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Stichwahl in Mönchengladbach: Neuer OB: Reiners siegt im Herzschlagfinale

Stichwahl in Mönchengladbach : Neuer OB: Reiners siegt im Herzschlagfinale

Hans Wilhelm Reiners (CDU) hat die OB-Stichwahl in Mönchengladbach mit 50,44 zu 49,56 Prozent gegen Amtsinhaber Norbert Bude (SPD) gewonnen. Die Wahlbeteiligung lag knapp unter 30 Prozent.

Um 18.29 Uhr ging ein kollektives Aufstöhnen durch den Ratssaal. Was da als aktuelles Zwischenergebnis aufflackerte, war schwer zu glauben. Nach 169 ausgezählten von insgesamt 213 Stimmbezirken hatten Norbert Bude (SPD) und Hans Wilhelm Reiners (CDU) beide exakt 22 704 Stimmen. Am Ende lag Reiners mit ganzen 543 Stimmen vorn. Der abgewählte Oberbürgermeister Norbert Bude gratulierte mit Anstand und wünschte seinem Nachfolger viel Kraft für die Aufgabe.

Nach zehn Jahren unter einem SPD-Oberbürgermeister und nach fünf Jahren ohne CDU-geführte Mehrheit im Rat haben in Mönchengladbach die Christdemokraten nun wieder alle Schalthebel der Macht in der Hand. Die CDU lag bei der Kommunalwahl vor drei Wochen 12 Prozentpunkte vor der SPD. In diesem ersten Wahlgang hatte Bude noch mit 1,5 Prozentpunkten vor Reiners gelegen.

Auf seinen Sieg hatten vor Monaten selbst eingefleischte CDU-Anhänger keine höheren Beträge wetten wollen. In der breiten Öffentlichkeit zu unbekannt und von Typ und Auftreten dem Amtsinhaber Bude zu ähnlich schien der Kandidat, den die CDU zudem vergleichsweise spät aufs Schild gehoben hatte. Doch schon in den vergangenen Wochen hatte sich angedeutet, dass Reiners eine reelle Chance haben würde. Seinen hauchdünnen Sieg verdankte er am Ende hauptsächlich den CDU-Stammwählern in den ländlichen Außenbezirken der Stadt. Dort war die Wahlbeteiligung deutlich höher als in den beiden Innenstädten Gladbach und Rheydt.

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Reiners ist Journalist, arbeitete bei der Braunschweiger Zeitung und der Rheinischen Post, bevor er Fraktionsgeschäftsführer der Gladbacher CDU wurde. Ratsmitglied ist er erst seit fünf Jahren. Sein Fachgebiet ist die Stadtentwicklung.

Der Sozialdemokrat Bude, Katholik, Schütze und früherer Pfadfinder, hatte 2004 und 2009 Tausende von Stimmen aus dem bürgerlichen Lager bekommen. Nach zehn Jahren Amtszeit bekam er immer noch viele, aber nicht mehr genug Stimmen von traditionellen CDU- und FDP-Wählern. Sein angesichts der Mehrheitsverhältnisse im Rat gleichwohl respektables Ergebnis ist auch Ausdruck der Entwicklung der Stadt: In Mönchengladbach ist es in den vergangenen zwei Jahren spürbar bergauf gegangen. Die Stadt wird dank des Stärkungspakts des Landes 2018 erstmals keine neuen Schulden machen. An vielen zentralen Stellen drehen sich Kräne. Große Logistikcenter für Zalando, Esprit und Primark siedelten sich am Stadtrand an. Bei der Bevölkerung wog offenbar anderes schwerer: Fast alle Gebühren und Steuern wurden erhöht, gleichzeitig Leistungen zurückgefahren.

Nach dem Ergebnis spricht nun viel dafür, dass es im Rat erstmals zu einer Kooperation von CDU und Grünen kommen wird. Die Sondierungen beginnen schon in der zweiten Wochenhälfte. Die Grünen trugen schon nach der letzten Kommunalwahl 2009 in Mönchengladbach Verantwortung. Sie bildeten mit SPD und FDP eine Ampel; dieses Bündnis hielt allerdings nur drei Jahre. Rechnerisch möglich ist auch eine Große Koalition aus CDU und SPD. Gegen die gibt es allerdings bei den Sozialdemokraten erhebliche Widerstände.

Lesen Sie hier die ersten Reaktionen von Reiners und Bude nach der Wahl.

Hier gibt es die Bilder vom Wahlabend im Rathaus.

Hier geht es zur Bilderstrecke: Stichwahl: So lief der Wahlabend in Mönchengladbach