Mönchengladbach: Museum Abteiberg wird zum Fitness-Tempel

Mönchengladbach : Museum Abteiberg wird zum Fitness-Tempel

Rosa Sijbens vierteilige Performance-Serie # 6. Fittest verbindet Kunst mit sportlichen Aktionen rund um das Museum Abteiberg.

Das war ein anstrengendes Wochenende. Dazu eines, an dem die Kunst mit Wetter-Unbilden zu kämpfen hatte. Denn wegen des Regens wurde die Aktion von sieben Senioren des Fußballvereins DJK / VfL Giesenkirchen im Skulpturengarten des Museums Abteiberg zum Härtetest. "Wegen des Regens hatte ich überlegt, die Übungen unserer Trainingseinheit auf der Wiese zwischen Münster und Museum an die Situation anzupassen und Übungen nur im Stehen zu machen", berichtet Betreuer Lothar Panitz. Doch da hatte die Urheberin der Aktion, die Teil einer Performance der Amsterdamer Künstlerin Rosa Sijben (26) ist, ein Wörtchen mitzureden. Und Rosa beschied die Gruppe Sportler, die in der Kreisklasse A kicken, doch ganz planmäßig Stretching- und Muskelkräftigungsübungen teilweise auch im Sitzen und Liegen zu vollziehen.

Und so wurden Gerd Oversberg, Dominic Schiffer, Nico Arsic, Christos Kaizaltzis, Stevica Blazeski, Danny Skardina und Julien Hag beim sportiven Kunst-Auftritt ziemlich nass. Künstler-Pech. Immerhin hatten sich die acht Fußballspieler bei ihrem Auftritt im Rahmen der Performance # 6. Fittest, welche die Atelierstipendiatin Rosa Sijben als Beitrag zum diesjährigen Phasen-Start des "Ahnungslosen Traums vom Park" konzipiert hatte, vorher warmlaufen können. "Allerdings alles ohne Ball", informiert Betreuer Panitz, "auf dem abschüssigen Gelände rund um die Skulptur ,Flause' von Franz West hätte ein Balleinsatz wohl keinen Sinn ergeben." An diesem Nachmittag startete das Team nicht unter seinem bekannten Namen DJK / Vfl Giesenkirchen, sondern unter dem Begriff "These Beuys", womit Sijben an den Künstler Beuys anspielt.

Am Sonntag folgten drei weitere Sport-Events am und im Museum Abteiberg. Auf der Dachterrasse hatten zwei junge, Männer vom Studio "FitGym 24" mit muskulösen Körpern - Filippo Chiaradia (29) und Mario Mai (18) - acht kurze Auftritte, bei denen sie Kraft und Ausdauer beim Umgang mit Cross Ropes demonstrierten. "Das ist so kraftzehrend, dass auch gut durchtrainierte Leute das nicht länger als zwei, drei Minuten am Stück durchhalten", erklärte nach dem ersten Durchgang und kurzer Verschnaufpause der Odenkirchener Chiaradia. Also wechselten sich die beiden in kurzen Abständen ab, wobei der pausierende Sportler den anderen jeweils anfeuerte. Die armdicken, zehn bis 14 Meter langen geflochtenen Taue ("Cross Ropes") eignen sich, wie zu sehen war, hervorragend zur Fitness-Steigerung. Und um Fitness ging es der Künstlerin Sijben bei ihrem sechsten Stück aus ihrer Performance-Serie "Things are happening".

Drinnen im Museum gab es am Sonntag zwei weitere Fitness-Aktionen: Im Graphischen Kabinett zeigten drei junge Tänzerinnen aus Düsseldorf Hip-Hop-Tänze. Die Zuschauer hörten dabei nicht die Musikquelle, welche die Tänzerinnen per Kopfhörer zu agilen, körperbetonten Bewegungen animierte. Stille herrschte, nur leises Keuchen der Tänzerinnen war zu vernehmen. Ruhiger ging es auf der Plattenebene zu: Im Raum vor den sechs großen Bildern Sigmar Polkes leitete Miriam Spancken vom Fitness-Studio Sand 21 Teilnehmerinnen zu Pilates-Übungen am Boden an.

(RP)
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