Mönchengladbach: Echte berufliche Perspektiven für Migrantinnen

In der Volkshochschule Rheydt gab es Zeugnisse. Zehn Absolventinnen haben es geschafft, sie können in den Beruf starten.

Es ist das feierliche Ende einer elfmonatigen Maßnahme: die Zeugnisvergabe der BIF 10 Klasse 2017 in der Volkshochschule Rheydt. Die Abkürzung steht für die zehnte Auflage der Beruflichen Integration von Frauen mit Migrationshintergrund, ein Projekt zur beruflichen Weiterbildung in Kooperation mit dem Jobcenter. „Die Zeit war manchmal nicht leicht, man musste vieles zu Hause nacharbeiten“, erinnert sich Zejnepa Dyllong. Die Serbin hat gemeinsam mit elf weitere Frauen die Maßnahme im letzten Jahr begonnen, jetzt gehört sie zu den zehn, die die Prüfungen gemeistert haben. „Jede Minute des Unterrichts hat sich gelohnt“, ist sich Dyllong sicher. Für sie geht es direkt in eine weitere, berufsspezifischere Ausbildung. Das Ziel: Detektivin.

Berufliche Integration von Migranten erweist sich oft als nicht einfach. In vielen Fällen werden die Qualifikationen aus dem Herkunftsland in Deutschland nicht anerkannt, Andere haben gar keine berufliche Ausbildung genossen. Dazu kommt die Sprachbarriere. „Bei uns bekommen die Teilnehmer eine Grundlage für den Arbeitsmarkt“, sagt Projektbegleiterin und Lehrerin Izabela Abel. In den 25 Wochenstunden haben die Teilnehmerinnen neben dem Deutschunterricht mit Fokus auf Wirtschaftsdeutsch auch Unterricht in EDV und Bewerbungstraining. Auch die sozialpädagogische Betreuung ist ein Teil des Projekts. „Für Frauen ist oft noch schwieriger als für Männer in einem fremden Land Arbeit zu finden,– auch wenn sie schon einige Jahre hier leben“, sagt Abel. In vielen Fällen müssen sie den Haushalt führen und auf die Kinder aufpassen, wenn diese noch keinen Kita-Platz haben. Zeit für die eigene berufliche Karriere bleibe dann wenig. „Die Frauen, die zu uns kommen, haben ein hohes Maß an Potenzial. Wir helfen ihnen dann dabei, dieses zu entfalten“, erklärt Projektbegleiterin Claudia Negrini. EDV-Lehrer Manfred Spreitzer lobt bei der Abschlussfeier die Motivation und Hingabe der Absolventinnen.

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Die BIF-Maßnahme soll Perspektiven schaffen. Für manche Teilnehmer geht es direkt ins Berufsleben. Die Quote lag beim BIF 9 bei rund 50 Prozent. Andere bilden sich in weiteren Maßnahmen fort. Denn für alle Teilnehmerinnen ist klar: Ein Job ist wichtig für das Leben in der neuen Heimat. Zur Abschlussfeier war zudem der neue Jahrgang eingeladen, die in nächster Zeit ihre Maßnahme beginnen. „Wir machen das immer so, damit sich die neuen Teilnehmerinnen mit den Absolventinnen austauschen können – über ihr Leben und die Pläne für die Zukunft.“ Auch Zejnepa Dyllong schätzt dieses Ritual: „Als sie im letzten Jahr hier anfing, war ihre Motivation nach dem Gespräch mit den Absolventen noch größer als ohnehin schon“, erinnert sich Projektleiterin Cleopatra Altanis. Dies sei mit ein Grund, weshalb die Maßnahme so viel Erfolg habe.

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