Eine-Stadt-Fest : Die Meile des guten Geschmacks

Das Eine-Stadt-Fest lockte mit Kulinarischem, Kunsthandwerk und Live-Musik tausende Besucher auf die ehemalige Stadtgrenze.

Während die Oldie-Rocker von Obergärig ihre Instrumente stimmen und den letzten Sound-Check absolvieren, bereiten sich auch Brigitte Siefert und Conni Kaufmanns vor. Auf der Checkliste der beiden Freundinnen stehen im Grunde nur zwei Sachen: kühle Getränke besorgen und einen guten Platz mit der richtigen Sicht und Hörweite finden. Schnell können die beiden Besucherinnen des Eine-Stadt-Festes ein Häkchen hinter beide Punkte setzen. Mit einem Glas Wein ausgerüstet, warten sie gespannt auf den Oldie-Rock, der jeden Moment aus den Boxen dröhnen müsste. „Wir sind auf Empfehlung unserer Kinder hier“, erklärt Brigitte Siefert. Beide besuchen zum ersten Mal das „Fest mit der besonderen Aussagekraft“, wie es die Organisatoren das Eine-Stadt Fest zu nennen pflegen.

Seit Jahren treffen sich auch die alteingeschworenen Rheydter und Gladbacher jährlich auf der ehemaligen Stadtgrenze. Zum 16. Mal gastierte nun die „Meile des guten Geschmacks“ auf der langen Allee zwischen der Rheydter und Gladbacher Innenstadt. Das Fest für Kunst und Kulinarik lockte auch in diesem Jahr wieder etliche Tausend Besucher auf die Richard-Wagner-Straße und Brucknerallee.

Die Stände waren dicht umlagert, die Sitzplätze sehr begehrt. Zu Probieren gab es genug. Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)

Kommt man vom Rheydter Marktplatz aus auf das Fest, tut sich einem als erstes die lange Gourmet-Meile wie ein einziges großes Restaurant auf. Wagt man sich in das Getümmel, findet man ein kulinarisches Schlaraffenland. Chinesisches Essen, Burger nach amerikanischer Art oder Flammkuchen aus dem Elsass – es ist schier unmöglich, diese Meile hungrig zu verlassen. Überall wird gekocht, gebraten und gegart. Heiß ist es auch in dem zwei Meter langen Smoker von „Taste of Texas“ aus Köln. „Bei uns im Smoker herrschen immer um die 110 Grad Celsius“, erklärt Jonas, der die Besucher mit frisch gegartem Angus-Rindfleisch und den hausgemachten Barbecue-Saucen versorgt.

Gegrilltes war begehrt auf dem Eine-Stadt-Fest. Aber auch exotische Speisen konnten probiert werden. Foto: Reichartz,Hans-Peter (hpr)

In Sachen Schärfe wird man beim Senf- und Gewürzstand von Dorothee Terhorst aus Erkelenz fündig. Der ultimative Schärfegrad aus der Alten Senfmühle ist? „Unser Chili-Senf“, erklärt die Besitzerin hinter ihrer Theke. Schon der Name lässt erahnen, wie scharf dieses Zeug sein muss. „Wir haben ganz verschiedene Schärfegrade im Sortiment“, sagt Terhorst. Von mild über würzig bis Kategorie „Feuer“, sei für jeden Geschmack etwas dabei – natürlich alles hausgemacht. Der beliebteste Senf sei der süß-scharfe Senf.

Der Stand von Dorothee Terhorst von der Alten Senfmühle in Erkelenz. Foto: Dominik Lauter

Kommt man zum Kreisverkehr Breite Straße, so lässt man die kulinarische Meile auf Rheydter Seite langsam hinter sich. Unmittelbar neben dem NEW-Blauhaus gibt es die lauteste Attraktion des Wochenendes zu sehen, und vor allem zu hören. Auf der großen Bühne werden am Festwochenende rund 30 Stunden Programm geboten. Darunter sind Künstler wie DSDS-Gewinner Severino Seeger zum Auftakt am Freitag, Obergärig und King for a Day am Samstag. Am Sonntag – zum krönenden Abschluss – ist dann mit Booster eine der beliebtesten Cover-Bands der Stadt zu Gast. Zudem finden viele interaktive Aktionen auf der Bühne statt, wie Zumba oder Krav Maga Selbstverteidigung. Die Breite Straße ist aber auch kinderreich: Auf dem Abschnitt in Richtung der Gartenstraße findet sich ein Paradies für die kleinen Besucher.

Der Slalom-Parkour der Rollbrett-Union. Foto: Dominik Lauter

Auf der Richard-Wagner-Straße befindet sich die Kunst-Meile, die sich ebenso abwechslungsreich zeigt wie der kulinarische Nachbar. 35 internationale Künstler haben dort ihre Stände aufgebaut. Am härtesten von allen: Der Chirurgenstahl des familiär geführten Metallbetriebs Wybierala aus Bonn. „Wir machen im Grunde alles, was mit Metall zu tun hat“, sagt Benjamin Wybierala, der gemeinsam mit seinem Vater Uwe den Betrieb führt. Hier kann man sich Ringe oder Münzen aussuchen, anfertigen und gravieren lassen. Außerdem gibt es eine Auswahl an kunstvollen Gürtelschnallen sowie personalisierbaren Bierdeckeln aus Metall.

Ziemlich außergewöhnlich sind die Kunstwerke von Werner Götten. Der Hobby-Künstler stellt dreidimensionale Bilder her. Beispielsweise gestaltet er die Rheinuferpromenade von Düsselsdorf: Das Foto der Rheinpromenade im Hintergrund und kleinen Schiffsmodellen im Vordergrund lassen das Motiv ausgesprochen lebendig erscheinen. Die kleinen Kästen sind dazu noch beleuchtet und erfreuen sich großen Interesses der vielen Besucher.

Zum Abend hin füllen sich die Sitzgelegenheiten vor und neben den Ständen. Man trifft sich mit Freuden und Familie zum Essen, man probiert Wein und lauscht der Musik. Es ist ein Fest, das so gut wie alle Sinne und alle Zielgruppen anspricht und eine niveauvolle Brücke zwischen den beiden Innenstädten schlägt.

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