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Mönchengladbach: Zins belastet Ergebnis der Volksbank vor Fusion mit Meerbusch

Volksbank Mönchengladbach vor der Fusion : Zins belastet Volksbank-Ergebnis

Geld-Einlagen bei der Zentralbank kosten Strafzins. Seit Jahresbeginn gibt die Volksbank deshalb Negativzinsen an Großanleger weiter. Dennoch ist die Bilanz für 2019 gut. Im Mai steht die Fusion mit der Volksbank Meerbusch an.

Die Volksbank will wachsen in diesem Jahr. Das ist für eine Bank sicher kein allzu bahnbrechendes Vorhaben. Die Genossenschaftsbank mit Niederlassungen in Gladbach, Erkelenz und Willich will dazu aber eine neue Fusion eingehen: Im Mai soll die Volksbank Meerbusch mit unter das Gladbacher Dach kommen. Das bekräftigte der Vorstand am Donnerstag bei der Vorstellung der Bilanz für das abgelaufene Jahr.

Am 25. Mai soll die Vertreterversammlung der Volksbank Meerbusch über die Fusion entscheiden, einen Tag ist das Gremium der Gladbacher Volksbank dann gefragt. Stimmen beide zu, erfolgt die Fusion rückwirkend zum 1. Januar 2020. Für Kunden in Mönchengladbach wird sich nichts ändern. Die Kunden in Meerbusch müssen sich an eine neue Bankleitzahl und damit auch an eine neue IBAN gewöhnen. Und möglicherweise werden die Preise und Konditionen für Geldanlagen angepasst. Die Volksbank Meerbusch ist mit einer Bilanzsumme von 300 Millionen Euro, 60 Mitarbeitern und fünf Standorten die deutlich kleinere. Meerbusch wird dann zu einer neuen Niederlassung der Volksbank Mönchengladbach. Die beiden bisherigen Geschäftsbereiche grenzen in Willich aneinander.

Die Volksbank Mönchengladbach hat im abgelaufenen Geschäftsjahr aber auch in der Bilanz zugelegt. Die Bilanzsumme ist um 5,2 Prozent auf knapp zwei Milliarden Euro gewachsen. Das betreute Kundenvolumen betrug zum Jahresende fast vier Milliarden Euro, was einem Zuwachs von 5,4 Prozent entspricht. „Wir sind mit 2019 sehr zufrieden“, sagte der Vorstandsvorsitzende Veit Luxem. „Und 2020 hat auch gut angefangen.“ Allerdings sei durch die Verbreitung des Coronavirus eine „Delle im ersten Quartal“ zu erwarten, so Luxem, der anhand der Geschäftszahlen bilanzierte: „Wir sehen keine Tendenzen einer Rezession in Deutschland.“

Der Gesamtbestand der Kundeneinlagen wuchs um 88 Millionen Euro auf knapp 1,5 Milliarden Euro – trotz der praktisch nicht vorhandenen Zinsen. Luxem räumte ein, die Volksbank beschäftige sich mit Negativzinsen: „Bei Großanlegern gibt es seit Anfang 2020 bereits Vereinbarungen über Negativzinsen, aber wenn die Entwicklung so weitergeht, dann wird dies auch bei kleineren Beträgen virulent werden.“

Der historisch tiefe Zins als Hauptertragsbringer belastet auch das Ergebnis der Volksbank. Der Zinsüberschuss sank um 3,9 Prozent auf 35,3 Millionen Euro. Der Provisionsüberschuss, der aus dem Vermittlungsgeschäft für Wertpapiere und Kapitalmarktfonds stammt, bliebt stabil bei gut 16 Millionen Euro. Unterm Streich bleibt somit ein Ergebnis von 14,5 Millionen Euro (minus 3,4 Millionen Euro), von dem nach Steuern, Zusatzbelastungen durch eine Computerumstellung und der Dotierung des Fonds für allgemeine Bankrisiken ein Jahresüberschuss von drei Millionen Euro bleibt. Davon will die Bank mit 1,7 Millionen Euro die Rücklagen stärken und 1,3 Millionen Euro als Dividende an die Mitglieder ausschütten.

Bei schwieriger Ertragslage im klassischen Bankengeschäft sucht das Institut nach neuen Erlösquellen – etwa im Immobiliengeschäft. Derzeit baut die Volksbank in Erkelenz einen Komplex mit 30 Wohnungen und zwei Gewerbeeinheiten für rund sieben Millionen Euro. Im Sommer oder Herbst soll alles fertig sein. Und ein ähnliches Projekt ist in Wegberg geplant, wie Vorstandsmitglied Franz Dierk Meurers sagte. Im Zentrum will die Volksbank Wohnungen und Gewerbeeinheiten für rund vier Millionen Euro bauen und anschließend vermieten – die Bank wird also als Immobilieninvestor tätig. „Wenn alles planmäßig verläuft mit Architekt und Behörden, dann soll das Projekt im Frühjahr konkreter werden“, sagte Meurers.

Die Kunden der Volksbank sind zwar immer digitaler, 85 Prozent der knapp 2,4 Millionen Überweisungen wurden 2019 online getätigt, wie Vorstandsmitglied Josef Brück sagte. Aber eine Schließung von Filialen sei bisher für 2020 nicht geplant. Auch keiner der fünf Standorte der Volksbank Meerbusch solle im Zuge der Fusion geschlossen werden: „Die Standorte sollen absehbar erhalten bleiben“, sagte Luxem.