Mönchengladbach: Molotow-Cocktail: Angeklagter entschuldigt sich bei Kiosk-Betreiberin

Mönchengladbach : Molotow-Cocktail: Angeklagter entschuldigt sich bei Kiosk-Betreiberin

Sie arbeite nach wie vor auch in den späten Abendstunden in ihrem "Glück-Auf"-Kiosk in Hückelhoven-Ratheim, sagte gestern die Besitzerin des Büdchens in ihrer Zeugenaussage vor dem Schwurgericht.

Der junge Mann auf der Anklagebank habe sie zwar am 6. Mai vergangenen Jahres sehr verängstigt, als er einen brennenden Molotow-Cocktail auf die Schaufensterscheibe des Kiosks im Parterre eines Sechsfamilienhauses warf. Sie sei aber auf die Einnahmen weiterhin angewiesen, machte das Opfer klar.

Brand konnte gerade noch gelöscht werden

Der 23-jährige Hückelhovener, dem die Staatsanwältin versuchten Mord, schwere Brandstiftung und Verstoß gegen das Waffengesetz vorwirft, gab sich zerknirscht: "Es tut mir leid, ich kann es nicht erklären." Die Frau machte ihm daraufhin klar: "Junger Mann, da musst du innerlich mal sehr nachdenken."

Die Bewohner des Hauses kamen mit dem Schrecken davon. Der brennende Molotowcocktail hatte nur die äußere Scheibe des doppelt verglasten Fensters durchbrochen. Der Sohn der türkischstämmigen Kioskbetreiberin konnte die in Brand geratene Reklamefolie noch rechtzeitig löschen.

Auf der Party hieß es: "Ihr werdet viele Feuerwehrwagen sehen"

Auch am Dienstag erinnerten sich im Prozess vor dem Landgericht Schüler und Lehrlinge an die alkohol- und jointreiche Party, die sie mit dem Angeklagten am 6. Mai 2013 in Ratheim gefeiert hatten. Offenbar waren damals einige der Partygäste auf die "Schnapsidee" gekommen, einen so genannten Molotow-Cocktail zu basteln.

Einige der Zeugen hatten sich allerdings an dem Partyabend entfernt, nachdem sie die rätselhafte Ankündigung "Heute Abend werdet ihr viele Feuerwehrwagen sehen" gehört hatten. So hatte auch ein 18-jähriger Dachdecker-Lehrling die Party rechtzeitig verlassen. Am nächsten Tag berichteten ihm Freunde, dass der Angeklagte plötzlich losgelaufen sei, den Molotowcocktail von der Fensterbank genommen, gezündet und auf den Kiosk geworfen habe.

Zu Beginn der Ermittlungen wurde ein fremdenfeindlicher Hintergrund vermutet. Der Angeklagte beteuerte jedoch auch gestern wieder: "Ich habe nichts gegen Ausländer". Der Prozess wird fortgesetzt.

(RP)
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