojekts am Stiftischen Humanistischen Gymnasium auseinander gesetzt haben. Der großen Wanderbewegung des 19. Jahrhunderts, durch die sich die Bevölkerung Mönchengladbachs verachtfachte, gibt Jutta Finke-Gödde mit ihrem Beitrag über die Textilarbeiterinnen in Gladbach ein Gesicht.

Auch Hans Schürings beschäftigt sich mit der Binnenmigration. „Es war die größte Wanderbewegung in der Geschichte Deutschlands“, sagt er. Ein Drittel der Bevölkerung sei damals auf der Suche nach Arbeit unterwegs gewesen. Rolf Schimanski nimmt sich der Geschichte der Juden bis zum Holocaust an und Gerd Lamers beschäftigt sich mit der lange verdrängten Geschichte der Zwangsarbeiter während des Zweiten Weltkriegs.

Nach dem Krieg kommen Flüchtlinge und Vertriebene nach Mönchengladbach. Sie wurden nicht gern aufgenommen. „Letztendlich sorgte Arbeit für Integration und Akzeptanz“, erklärt Karl Boland. „Die Vertriebenen haben mit besonderem Leistungs- und Anpassungswillen auf die Situation reagiert.“ Ein Fallbeispiel für die Problematik liefert Martina Wasserloos-Strunk mit einem Beitrag über die Konflikte zwischen den einheimischen reformierten Protestanten und den lutherischen Flüchtlingen. Es gab einen erbittert ausgetragenen Streit um Kerzen und Blumen in der Kirche. Die Autorin nennt das ein Beispiel dafür, wie eine Aufnahmegesellschaft auf die Herausforderung durch „Fremde“ reagiert hat.

Ursula Boos-Nunning, emeritierte Professorin für Migrationspädagogik, wirft noch einen soziologisch geprägten Blick auf die Frage, wie Mönchengladbach multiethnisch wurde und wie die Situation der Zuwanderer in den Bereichen Bildung, Wohnen, Arbeit und Partizipation aussieht. Hans Schürings setzt sich mit dem Konzept der wachsenden Stadt auseinander.

Auch die Gastarbeiter bekommen im Buch Namen und Gesicht. Ursula Boos-Nunning zeigt am Beispiel der italienischen Familie Sagui, wie die Eismacher nach Deutschland und Mönchengladbach kamen. Filmemacher Çağdas Yüksel begibt sich auf die Spuren seines Großvaters, auf Türkisch liebevoll „Dede“ genannt, der in den 1960er Jahren nach Mönchengladbach kam und von dem der junge Regisseur sogar ein Foto gefunden hat, das ihn auf dem Bahnhof zeigt. Dieses Foto ist jetzt auf dem Buchcover zu sehen.