Mönchengladbach: Nachbar hörte Schreie und rief die Polizei

Mönchengladbach : Nachbar hörte Schreie und rief die Polizei

In einer warmen Augustnacht 2009 hörte ein Süchtelner die Hilfeschreie einer Frau und beobachtete, wie ein Mann eine Frau unter der Laderampe eines Supermarktes sexuell attackierte. Der Nachbar verständigte die Polizei. Gestern saß der Täter (48) vor dem Mönchengladbacher Landgericht auf der Anklagebank. Der Staatsanwalt warf dem Behinderten, der in einem heilpädagogischen Heim auf dem Klinikgelände in Viersen-Süchteln lebt, versuchte Vergewaltigung und Sachbeschädigung vor. Der Angeklagte, der in einer beschützenden Werkstatt arbeitet, machte zum Lebenslauf bereitwillig Angaben. Im Heim lebt er seit elf Jahren. Den Vorwurf der Sachbeschädigung gab er zu. Vor zweieinhalb Jahren habe er zwei Container und eine Thujahecke angezündet. "Wie kommt man auf so eine Idee ?", staunte der Kammervorsitzende. Verlegen verwies der Süchtelner auf den Alkohol, den er damals getrunken habe. Aber inzwischen trinke er viel weniger. "Ist ja auch nichts mehr passiert", stellte der 48-Jährige fest.

Dass konnte allerdings nicht stimmen. Der Staatsanwalt fragte nach dem Vergewaltigungsvorwurf. Da sei gar nichts passiert, so der 48-Jährige. Das Opfer sei ihm am 25. August 2009 begegnet. Man habe zusammen Bier und Schnaps getrunken. Die Frau habe ihre Kleidung "runtergemacht", da habe er auch mitgemacht. Aber Sex hätten sie nicht gehabt. Warum die Frau geschrien habe, konnte der Angeklagte nicht erklären.

Die 31-jährige Frau sagte erst aus, als der Angeklagte den Saal verlassen hatte. Doch die offensichtlich alkoholisierte Frau konnte nicht viel zur Aufklärung des Falles beitragen. "Ich habe ganz laut geschrien. Es muss damals etwas passiert sein", war die Frau mit den langen blonden Haaren überzeugt. Aber an Weiteres könne sie sich nicht erinnern. Das war kein Wunder. Schließlich ergab deren Blutprobe damals einen Alkoholpegel von 3,5 Promille. Der Ehemann hatte sie an dem Augustmorgen zur Entgiftung zur Klinik gebracht und war dann weggefahren. Doch die Frau hatte sich entfernt und war später dem Angeklagten begegnet. Der hatte an dem Tag 1,7 Promille im Blut. Der hilfsbereite Nachbar hatte gesehen, wie sich der Angeklagte auf die schreiende Frau legte und war dazwischen gegangen.

Der Angeklagte sei vermindert schuldfähig und leide an einer intellektuellen Minderbegabung, so das Ergebnis eines psychiatrischen Gutachtens. Es bestehe Wiederholungsgefahr, wenn der 48-Jährige Alkohol trinke. Das Gericht schloss sich dem Sachverständigen an und verurteilte den Mann zu einer Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten. Außerdem ordnete es dessen Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik an.

(RP)