Kolumne : Hand auf, Augen zu

Das Champions League-Finale zwischen Bayern München und Paris St. Germain sollte nun endlich auch die letzten Kritikerstimmen verstummen lassen, die immer noch behaupten, Katar sei keine Fußballweltmacht.

Zwei von dem Emirat am Persischen Golf mit zig Millionen geförderte Fußballvereine sind die besten Vereinsmannschaften der Welt – und das, obwohl Fußball in das kleine Scheich-Reich nur die drittbeliebteste Sportart ist hinter Cricket und Kamelrennen. Das spricht für ein guter Riecher von Tamim bin Hamad Al Thani, dem Staatschef von Katar, der gleichzeitig auch der oberste Sportfunktionär von sein Land ist. Vor allem, weil ein Champions League-Finale als Geisterspiel stimmungsmäßig schon mal die ideale Einstimmung auf die Fußball-WM in Katar 2022 ist, die ja nicht nur vor halbleere Stadions, sondern auch im Winter stattfindet, damit die Plastikstollen nicht schmilzen. Dass Bayern München schon seit über zehn Jahre mit das totalitäre Königshaus klüngelt und ihm damit hilft, Sportswashing zu betreiben, also Imagepolitur durch sportliche Erfolge, lässt Vorstandsboss Rummenigge nicht gelten. Er sagt, Sport und Politik hätten nix miteinander zu tun, Diskussionen über Menschenrechtsverletzungen oder Diskriminierungen seien unangebracht. Zum Glück sind Profifußballer traditionell hetereosexuell, denn Homosexualität steht in Katar unter Strafe und die Gesetze der Scharia sind nicht gerade zimperlich. Aber für Rummenigge zählen ganz andere Werte. Er schätzt vor allem die katarische Uhrmacherkunst und das alljährliche Trainingslager in Doha wegen das milde Klima. Verständlich, denn wo sonst kann man die Temperatur auf ein Trainingsgelände bedarfsgerecht für jeden Spielertyp auf der Klimaanlage einstellen? Fairerweise muss man aber sagen, dass Paris St. Germain und Bayern München nicht die einzigen erfolgreichen Clubs sind, die von Katar großzügig unterstützt werden. Es gibt auch noch al-Qaida, Taliban und Hamas.

Euer Hastenraths Will