Mönchengladbacher Christkindlmarkt

Christkindlmarkt in Mönchengladbach: Schutzengel, rote Hexen und Vogelfutter

Es ist die Zeit der Weihnachtsmärkte. Einen in Mönchengladbach gibt es, der besonders ist. Aus drei Gründen: Er dauert nur acht Stunden, er existiert seit 45 Jahren und er ist nicht kommerziell. Es geht um den Christkindlmarkt.

Ruth Walter, die zusammen mit Renate Gliemeroth den Christkindlmarkt gründete, geht mit ihren Enkelinnen Elisa und Jule über den Markt. Die beiden hatten die Idee, selbstgemachtes Vogelfutter zu verkaufen. Jule hat ein Tablett um den Hals gehängt, das ist ihr „Bauchladen“. Er ist fast leer – und dabei „laufen sie schon das zweite Mal über den Markt“, erzählt Ruth Walter. Sie kennt hier jeden, so scheint es, viele sprechen sie an. Ob Jule und Elisa mal in Omas Fußstapfen treten und Organisatorinnen oder Teilnehmerinnen des Christkindlmarktes werden?

Bei Charlotte Lorenz war es so: Sie hat den Markt von ihrer Mutter „geerbt“, ist förmlich in ihn hineingewachsen. Zum sechsten Mal organisiert sie ihn in diesem Jahr. „Die Roten Hexen feiern Jubiläum“, erzählt sie. Sie verkaufen Kartoffelsuppe. Nach langer Zeit wieder einmal dabei ist der Kinderschutzbund. „Neues Team, neuer Wind, neuer Start“, erzählen die Frauen vom Stand. Der Kinderschutzbund, der sich als Schutzengel für die Kinder verstehen, bietet genau das an: Schutzengel. Aus Holz, aus Aluminium, große und kleine. Viele wurden von den Kinder der Ogata und den Schülern der katholischen Grundschule Ohler hergestellt.

Schülerinnen der Musikschule musizierten auf dem Christkindlmarkt. Foto: Isabella Raupold

Die Herren vom Round Table 47 sind – wie nennt man das heutzutage so schön – proaktiv: Sie laufen mit ihren Los-Eimern über den Kapuzinerplatz und bieten sie so eindringlich an, dass man kaum nein sagen kann. 6000 Lose sind in ihren Eimerchen. „600 erstklassige Gewinne“ gibt es. Da ist es dem rechnenden Menschen klar, dass viele Nieten in den Töpfen sind. „Ihr seid die Drückerkolonne vom Christkindlmarkt“, ruft ein Besucher gut gelaunt, als er seine Nieten öffnet. „Aber jetzt sind doch noch mehr Gewinne übrig“, kontert der Losverkäufer. Die Mitglieder des Round Table gehören zur Tradition des Christkindlmarktes. Jedes der 15 Mitglieder besorgt je 40 Gewinne und spendete sie dem Christkindlmarkt. Und alle haben jede Menge Spaß beim Losverkauf. Gewinnen kann man auch bei den Soroptimisten: „Jeder Zug gewinnt“ heißt es bei der Fadenlotterie. Man zieht an einem Faden und erwischt eine kleine verpackte Überraschung.

Aber man kann auch ganz bewusste Einkäufe tätigen: Weihnachtskarten, Teelichthalter, gestrickte Socken, gefilzte Taschen, genähte Lätzchen, gebrauchte Bücher, Tannensträuße, Marmelade. Handgefertigt von Schülern, Eltern und Bastelwütigen. Inge Worms, die an diesem Vormittag am Stand von „Menschen im Zentrum“ steht, erzählt, dass gerade eben eine Frau vorbeigekommen sei. Sie habe so viele Topflappen gehäkelt und würde sie gerne dem Stand schenken. Ein Jahr lang, so erklärt Inge Worms, treffen sich Eltern und Großeltern jeden Mittwochvormittag, um für den Christkindlmarkt zu nähen, zu filzen, zu stricken und zu häkeln.

Charlotte und Emily liefen mit Bauchläden herum und verkauften Lose. Foto: Isabella Raupold
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Und wenn man vom Einkaufen hungrig ist: Kaffeespezialitäten, Punsch mit und ohne Alkohol sind im Angebot, Reibekuchen, heiße Kastanien, Champignons, Kartoffelsuppe, Gulaschsuppe, Crepes, Leberkäs-Brötchen, Stollen.

Die insgesamt 50 schön dekorierten Holzbuden stehen auf dem Kapuzinerplatz. Sie wurden am Freitagabend aufgebaut. Pünktlich um 17 Uhr am Samstag verschwinden sie wieder vom Platz.

Für das kommende Jahr, wenn auf dem Kapuzinerplatz die Markthalle stehen soll, wird noch nach einem alternativen Platz gesucht. Der Erlös des Christkindlmarkts kommt sozialen Zwecken zugute.

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