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Mönchengladbach: Nachbarn feiern ganz "unjeschminkt"

Mönchengladbach : Nachbarn feiern ganz "unjeschminkt"

Auf dem Adenauerplatz trafen sich am Wochenende die Anwohner des Gründerzeitviertels zum Pflaumenkern-Weitspucken, Kuchenessen und Kennenlernen. Das geplante große Picknick fiel wetterbedingt ersatzlos aus.

In blauen Gummistiefeln stapfte Luke Sturm gestern Mittag gut gelaunt über den Adenauerplatz im Gründerzeitviertel. Seine Eltern hatten den Jungen morgens zum wasserabweisenden Schuhwerk geraten - glücklicherweise. "Ich hätte wohl besser selbst auch Gummistiefel angezogen", sagte Lukes Vater Stefan und schaute auf seine Füße in den dunkelbraunen Turnschuhen, die leicht im matschigweichen Grasboden versanken.

Auf diesem Rasen sollte jetzt die Nachbarschaft gemeinsam picknicken? Wohl eher nicht. Der Regen hatte dem Adenauerplatz so zugesetzt, dass die geplante Mitmachaktion beim zweitägigen Nachbarschaftsfest der Initiative Gründerzeitviertel mehr oder weniger ins Wasser fallen musste. "Wir hatten sogar extra Decken mit Thermobeschichtung besorgt", sagte Vorstandsmitglied Stefan Sturm - die waren überflüssig.

Nachdem die Anwohner im vergangenen Jahr zum 150. Geburtstag ihres Viertels an der längsten Kaffee-Tafel der Stadt Platz genommen hatten, sollte jetzt bei der zweiten Auflage des Nachbarschaftsfestes das große Picknick folgen. Doch auch ohne gemeinsames Sonnenbaden im Gras und Häppchen essen im Liegen kamen die Besucher ins Gespräch - und genau darum geht es der Initiative Gründerzeitviertel. Ein weiteres Anliegen: "Es war uns wichtig, mal den Adenauerplatz mehr ins Bewusstsein zu rücken, er ist so schön", sagte Stefan Sturm.

Den Titel "Unjeschminkt" hat die rund 220 Mitglieder zählende Initiative ihrem zweiten Nachbarschaftsfest gegeben, weil es deutlich kleiner war als die Jubiläumsausgabe 2013. Ein paar Buden standen auf dem Adenauerplatz, an denen die Besucher zum Beispiel Kuchen, Karibische Kürbissuppe und Burger mit marokkanischen Lammwürstchen kaufen konnten. Auf der Bühne traten unter anderem das Sinfonische Rockorchester, Lehmann Liedermaching und der Groove Chor auf.

Zwar stand das Fest unter dem Motto "Unjeschminkt" - doch Kinderschminken boten die Organisatoren unter einem weißen Zeltdach trotzdem an. Gleich daneben konnten Kinder und Erwachsene beim Pflaumenkern-Weitspucken antreten oder mit Textilfarbe weiße Stoffwimpel bemalen, die dann auf Leinen zwischen den Bäumen aufgehängt wurden. Die sieben Jahre alte Ebba Schwartz und ihre vier Jahre alte Schwester Greta machten am Samstag bei beiden Aktionen mit, auch am Stand der Stadtbibliothek hielten sie und bedruckten mit Kartoffeln Postkarten. Ihr Vater Stefan und ihre Mutter Inga kamen unterdessen mit Nachbarn ins Gespräch, die sie vorher nur vom Sehen kannten - jetzt duzen sie sich.

Gestern Mittag schaute Stefan Schwartz dann gleich noch einmal auf dem Adenauerplatz vorbei, er wohnt in Sichtweite. "Ich genieße die Atmosphäre hier sehr", sagte er. "Das ist nicht so ein lautes Fest, eher ruhiger und passend zum gediegen wirkenden Adenauerplatz", ergänzte er. Es biete den Anwohnern die Möglichkeit, "das Viertel bewusst zu genießen". Ob er dazu nächstes Jahr wieder Gelegenheit haben wird, steht noch nicht fest, denn die Initiative Gründerzeit hat noch nicht darüber beratschlagt, ob es ein drittes Fest geben soll. "Das entscheiden wir spontan", sagte Stefan Sturm.

(naf)