Mönchengladbach: Neue Thorarolle für jüdische Gemeinde

Mönchengladbach: Neue Thorarolle für jüdische Gemeinde

Ein Jahr lang hat ein Schreiber in Israel an der neuen Rolle für die Gemeinde in Gladbach gearbeitet. Am Wochenende wurde sie von den Gemeindemitgliedern vollendet - eine Woche vor dem Feiertag Schabbat Chanukka.

Eine neue Thorarolle zu erhalten, ist eine große Besonderheit für jede jüdische Gemeinde. Icek Ostrowizc, ältestes Mitglied der jüdischen Gemeinde in Mönchengladbach, schenkte der Gemeinde am Sonntag schon die zweite Thorarolle. Zu bestimmten Gottesdiensten werden schließlich mehrere Rollen benötigt - zum Schabbat Chanukka beispielsweise, der in einer Woche gefeiert wird, wie Rabbiner Yitzhak Hönig erklärt.

Aus Israel kommt die neue Rolle, ein speziell ausgebildeter Schreiber, Sofer genannt, hat sie mit der Hand geschrieben. Ein Jahr dauerte die Niederschrift. Die fünf Bücher Mose umfassen mehr als 304.000 Buchstaben. Die hebräische Schrift ist heikel: Setzt man nur einen einzigen Punkt anders, erhält das Wort eine andere Bedeutung. Und dann ist die Thorarolle unbrauchbar. Denn die Thora, das heiligste Buch im Judentum, muss wortgetreu sein - seit Tausenden von Jahren wurde ihr Wortlaut nicht verändert. Eine weitere Regel lautet, dass die Thora mit Feder und einer speziellen Tinte geschrieben werden muss. Die Mitglieder der jüdischen Gemeinde verwendeten eine Putenfeder.

Es waren die letzten Zeilen des letzten Buches, die am Sonntagvormittag im Hause des Ehepaares Icek und Elfi Ostrowicz geschrieben, genauer gesagt mit Tinte ausgefüllt wurden, denn die Umrisse standen schon auf dem Papier.

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Unter den wachsamen Augen des Rabbiners Yitzhak Hönig und im Beisein von Leah Floh, der Vorsitzenden der jüdischen Gemeinde Mönchengladbach, führten Icek Ostrowicz, Efim, Michael und Igor Kosjanski und Moshe Eßer sowie Georg Steindler die Feder. Steindler, Efim Kosjanski und Moshe Eßer gehören zu den Minjan. Das ist die Gruppe von zehn oder mehr Juden, die nötig sind, um einen vollständigen jüdischen Gottesdienst abzuhalten.

Vor jedem Satz sprachen die Männer auf Hebräisch den Satz "Die Thora ist heilig". Die Anspannung war ihnen anzumerken, denn einen Fehler wollten sie sich schließlich nicht leisten. Der Rabbiner kommentierte, gab Hilfestellung, lobte: "Diesen Punkt machst Du voll." - "Wunderbar." - "Wer nicht schreiben möchte, kann meine Hand halten." Den jungen Michael forderte er eindrücklich auf, sich an dem Ritual zu beteiligen. Sichtlich stolz und aufgeregt nahm er neben ihm Platz: "Komm junger Mann, Du bist unsere nächste Generation." Michael Kosjanski hat soeben seine Bar Mitzwa gefeiert.

Die Einweihung einer neuen Thorarolle folgt einem Ritual. Was in Ostrowizc' Haus begann, wurde dort fortgesetzt, wo ehemals die Synagoge stand, bevor die Gemeinde in die neue Synagoge zog. Ein besonderer Tag für die jüdische Gemeinde. Die Einweihung der neuen Thorarolle bedeutet für sie auch Zusammenhalt und ist ein Zeichen dafür, dass ihre Werte und Traditionen bewahrt werden.

(b-r)