Mönchengladbach: Fuck up night in Eicken: Risiken und Chancen des Scheiterns

Nachdem Thomas Edisons Glühbirne endlich funktionierte, soll er gesagt haben: „Ich bin nicht gescheitert. Ich habe 10.000 Wege gefunden, wie es nicht funktioniert.“

Schöner scheitern, unter dieses Motto könnte man die Idee des globalen Formats „Fuck up night“ stellen. Gut 120 Gäste waren ins TIG gekommen, überwiegend junge Erwachsene, im besten Alter also, ein Unternehmen zu gründen, eine Idee beruflich umzusetzen – immer mit dem Risiko des Scheiterns im Kopf. Und gerade das ist es, was viele von vornherein abhält, etwas zu riskieren.

Peter Godull, Mönchengladbacher Marketing- und Werbeexperte, begrüßte die Gäste und zählte auf, was er sich für den Abend wünscht. Die Menschen sollen rausgehen mit dem Mut zu gründen, mit dem Bewusstsein, wir brauchen eine neue Fehlerkultur und dem Wissen: Scheitern gehört zum Leben. Und zuletzt: Habt Fun.

Vier Redner hatten sich bereiterklärt, ihre Geschichte des Scheiterns auf der Bühne preiszugeben. Denen gebührt großer Respekt: Patrick Schiffer, ehemals Piratenpartei, Pastor Jan Hanser, Unternehmer Boris Thienert und Bouke Stoffelsma, Vorstand der Hausheld AG. In großer Offenheit offenbarten sie ihr Scheitern. Aber was sie eben auch offenbarten, war, wie sie aus dem Scheitern herausgefunden und vor allem: was sie daraus gelernt haben. Ein empathisches Publikum stellte kluge Fragen und gab sensibles Feedback.

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Sehr überzeugend und persönlich schilderte Jan Hanser, wie er niemals Pastor werden wollte und es dennoch wurde. Und dann noch in einer überalterten Gemeinde, die ihn lieber heute als morgen loswerden wollte. „Ich habe Dinge getan, die ich nie tun wollte, um Leuten zu gefallen, die ich hasste.“ Drei Jahre hat es gedauert, und ein Anstoß von außen brachte ihn da raus. Was er gelernt hat: mehr auf sein Bauchgefühl zu hören.

Boris Thienerts Vortrag stand unter dem Motto „Wie ich eine Privatinsolvenz vermied und eine Freundschaft aufgab“. Sein Fazit: Macht keine Geschäfte mit Freunden. Bouke Stoffelsma schilderte den gescheiterten Versuch der Durchsetzung seines „high tec Dosenpfands“. Ähnlich wie bei Patrick Schiffer hatte sein Scheitern mit politischen und gesellschaftlichen Widerständen zu tun. Sein Fazit: Es liegt nicht alles in deiner Hand. Es zu akzeptieren, hilft aber.

Nun werden vier Bespiele des Scheiterns die gesellschaftliche Kultur nicht ändern. Dazu ist die Gesellschaft viel zu sehr auf Erfolg getrimmt, auf glatte Lebensläufe, auf Bestnoten und Höchstgehälter. Ein Satz wie „Eine Gesellschaft, die das Scheitern nicht wertschätzt, verpasst die Möglichkeit, sich weiter zu entwickeln“, muss erstmal verdaut werden. Aber ein Anfang ist gemacht. Die zweite Fuck up Night ist am 12. November.

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