Mönchengladbach: Yoga auf dem Hauptfriedhof

Neue Aktionsreihe : Dehnübungen auf dem Hauptfriedhof

Die Stadttochter Mags möchte ihre Friedhöfe durch Aktionen erlebbarer machen. Der Auftakt war eine Yoga-Session, zu der rund 30 Teilnehmer kamen. Mancher Friedhofsbesucher fühlte sich von der Veranstaltung gestört.

Die Sonne hat es geschafft, sich durch die grauen Regenwolken zu kämpfen und taucht den städtischen Hauptfriedhof am Samstagnachmittag n warmes, freundliches Licht. Auf einer Freifläche unter den Platanen bietet sich eine ungewöhnliche Szenerie: Eine Gruppe von etwa 30 Leuten reckt die Arme zum Himmel, lässt den Oberkörper sinken. „Einatmen, ausatmen“, gibt eine Frau in Schwarz vor. Es ist Jutta Schmitz, Yoga-Lehrerin und Heilpraktikerin, die an diesem Samstagnachmittag einen gebührenfreien, 90-minütigen Kurs leitet. Er gehört zu der dreiteiligen Aktionsreihe „Friedhof anders erfahren“. Damit will die Stadttochter Mags, die für die Friedhöfe verantwortlich ist, ein neues Bewusstsein und Verständnis für den Friedhof als Veranstaltungsort schaffen.

„Ich habe noch nie Yoga gemacht und bin daher besonders gespannt auf das, was mich hier heute erwartet“, sagt Teilnehmerin Stephanie Weber. Praktiziert wird „Lung Ro Sel“, eine Atemübung, die befreit und dabei hilft, den Körper zu lockern und sich schon zu Beginn auf das Wesentliche zu konzentrieren. Es folgen verschiedene Asanas aus dem Hatha-Yoga, wie etwa der „Herabschauende Hund“ oder der „Krieger“, die laut Schmitz Muskeln und Bänder kräftigen. Doch dies ist kein Yoga-Studio. Moos ersetzt die Matte, die Äste der Bäume bilden das Dach über der Szenerie. Und nicht weit entfernt stehen Gräber.

Bereits im Vorfeld wurde kontrovers diskutiert über die sportlichen Veranstaltungen auf dem Friedhof. Der Kurs selbst zieht daher auch Neugierige an, die das Szenario aus sicherer Entfernung beobachten. „Ich finde das in Ordnung, es ist ja ein ruhiger Sport“, sagt Friedhofsbesucherin Annegret Dülpers. „Davon wird sicher niemand gestört. Ich fühle mich jedenfalls dadurch nicht eingeschränkt oder belästigt.“ Anderer Meinung ist Johannes Carstens: „Ich denke, so etwas gehört in eine Turnhalle. Hier sind Menschen die trauern und denen es unter Umständen manchmal sehr schlecht geht. Da ist es unangebracht, dass Menschen in Sportklamotten rumlaufen und lachen. Ich finde das schlicht pietätlos.“

„Ich praktiziere ein sehr ruhiges Yoga, das teilweise auch mal anstrengend und fordernd sein kann, überwiegend aber sehr entspannend ist“, sagt Jutta Schmitz, die den „Ruheraum“ in Rheindahlen betreibt. Lockerungsübungen zu Beginn sind genauso Teil des Kurses wie die für das Yoga üblichen meditativen Sequenzen. Ziel von Yoga im Allgemeinen, aber auch des Kurses, ist es, fit und beweglich zu werden und zu bleiben, sich besser zu fühlen und ein geistiges sowie seelische Gleichgewicht zu erhalten. Dieser Nachmittag ist ein erster Einstieg.

Auch wenn die Meinungen zu der Aktionsreihe nicht nur positiv sind, weiß Sebastian Kieselbach-Peters, Leiter des Bereichs Friedhöfe bei der Mags, dass Friedhöfe lange schon ein Geheimtipp unter Hobbysportlern sind: „Friedhöfe werden heute auch als Parkanlage und Orte der Erholung wahrgenommen. Sie bieten eine gute Möglichkeit, dem oft hektischen Alltag in ein grünes und naturverbundenes Kleinod zu entfliehen.“

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