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Nach Brand in Asylheim in Mönchengladbach: Ermittlungen wegen Mordversuch

Mönchengladbach : Ermittlungen wegen Mordversuchs nach Brand in Asylheim

Nach dem Brand im Flüchtlingsheim im Mönchengladbacher Volksgarten geht die Polizei von Brandstiftung aus. Ein 21 Jahre alter Bewohner wurde festgenommen. Der Rauch war in weiten Teilen der Stadt zu sehen gewesen, verkokelte Kunststoffteile flogen kilometerweit.

Die Rauchwalze verdunkelte den Himmel über dem Volksgarten. Verkokelte Kunststoffreste flogen durch die Luft, landeten sogar in einigen Kilometern Entfernung. Selbst in der Innenstadt war der beißende Brandgeruch deutlich wahrnehmbar und die Säule aus Rauch zu sehen. Auslöser war ein verheerendes Feuer, das am Donnerstag gegen 10.15 Uhr in der Asylbewerber-Unterkunft an der Carl-Diem-Straße ausgebrochen war.

Als die Feuerwehr dort eintraf, schlugen die Flammen bereits aus den Fenstern und dem Dach der Flüchtlingsunterkunft. Die erste Sorge, dass sich noch Menschen in dem Wohncontainer befinden könnten, bestätigte sich nicht. Der Securitydienst, der für die städtischen Übergangslager zuständig ist, hatte alle Betroffenen aus dem Gefahrenbereich gebracht. Bis auf eine Person, die mit Verdacht auf Rauchvergiftung ins Krankenhaus gebracht wurde, blieben alle unverletzt. An dem Wohncontainer war nichts mehr zu retten. "Wir konnten nur noch dafür sorgen, dass sie Flammen nicht übergreifen", sagte Frank Paulußen, Einsatzleiter der Feuerwehr.

95 Menschen lebten aktuell in dem für 300 Personen ausgelegten Flüchtlingsheim im Stadtteil Volksgarten. Der überwiegende Teil waren Asylsuchende (81), aber auch 14 Menschen, die kurzfristig ihre Wohnung verloren hatten, hatten dort Unterkunft gefunden. Sie alle wurden mit Bussen weggefahren und woanders untergebracht. Einige konnten ihr weniges Hab und Gut retten und irrten mit gepackten Koffern zwischen den Feuerwehrautos umher. Andere standen vor den Toren und berichteten fassungslos, dass sie nur noch das besäßen, was sie am Leib hätten. "Wir bringen die Menschen in der Flüchtlingsunterkunft im Nordpark unter", informierte Sozialdezernentin Dörte Schall, die an den Brandort geeilt war. Dort würden sie auch mit Kleidung versorgt. Die Lager seien voll, denn in diesem Jahr sind bisher nur 17 Asylsuchende angekommen - viel weniger als erwartet, so Stadtsprecher Dirk Rütten.

In Untersuchungshaft sitzt derzeit ein 21-Jähriger aus Somalia. Er ist dringend verdächtig, sein Zimmer in der Unterkunft angezündet zu haben. Die Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen wegen schwerer Brandstiftung und versuchten Mordes eingeleitet. Bei der Polizei ist eine Mordkommission eingerichtet worden. Bereits am Mittwochabend soll es einen Streit unter Bewohnern gegeben haben. Der muss so heftig gewesen sein, dass die Polizei alarmiert wurde und drei Männer in Gewahrsam nahm. "Am Morgen haben wir alle zeitversetzt wieder entlassen", sagt Polizeisprecherin Isabella Hannen. In der Unterkunft, so hätten Mitbewohner erklärt, habe der 21-Jährige dann mutwillig in seinem Zimmer das Feuer gelegt. Das Motiv sei nun Gegenstand der Ermittlungen. Wie Dörte Schall sagte, hatte es in der Unterkunft bisher keine großen Auffälligkeiten gegeben. Vor allem nicht in der jüngsten Zeit, weil dort die Menschen nicht auf engsten Raum zusammenlebten.

Die Löscharbeiten der Feuerwehr dauerten bis in die Abendstunden. Durch die enorme Hitze waren Teile des Daches eingestürzt. Darunter lagen noch brennende Trümmer. Das Technische Hilfswerk nahm die Gebäudereste mit einem Radlader auseinander, damit die Brandbekämpfer auch die letzten Glutnester noch löschen konnten. Am Mittag wurde eine Warnung an die Bevölkerung zurückgenommen. Am Morgen waren die Anwohner aufgefordert worden, wegen der starken Rauchentwicklung Fenster und Türen geschlossen zu halten. Durch die Thermik waren auch Teile der Container-Isolierung in die Luft gewirbelt worden. Sie lagen weit verstreut um den Brandort, sogar auf Spielplätzen landeten verkokelte Kunststoffteile.

(RP)