Serie "Mein Lieblingsplatz": Morgenlicht auf dem Müllberg

Serie "Mein Lieblingsplatz" : Morgenlicht auf dem Müllberg

Wenn die einstige Spitzensportlerin Sonja Oberem ihre Laufschuhe anzieht und zum Training aufbricht, ist es noch leer im Rheydter Stadtwald. Sie sagt: Das ist die schönste Zeit, um in den Tag hinein zu laufen.

Sonja Oberem ist in Mönchengladbach jedem bekannt — die ehemalige Olympiateilnehmerin und Läuferin ist in in der Vitusstadt aufgewachsen, zur Schule gegangen, und sie feierte hier ihre ersten Erfolge. Früh zog es sie zu bundesweiten und später internationalen Wettbewerben.

Ob Sydney, Boston oder andere Großstädte — oft wird sie gefragt, ob ihr die Städte gefallen haben. "Ich war dort, um an den Wettbewerben teilzunehmen. Wenn ich einen Marathon laufe, habe ich keine Zeit, mir gleichzeitig die Sehenswürdigkeiten anzuschauen", sagt Sonja Oberem dann gern.

Oft gesehen hat die 38-Jährige den Müllberg, genannt Monte Klamotte, und den Rheydter Stadtwald. Durch Genhülsen, Günhoven, den Stadtwald oder den Hardterwald führt ihre, früher wie heute, 30 Kilometer lange Trainingstour. "Wenn ich in Mönchengladbach war, habe ich hier im Prinzip 360 Tage im Jahr trainiert", sagt Sonja Oberem beim Spaziergang durch den Stadtwald. Viel habe sich hier nicht verändert. Früher lief sie den Müllberg dutzende Male im Eiltempo hoch und runter, an die Tische und Bänke auf der Spitze hat sie sich aber noch nie gesetzt. Heute geht sie das Training entspannter an, mutet sich so ein hartes Pensum nicht mehr zu und fährt nebenher viel Fahrrad.

Das Laufen im Stadtwald, in dem sie "jeden Stein" kennt, ist trotzdem geblieben. Oft erkennen sie die Leute auch noch, sagt Sonja Oberem: "Eine Frau, die schneller über weite Strecken läuft als die meisten Fahrradfahrer, ist schon recht auffällig." Der Sport gehört nach wie vor zu ihrem Leben, sie sucht immer noch die Herausforderung. Allerdings erhole sich der Körper mit 38 Jahren langsamer als in den Zwanzigern.

Flexibilität und entspannte Lebenseinstellung sind Sonja Oberem sehr wichtig. Mit ihrem Mann führt sie eine Firma in Mönchengladbach, sie trainiert Jugendliche und organisiert in Düsseldorf Sportveranstaltungen. Zu einem entspannten Leben gehört für sie auch, sich nicht nur von Salat zu ernähren: "Das macht doch keinen Spaß", sagt sie lachend. Ein Glas Wein am Abend könne man sich — so die ehemaligen Spitzenatletin — ruhig gönnen.

Auch sie habe abends, wenn es dunkel wird, keine Lust mehr, sich noch zum Training aufzuraffen. Der Morgen, wenn die Felder und der Stadtwald noch fast leer sind, ist deshalb für sie die beste Zeit, um laufen zu gehen. "Außerdem", sagt Sonja Oberem, "ist es viel schöner, in den neuen Tag hinein zu laufen."

(ansc)
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