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Mönchengladbach: Musikgebühr schockt Vereine

Mönchengladbach : Musikgebühr schockt Vereine

Karnevalisten, Discobetreiber und Gastronomen sind in großer Sorge wegen der neuen Gema-Tarifstruktur. Sie fürchten massive Gebührensteigerungen. So würden für eine Disco etwa 48 000 statt 8000 Euro im Jahr anfallen.

Am 1. Januar nächstes Jahr soll die neue Tarifstruktur der Gema, der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, in Kraft treten. Die neue Struktur soll das Gebührensystem vereinfachen, gerechter gestalten. Ihre elf Tarife will die Verwertungsgesellschaft in zwei überführen. Was zunächst vernünftig klingt, schockiert indes die Veranstalter in der Stadt.

"Das ist völlig inakzeptabel"

"Ich sehe schwarz für unsere Saalveranstaltungen", empört sich Karnevalschef Bernd Gothe. Oliver Leonards, Vorsitzender des Clubs der Wirte, rechnet damit, dass die neuen Gebühren viele Gastronomen in den Ruin stürzen werden. Den Grund für die Wut verdeutlichen zwei Beispiele, die Stephan Büttner, der Geschäftsführer der Bundesvereinigung der Musikveranstalter, vorrechnet: Die Gebühren für eine Karnevalsveranstaltung auf einer Fläche von 800 Quadratmetern mit 20 Euro Eintritt erhöhen sich demnach von 770 Euro auf 1600 Euro, die jährlichen Gebühren für eine Diskothek mit einer Tanzfläche von 200 bis 300 Quadratmetern, die zwölf Tage im Monat öffnet und sechs Euro Eintritt verlangt, springen von 8000 auf 48 000 Euro – eine Steigerung um 500 Prozent. Betroffen sind Gastronomen, Karnevalisten und Schützen gleichermaßen. Die neuen Tarife gelten etwa auch für Zeltveranstaltungen, Silvesterbälle und Ostermenüs. "Die Reform ist völlig inakzeptabel und willkürlich", wettert Büttner. "Die bisherigen Tarife mit ihrer Einzelfallgerechtigkeit haben sich auf dem Markt bewährt. Jetzt werden alle über einen Kamm geschert. Wir haben große Sorgen um die Veranstaltungskultur in Deutschland." Als "nicht mehr zeitgemäß" bezeichnet demgegenüber Gema-Pressesprecherin Gabi Schilcher die derzeitige Tarifstruktur. "Kleine Veranstalter haben im Verhältnis zu viel gezahlt, große Veranstalter zu wenig. Das neue System funktioniert linear. Die Gebühren steigen mit zunehmender Größe und dem Eintrittspreis." 60 Prozent der Veranstalter, fährt Schilcher fort, würden entlastet werden, unter anderem kleine Tanz- und Schützenfeste, die keinen Eintritt verlangen würden.

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"Das ist eine Mogelpackung", kontert Büttner. "Die Gema gibt nicht preis, wie viele tatsächlich entlastet werden. Sie missbraucht ihre Monopolstellung." Ähnlich sieht es Oliver Leonards. "Das ist politisch sehr geschickt gemacht", sagt Leonards. "Man behauptet, die kleinen Veranstalter zu entlasten, doch letztlich zahlt die große Masse exorbitant mehr. Die Gastronomen können das nur an die Kunden weitergeben." Nicht betroffen von der neuen Tarifstruktur sind die Konzertveranstaltungen, wie etwa das Horst-Festival. "Aber die Festival-Szene ist alarmiert", sagt Leonards. "Warum sollte die Gema nicht auch dort die Gebühren anheben?" Bevor der neue Gema-Tarif in Kraft tritt, muss noch die Schiedsstelle des Deutschen Patent- und Markenamts über die Rechtmäßigkeit der Reform entscheiden.

(RP)