Mönchengladbach: Wunder, Fußballgott und die Religion

Kolumne Denkanstoß : Letzter Spieltag

Ob „heiliger Rasen“, „Fußball-Gott“ oder „Wunder“ – der Kicker-Jargon verwendet viele religiöse Begriffe.

Was für ein herrliches Fußball-Wochenende steht uns bevor! Es ist so spannend wie 2001, als damals auch erst am letzten Spieltag die Meisterschaft entschieden wurde. In der Nachspielzeit holte 2001 Bayern München die Meister-Schale, während Verfolger Schalke als der Meister der Herzen in die Geschichte einging.

In dieser Saison sah es lange Zeit so aus, als ob Dortmund klar Meister werden würde. Doch die klaren Niederlagen gegen München und Schalke machten aus dem Jäger einen Gejagten. Jetzt ist alles wieder offen, auch wenn Bayern München der Favorit ist.

Doch wer weiß? In den letzten Wochen hat es so manches Fußball-Wunder gegeben. Oder wer hätte gedacht, dass Liverpool sich gegen Barcelona würde durchsetzen können? Oder dass Frankfurt fast gegen Chelsea gewonnen hätte? Nun könnte Frankfurt in München ein neues Wunder schaffen und so Dortmund zur Meisterschaft verhelfen. Samstag Abend sind wir schlauer. Auch dass Borussia Mönchengladbach eine Chance auf einen Champions League Platz hat, grenzt an ein Wunder. Dabei sah es vor zwei Wochen danach aus, dass selbst die Europa League nicht mehr drin wäre. Doch der Ball ist eben rund.

Fasziniert bin ich immer wieder, wie oft mit religiösen Begriffen im Fußball gearbeitet wird. So las ich in der Zeitung: „Der Fußball-Gott lebt in England.“ Oder man spricht vom „heiligen Rasen.“ Immer wieder beschwört man das „Wunder von Bern“, wenn es um Spiele wie Barcelona gegen Liverpool geht. Jetzt am Wochenende wird es wieder heißen, dass die Fans ins Stadion „pilgern“ werden, um ihrer Mannschaft zu „huldigen“. Wenn dann vor dem Spiel lautstark gesungen wird, erinnert mich das an die Gesänge im Gottesdienst.

Für mich trägt dieses Geschehen religiöse Züge und manchmal denke ich: Wären die Kirchen doch auch so voll wie die Stadien! Und wäre in der Kirche auch so eine Stimmung wie im Stadion – und das Wochenende für Wochenende!

Martin Luther hat einmal gesagt: „Woran der Mensch sein Herz hängt, das ist sein Gott“ Für mich ist Fußball eine spannende Sache. Ich verfolge die Spiele immer mit großem Interesse und kann im Gespräch mit anderen ganz gut mithalten. Aber in der Gefahr, aus dem Fußball einen Gott zu machen, stehe ich nicht. Trotzdem stellt uns der Satz von Martin Luther in Frage. Mache ich vielleicht aus anderen Sachen einen Gott? Aus Geld, Besitz, Reichtum (auch wenn ich nichts habe, aber dauernd daran denke), Einfluss, Macht, Fitness, Gesundheit usw.? Das Problem bei all diesen Dingen ist, dass sie vergänglich sind, während die Liebe Gottes jeden Tag neu ist und der Glaube ein Geschenk für alle ist, das nichts kostet, aber kostbar ist. Gott lädt uns ein, zu ihm zu kommen und mit ihm ein Leben zu führen, das Sinn stiftet. Lassen wir uns von ihm begeistern.