Mönchengladbach: Nächster Halt: Geneicken

Mönchengladbach: Nächster Halt: Geneicken

Von 1870 bis 1985 fuhren am Geneickener Bahnhof Züge ein und aus. Vor allem für den Güterverkehr der im Bonnenbroicher Industriegebiet ansässigen Firmen spielte er eine wichtige Rolle. Nach der Schließung verwandelte sich die alte Wartehalle in ein Restaurant.

Geneicken Grünzeug überwucherte die Gleise. An den Außenwänden der Wartehalle hatte irgendwer Kritzeleien hinterlassen. Die Fenster im Erdgeschoss waren mit weißen Platten abgedeckt, der Schriftzug "Rheydt-Geneicken" an der Fassade stellenweise verblasst.

So trostlos sah es 1992 am Geneickener Bahnhof aus. Von 1870 bis 1985 fuhren dort Züge ein, danach sank der Bahnhof in einen Dornröschenschlaf. 1996 erstrahlte die denkmalgeschützte Wartehalle in neuem Glanz, als darin eine Gastronomie eröffnete. Heute dient sie als Restaurant und Versammlungsstätte für Vereine, die alten Gleise haben sich in einen Biergarten verwandelt.

Die alte Zugstrecke führte anfangs von Mönchengladbach über Geneicken nach Odenkirchen, von dort weiter in Richtung Eschweiler. Die Bergisch-Märkische Eisenbahn-Gesellschaft, Mitte des 19. Jahrhunderts eine private Bahngesellschaft, ließ die Strecke bauen.

Am 1. Februar 1870 passierte der erste Zug den Geneickener Bahnhof. Um die Jahrhundertwende entstanden im nahe gelegenen Industriegebiet Bonnenbroich viele Firmen, die einspurige Anschlüsse erhielten. Dazu zählten das Kabelwerk Rheydt, Monforts, Scheidt und Bachmann, Kartoffel- und Brennstofflieferanten, die Eisenwarenhandlung Carl Pohle. "Für die Reichsbahnlinie M. Gladbach — Jülich — Aachen ist der Bahnhof Geneicken in den 20er Jahren Station, gleichzeitig erfüllt der Bahnhof in dieser Zeit seine Funktion als Verschiebebahnhof", schreibt Wolfgang Wolff vom Heimatverein Geneicken-Bonnenbroich in einem Text über die Geschichte der Schienenanlage.

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"Während des Zweiten Weltkrieges erlitt auch der Bahnhof Schäden, jedoch nicht in dem extremen Maße wie der Rheydter Hauptbahnhof", berichtet Wolfgang Wolff. 1950 habe dann "Hochbetrieb" geherrscht, täglich hätten 43 Züge dort gehalten. Zusammen mit den Güter- und Fernzügen hätten jeden Tag rund 80 Züge den Bahnhof passiert.

Mehr als einmal in seiner Geschichte dachten die Betreiber — verantwortlich war nach der Bergisch-Märkischen Eisenbahn-Gesellschaft der Staat — darüber nach, die Anschlussstelle in Geneicken zu schließen. Doch wegen seiner Bedeutung für den Güterverkehr blieb der Bahnhof geöffnet. Erst, als sich eben jener Güterverkehr immer weiter auf die Straßen verlagerte und mit Lkws abgewickelt wurde, kam Wolfgang Wolffs Recherchen zufolge das Aus.

Die Stadt kaufte 1988 der Bundesbahn das Gelände ab und plante, die ehemalige Wartehalle in eine Versammlungsstätte für örtliche Vereine umzubauen. Weil jedoch das nötige Geld fehlte, wurde der Bahnhof an einen Investor weiter verkauft, der dann Mitte der 1990er Jahre den Dornröschenschlaf beendete.

(RP)
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