Jüdische Kulturtage in Mönchengladbach Zu Besuch auf den jüdischen Friedhöfen

Mönchengladbach · Im Rahmen der jüdischen Kulturtage öffneten einige sonst nicht zugängliche jüdische Friedhöfe ihre Tore. Es gab Informationen über Beerdigungsrituale und Persönlichkeiten, die dort ihre letzte Ruhestätte gefunden haben.

 Viele interessierte Besucher schauten sich die jüdischen Friedhöfe in Mönchengladbach an.

Viele interessierte Besucher schauten sich die jüdischen Friedhöfe in Mönchengladbach an.

Foto: Ilgner Detlef (ilg)

Mehr als 30 Teilnehmer finden sich zu einer Bustour ein, die sie zu vier jüdischen Friedhöfen in Mönchengladbach bringen wird. Zwei Ruhestätten werden noch belegt, die beiden anderen in Odenkirchen und Wickrath sind geschlossen. Der größere der beiden Friedhöfe, auf denen regelmäßig Beerdigungen stattfinden, liegt mit etwa 460 Gräbern an der Hügelstraße. An der Eifelstraße mit etwa 140 Grabsteinen wird nur in Einzelfällen bestattet.

Rabbiner Yitzhak Hoenig von der Jüdischen Gemeinde erklärt den bedeutendsten Unterschied zu christlichen Friedhöfen: Jüdische Begräbnisstätten kennen keine zeitlich begrenzte Totenruhe. Sterben und Tod werden im Judentum beschrieben mit „Hineingehen in das Haus der Ewigkeit“. Und so sind auf dem jüdischen Friedhof an der Hügelstraße ab dem Jahr der Friedhofsgründung 1841 angelegte Gräber immer noch vorhanden. Teilweise sind sie mit Gras und Efeu überwuchert, die Inschriften auf verwitterten Grabsteinen nur noch schwer lesbar.

Ein jüdisches Symbol wie der Davidstern oder die Menora sollte auf jedem Grabstein als Zeichen der Zugehörigkeit vorhanden sein, erklärt Hoenig die Gestaltung. Die Inschriften beschränken sich auf Formeln in hebräischer, in letzter Zeit auch in russischer oder deutscher Schrift wie „Hier ruht“ oder “Seine/Ihre Seele sei eingebunden in das Bündel des ewigen Lebens“. Die Schlichtheit von Grabgestaltung und Grabstein verweist auf die Gleichheit aller Menschen nach dem Tod.

Alle Gräber zeigen in Richtung Osten, Richtung Jerusalem. Nur ein Mahnmal ist nach Norden gerichtet, das der Gefallenen im Zweiten Weltkrieg. Es steht auf einem Stück Land, das noch nicht zum Friedhof gehörte, als es errichtet wurde. Blumenschmuck gibt es auf dem Friedhof nur hier und da. „Blüten kommen und gehen. Wir möchten, dass die Trauernden lieber für eine gute Sache spenden, das bleibt bestehen“, erklärt Hoenig diesen Unterschied zu christlichen Friedhöfen.

Vorstandsmitglieder der Organisatoren dieses Besuchertages, darunter Svetlana Stepaneca von der Jüdischen Gemeinde und Rolf Hock von der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit, stellen die Grabstätten bekannter Mönchengladbacher Persönlichkeiten vor: die Eltern des Philosophen Hans Jonas, Rosa und ihr Mann Gustav Jonas, Textilfabrikant und erster Ratsherr der Stadt; Selly Raphaelson, Bruder des Symphonieorchester-Gründers Louis Raphaelson; die Familie von Moses Stern, Stifter von bekenntnisübergreifenden, sozialen Programmen. Es sind Menschen, die bis zum Terrorbeginn in den 1930er Jahre nicht nur fest integriert, sondern führend in der städtischen Gemeinschaft waren.

Das Interesse an der Tour ist nach Angaben von Rolf Hock so groß, dass man nun einen weiteren Besichtigungstermin der Friedhöfe für Ende Mai/Anfang Juni plant.

Heute gibt es im Rahmen der jüdischen Kulturtage einen Chor-Abend mit israelischen und hebräischen Volkstänzen im BIS-Zentrum an der Bismarckstraße 97-99. Los geht es um 18 Uhr. Es singt der Chor „Shalom“ und es tanzt die Gruppe „Freilachs“

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort