Mönchengladbach: Mülfort – eine Fundgrube für die Archäologen

Mönchengladbach: Mülfort – eine Fundgrube für die Archäologen

Mülfort (togr) In Mülfort hat alles für ihn angefangen. Als Erich Otten 1957 mitbekam, wie am Marktplatz bei Bauarbeiten rote Dachziegeln römischen Ursprungs gefunden wurden, war es um ihn geschehen. Fortan war der gelernte Installateur über 50 Jahre lang als freier Mitarbeiter des Rheinischen Amtes für Bodendenkmalpflege tätig und in ganz Mönchengladbach und dem Umland unterwegs. Doch noch heute sagt der 82-Jährige: "Mülfort hat mir keine Ruhe mehr gelassen."

Es ist unter Fachleuten schon lange kein Geheimnis mehr, dass Mülfort in der Römerzeit eine kleine Stadt war. Und nicht umsonst trug die in den Sechziger Jahren gebaute Hochhaussiedlung den Namen Römerbrunnen . "Es wird vermutet, dass hier ein wichtiger Standort für den Pferdewechsel war. Auf jeden Fall haben sich römische Straßen in Mülfort gekreuzt. Eine verlief aus Richtung Liedberg kommend südlich der heutigen Giesenkirchener Straße", sagt Otten.

Als 2003 Reste einer alten Römerstraße auf dem Gelände der Gemeinschaftsgrundschule Mülfort-Dohr gefunden wurden, zog dies einen Baustopp nach sich – und das nicht zum ersten Mal. Mitte der Achtziger Jahre traten bei Baumaßnahmen oberhalb der Angerstraße Bronzereste zutage. Otten und weitere Mitarbeiter des Landesamtes fanden Töpferöfen und Gräber und rekonstruierten ein befestigtes Lager mit einem Speicherbau.

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"Wenn die Stadt damals mehr Begeisterung gezeigt hätte, könnten wir dort jetzt einen schönen, kleinen archäologischen Park haben", sagt Otten zur Wohnsiedlung, die heute "Am Römerlager" heißt. Wann immer in Mülfort etwas gebaut - oder wie im Fall des alten Mülforter Bahnhofs – abgerissen wird, schauen die Archäologen gespannt auf Mülfort. Auch für Otten, der in den letzten fünf Jahrzehnten mehrere hundert Funde katalogisiert hat, ist es bis heute der interessanteste Stadtteil Mönchengladbachs geblieben.

(RP)