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Nachhaltige Mode: C&A designt die Textil-Industrie neu

Wirtschaftsgespräche in Mönchengladbach : C&A designt die Textil-Industrie neu

Der Konzern richtet im Monforts-Quartier eine Jeans-Fabrik ein und holt die Produktion zurück nach Europa. Finanzchefin Birgit Kretschmer verriet bei den Wirtschaftsgesprächen, wie das funktioniert und wann die Hosen zu welchem Preis verkauft werden.

Die große textile Vergangenheit Mönchengladbachs wird mehr und mehr zum Gewinn auch für die Zukunft. Nirgendwo wird das so sichtbar wie im Monforts-Quartier. Im Textil-Technikum, der Ausstellung einer ganzen, funktionsfähigen Fabrik aus historischen Textilmaschinen, stellte C&A-Finanzvorstand Birgit Kretschmer am Dienstagabend die Zukunft der Modebranche, der Textilindustrie, der nachhaltigen Produktion vor. Und die entsteht derzeit in der Halle direkt nebenan: Kostenpflichtiger Inhalt Die Jeans-Fabrik der Bekleidungskette mit Sitz in Düsseldorf hat ihren Testbetrieb in Mönchengladbach begonnen. Bei den Wirtschaftsgesprächen im Monforts-Quartier kündigte Kretschmer an: „Wir wollen in Mönchengladbach neue Maßstäbe in der Produktion nachhaltiger Mode setzen.“

Der Testbetrieb der Näherei hat begonnen, im November folgt der Testbetrieb der Wäscherei. 100 Mitarbeiter werden zum Start in der Fabrik tätig sein, die dank hohem Digitalisierungsgrad in der Fertigung, Robotik, Automatisierung, hochtechnologisierte Maschinen zunächst 420.000 Jeans im Jahr in Mönchengladbach produzieren. Kostenpflichtiger Inhalt Perspektivisch sollen es 800.000 Jeans im Jahr werden. „Wir wollen im Frühjahr die ersten Jeans aus Mönchengladbach verkaufen“, sagte Kretschmer und kündigte an, der Verkaufspreis werde unter 100 Euro liegen. Und das für Bekleidung, die in einem Hochlohnland gefertigt worden sein wird und nicht etwa in Asien.

 C&A-Managerin Birgit Kretschmer (Mitte) mit einigen Gastgebern (v.l.) Jürgen Steinmetz (IHK), David Bongartz (WFMG), Elmar te Neues (IHK), Denisa Richters (Rheinische Post), Oberbürgermeister Felix Heinrichs und Ulrich Schückhaus (WFMG).
C&A-Managerin Birgit Kretschmer (Mitte) mit einigen Gastgebern (v.l.) Jürgen Steinmetz (IHK), David Bongartz (WFMG), Elmar te Neues (IHK), Denisa Richters (Rheinische Post), Oberbürgermeister Felix Heinrichs und Ulrich Schückhaus (WFMG). Foto: Ilgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)
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Kretschmer skizzierte in ihrem Vortrag und im Gespräch mit Moderatorin Denisa Richters, Leitende Regionalredakteurin der Rheinischen Post, wie die Modeindustrie bisher funktionierte. Damit legte die Finanzchefin des Konzerns auch dar, welche bisher so selbstverständliche Kette C&A aufzubrechen gedenkt: Design und Entwicklung der Produkte in Europa, Übermittlung der Entwürfe an die Lieferanten, „die typischerweise in Asien sitzen“, so Kretschmer, Produktion der Textilien, dann der Weg per Schiff nach Europa, vom Seehafen in die Lagerhäuser und in die Geschäfte. Allein der Transportweg nehme sechs bis acht Wochen in Anspruch. Der entfällt bei der Jeans „made in MG“. Das bisherige Business-Modell bekomme Fragezeichen. „Wir wollen den Status quo in der Lieferkette hinterfragen.“ Man sei näher beim Kunden, man könne schneller auf Trends reagieren, und natürlich gebe es die kürzeren Wege.

Der Konzern hat sich eine Nachhaltigkeitsstrategie verordnet, die vorsieht, dass in Mönchengladbach ausschließlich mit Energie aus nachhaltigen Quellen produziert wird. „Auch wenn es einige Euro mehr kostet“, sagte Kretschmer. Und in der Textilfabrik werde es gelingen, den Wasserverbrauch in der Jeansproduktion drastisch zu verringern. Normalerweise würden 50 bis 60 Liter pro Jeans benötigt, in Mönchengladbach sollen es zehn Liter sein, von denen mindestens fünf wieder verwendet werden können. Nicht nur der Applaus im Publikum, in dem viele Wirtschaftsvertreter und Politiker saßen, sondern auch das große Interesse von Kunden wie auch in der Branche zeigt Kretschmer: „Es ist den Konsumenten heute nicht mehr egal, woher ihre Jeans kommt und woher die Materialien stammen.“ Sie verriet: Der Stoff kommt aus Italien.

  Studierende und Gründer mit C&A-Jeans (v.l.): Luisa Verbocket, Max Mittag, Miriam Nikqi, Angelika Kammann, Martin Wosik, Anna van Leyen und Henrik Stelter.
Studierende und Gründer mit C&A-Jeans (v.l.): Luisa Verbocket, Max Mittag, Miriam Nikqi, Angelika Kammann, Martin Wosik, Anna van Leyen und Henrik Stelter. Foto: Ilgner,Detlef (ilg)/Ilgner Detlef (ilg)

Für Mönchengladbach ist die C&A-Fabrik der Stoff, aus dem die Vorstellungen der Renaissance der Textil-Industrie gefertigt sind. Oberbürgermeister Felix Heinrichs sagte, es sei die größte Herausforderung, wieder industriell-gewerbliche Arbeitsplätze in die Stadt zu holen: „Das ist der gelebte Strukturwandel.“ Aber man müsse auch genau hinschauen, dass nicht die Produktion der 1960er Jahre wieder auflebe. „Wir brauchen Arbeitsplätze, die nicht nach Mindestlohn, sondern nach Tarif bezahlt sind.“ IHK-Präsident Elmar te Neues betonte, er blicke als Krefelder Unternehmer neidisch auf die Entwicklung der Textil-Industrie in Mönchengladbach und nannte die geplante Textil-Fabrik 7.0 und die Textil-Akademie als Beispiel. Textil sei heute Wissenschaft, Forschung – das wurde in allen Beiträgen deutlich.

Und das zeigten einige kluge junge Köpfe auch: Die Gründer der Start-ups Société Angelique und Texture Lab und Studierende der Hochschule Niederrhein stellten sich vor – und trugen dabei im Textil-Technikum nachhaltige Jeans von C&A, wie sie künftig eine Halle weiter produziert werden.