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Mönchengladbach: Monforts-Areal wird Masterplan-Herzstück

Mönchengladbach : Monforts-Areal wird Masterplan-Herzstück

Industrie und Dienstleistung, Eventgastronomie, Ausbildung und Museum: Die Krefelder Jagenberg AG lässt in den und um die alten Monforts-Hallen ein neues Quartier entstehen. Wichtig ist speziell die Verzahnung mit der Hochschule.

Schwarzer Formsand bedeckt den Hallenboden der insolventen Eisengießerei Monforts an der Schwalmstraße. Tauben nisten unter dem zwölf Meter hohen Giebel, wenig Tageslicht fällt in das düstere Gebäude. "Für diesen Bau gibt es noch keine konkreten Pläne", sagt Dr. Erich W. Bröker, Vorstand der Krefelder Jagenberg AG. Die Betonung liegt auf "noch". Denn auf dem überwiegenden Teil des Zehn-Hektar-Areals der ehemaligen Maschinenfabrik Monforts, das teils seit Jahren brach gelegen hatte, wird bereits gewerkelt, energetisch saniert, renoviert. Auf der Schnittstelle zwischen Gladbach und Rheydt entsteht das "Monforts-Quartier" — eines der ersten Projekte, die auf den Masterplan zurückgehen, und eines, das die Stadt mit einem ganz neuen Herzstück versehen wird.

Gestern wurden die Pläne erstmals der Öffentlichkeit präsentiert — und sie haben es in sich. "Hier wird nicht nur Farbe aufgemalt, sondern substanziell investiert", sagt Makler Norbert Bienen, der mit der Vermarktung des Quartiers beauftragt wird. Vier Millionen Euro nimmt Jagenberg in die Hand, um das Gebäudeensemble, dessen Geschichte 1897 begann, einer modernen Nutzung zuzuführen. Abgerissen wird wohl nur ganz wenig; saniert werden Gebäudeteile immer dann, wenn es bereits Mietinteressenten mit konkreten Vorstellungen gibt. "Für 62 Prozent aller Flächen liegen uns bereits Mietverträge vor", so Bröker. Die Pläne im Einzelnen:

Industrie In den Maschinenhallen wird auch künftig gefertigt werden — die A. Monforts Werkzeugmaschinen GmbH bleibt drin. Weitere Firmen aus dem Bereich Produktion und Verarbeitung können in den 28 000 Quadratmeter großen Hallen angesiedelt werden (der Nachbar Alstom Grid hat bereits Flächen für Montagearbeiten angemietet). "Wir werden auch die klassischen Shed-Dächer sanieren, neue Infrarot-Heizungen sind schon eingebaut", sagt Dr. Reinhard Körsmeier, Geschäftsführer des Quartierbetreiber MQ Management GmbH.

Dienstleistung Büros mit Loft-Charakter, etwa für Firmen aus der Kreativwirtschaft, können in beliebig großen Mieteinheiten bereitgestellt werden. "Von 30 bis 300 Quadratmeter ist alles möglich", sagt Jagenberg-Architekt Andreas Weith. Angedacht ist, dass Mieter eher kleinere Flächen mieten und die Tagungs- und Gastro-Flächen des Ensembles gemeinschaftlich nutzen. Der Willicher Medizingerätehersteller Rein Medical etwa zieht ein, die Werbeagentur Kemmerling sowie das Design-Studio Studio 77.

Gastronomie/Events Event-Caterer Noi! verlegt seinen Sitz ins Quartier, übernimmt das alte Casino im Keller und eröffnet es Mitte Oktober unter dem Namen "Kette & Schuss" als Restaurant im Industrie-Look. Es wendet sich an Beschäftigte des Monforts-Quartiers, benachbarte Unternehmen sowie ab Januar auch die Öffentlichkeit und bietet Mittagstisch sowie À-la-Carte-Küche. Zudem betreibt Noi! Maschinenhalle und Direktorenhaus und vermietet die Räume für Events und Konferenzen. Nächste Veranstaltungen sind die Hausmesse des Weinhändlers La Tienda (12./13. Oktober) und der Weihnachtsmarkt Claus (14./15. Dezember)

Museum Ab 1. Januar wird das Textilmaschinendepot aus den Boetzelen-Höfen ins Quartier verlegt. Das "Textil-Technikum" wird somit Teil der Kulisse der Maschinenhalle, aber auch zu einem Museum, das täglich besucht werden kann. "Wir wickeln das Besucher-Handling ab, ein Konzept wird gerade mit dem Schloss Rheydt erstellt", sagt Noi!-Gründer Thorsten Neumann.

Ausbildung Die von Borussia-Präsident Rolf Königs initiierte Idee, im Monforts-Quartier eine textile Akademie zur Aus- und Weiterbildung zu etablieren, nimmt Formen an. Dadurch entstünde ein Ensemble aus textiler und industrieller Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft — und eine noch intensivere Verzahnung mit der Hochschule.

Erholung Die 25 000 Quadratmeter großen Grünflächen des Ensembles machen dessen besonderen Reiz aus und sollen weitestgehend erhalten bleiben. Außerdem ist geplant, das Gelände zum Süden hin zu öffnen und die Webschulstraße bis zur Schwalmstraße zu verlängern — als Achse für Fußgänger und Radfahrer. Das würde den Campus-Charakter der Hochschule stärken und wäre im Sinne des Masterplans.

(RP)