Muslime reinigen Platz in Mönchengladbach

Mönchengladbach: Junge Muslime säubern nach Silvester den Kapuzinerplatz

„Eigentlich bin ich nur hier, weil es den leckeren Tee gibt“, sagt Sajeel (9) mit verschmitztem Blick. Wenn nicht Ferien sind, geht er in Niederkrüchten in die Grundschule. Heute ist er um viertel nach fünf aufgestanden, um bei einer besonderen Aktion dabei zu sein.

Mittlerweile ist es kurz vor acht am Neujahrsmorgen. Immer noch dunkel. Eine ungewöhnliche Zeit, um unterwegs zu sein. Es liegt eine merkwürdige Stimmung über der Stadt. Auf dem Alten Markt lesen die Taxifahrer die letzten, selten nüchternen, Silvestergäste auf und fahren sie nach Hause.

Aber am Kapuzinerplatz hat vor wenigen Minuten ein munteres Treiben begonnen. Aus Kleinbussen, Transportern, Pkw klettern nach und nach gut 70 Männer, junge wie alte, einige Kinder. Sie greifen zu Straßenbesen und Mülltüten und machen sich über die Reste der Silvesternacht her – wovon es auf dem Kapuzinerplatz tatsächlich überreichlich gibt.

Es ist die jährliche Aktion der Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation. Wie schon seit mehr als 20 Jahren, sind sie auch heute wieder angetreten, um „ein Zeichen für bürgerschaftliches Engagement und unsere Verbundenheit zu unserem Heimatort auszudrücken“, wie Ghalib Sheikh, der Pressesprecher der Jugendorganisation Mönchengladbach und Viersen erklärt. Vor der Putzaktion haben sie sich, erzählt Shamsuddin Sadiq, der Vorsitzende der Gemeinde, zum Gebet zum Neuen Jahr zusammengefunden. Nach dem Putzen werden sie zusammen frühstücken.

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Die Ahmadiyya Muslim Jugendorganisation ist Teil einer bundesweiten Aktion: Etwa 6500 junge Muslime reinigen am 1. Januar in deutschen Städten die Straßen und Plätze, an denen in der Nacht zuvor gefeiert wurde. Walied Janjua ist der Vorsitzende des männlichen Teils der Jugendorganisation.

Er berichtet von vielfältigen Aktionen der Organisation: Bäume pflanzen, interkulturelle Feste, Charityläufe, Blutspendenaktionen. All diese Unternehmungen haben ein Ziel: in einer Zeit, in der viele Menschen Ängste vor Anhängern des Islam entwickeln – zu zeigen, dass der Islam eine menschenfreundliche Religion ist und dass sich die Ahmadiyya, eine Reformbewegung des Islams, für vollkommenen Frieden einsetzt.

Nach einer halben Stunde ist der Kapuzinerplatz sauber. Und der Alte Markt gerät unter die Besen der Jugendorganisation.