Mönchengladbach: Nach Bussard-Attacke: Stadt sperrt Weg

Mönchengladbach : Nach Bussard-Attacke: Stadt sperrt Weg

Joachim Ohmen ist beim Joggen von zwei Bussarden angegriffen worden. Im Frühling kommen solche Fälle immer wieder vor. Die Tiere sind nicht gefährlich, sondern wollen ihr Nest verteidigen. Der Weg ist deshalb vorerst gesperrt.

Der Schreck sitzt Joachim Ohmen immer noch ein wenig in den Gliedern — der 51-Jährige lief nichtsahnend auf seiner üblichen Joggingstrecke entlang des Hardter Waldes, als er von zwei Bussarden fünf Mal in Folge von hinten angegriffen wurde. Die Tiere verletzten ihn mit Schnäbeln und Krallen am Kopf.

Was sich ausgesprochen gefährlich anhört, endete ohne schlimme Folgen für Ohmen. Mittlerweile sind nur noch wenige Kratzer am Kopf des Gladbachers zu sehen. Doch während der Attacke war der Schrecken groß. "Ich habe so etwas noch nie erlebt", erzählte der 51-Jährige. "Dabei sehe ich die Tiere oft auf meinem Grundstück. Da sind sie absolut friedlich."

"Tiere wollen ihre Babys beschützen"

Dass Bussarde für gewöhnlich keine Menschen angreifen, bestätigt auch Sylvia Urbaniak von der Greifvogelhilfe in Mönchengladbach: "Die Tiere machen so etwas nur im Frühling, wenn sie ihre Babys im Nest beschützen wollen. Im Winter würde das nicht passieren."

Während die Vögel ihren Nachwuchs in ihrem gut versteckten Horst aufziehen, wollen sie aber ihre Ruhe haben. Zum natürlichen Verhalten der Vögel gehört deshalb, alles zu vertreiben, das sich ihrem Revier nähert — egal ob Mensch oder Tier.

"Für einen Bussard ist das nur die logische Reaktion auf einen Menschen, der in ihr Gebiet eindringt und eine Gefahr für ihren Nachwuchs darstellen könnte," sagt Urbaniak. Wer von Greifvögeln angegriffen wird, sollte deshalb ruhig bleiben, nicht nach den Tieren schlagen und sich so schnell wie möglich entfernen. "Dann hören die Angriffe von selbst auf", erklärt die Expertin. Jogger Joachim Ohmen glaubt derweil noch an einen anderen Grund für die Angriffe. Weil er die Greifvögel schon öfters in der Gegend gesehen habe und nie etwas passiert sei, gibt der 51-Jährige einer Schussanlage auf einem der Felder, die Tiere von den landwirtschaftlichen Flächen fernhalten soll, die Schuld an seinem Erlebnis. "Während die Tiere zum dritten Mal auf mich zuflogen, gab es einen Knall. Ich glaube, dass die lauten Geräusche die Bussarde zusätzlich gereizt haben könnten."

Expertin Sylvia Urbaniak glaubt das wiederum nicht: "Die Vögel reagieren gar nicht so sehr auf akustische Reize. Bussarde nisten manchmal sogar in der Nähe von Autobahnen. Das Knallen wird sie nicht aus der Ruhe gebracht haben." Ein optischer Reiz hingegen, wie beispielsweise ein schnell rennender Jogger, hätte aber ausreichen können, um die Vögel nervös zu machen. Ganz ungewollt könnte so eine Attacke provoziert werden. Dann stoßen die Tiere auf die vermeintliche Gefahr nieder und touchieren ihr Ziel immer wieder mit den Krallen. "Außer dass sich die Betroffenen natürlich sehr erschrecken, ist das aber meistens nicht besonders gefährlich", so Sylvia Urbaniak.

Nachdem Joachim Ohmens Fall durch die herbeigerufene Polizei bekannt wurde, entschloss sich die Stadt, den Weg für die Dauer der Brutzeit der Vögel zu schließen — zur Sicherheit von Mensch und Tier. Der Weg, der unmittelbar vor dem Herdter Hof, nahe der Zufahrtsstraße zum ehemaligen JHQ, beginnt, wurde bis zum 30. Juni vom Ordnungsamt gesperrt.

Wenn der Weg am Hardter Wald wieder geöffnet ist, wird Joachim Ohmen dort wohl wieder laufen gehen: "Angst vor den Vögeln habe ich keine und den Tieren gebe ich auch keine Schuld."

(RP)
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