Mönchengladbach: Wirtschaftswissenschaftler und Handwerkspräsident für Kooperation

Konferenz in Mönchengladbach : Wettbewerb um kluge Köpfe

Gegen Fachkräftemangel hilft die Kooperation zwischen Unternehmen und Hochschulen, so ein Ergebnis der Dekane-Tagung.

Erst die letzte Frage gießt ein wenig Essig in den Premium-Wein der Kooperation. An der Hochschule in Bocholt sei die Nachfrage nach dualen Studienplätzen größer als das Angebot der Unternehmen, erklärt der Hochschulvertreter.  Gibt es in Bocholter Unternehmen keinen Fachkräftemangel? Eher unwahrscheinlich, aber manchmal wird offenbar nicht umgesetzt, was alle bereits als zukunftsweisend erkannt haben. Auf dem Podium sind sich jedenfalls alle Teilnehmer einig, dass die Kooperation von Unternehmen, Kammern und Hochschulen ein geeignetes Werkzeug zur Bekämpfung des Fachkräftemangels  und ein Mittel der wirtschaftlichen Entwicklung sei.

Die Podiumsdiskussion an der Hochschule Niederrhein am gestrigen Donnerstag findet im Rahmen der Frühjahrstagung der Dekane der Wirtschaftswissenschaften der Fachhochschulen in Deutschland und der deutschsprachigen Nachbarländer statt. Rund 70 Dekane und  etliche Unternehmensvertreter diskutieren über „Nachfrageorientierte Entwicklung von Studiengängen als Verbindung von Hochschule und Wirtschaft“. Dass  sich die Konferenz in Mönchengladbach ausgerechnet mit diesem Thema beschäftigt, kommt nicht von ungefähr. Die Hochschule Niederrhein und die regionalen Unternehmen können auf erfolgreiche Kooperationen verweisen. Alberto Dörr, Direktor der Santander Universität Deutschland, lobt den Bachelor-Studiengang Banking and Finance, den alle Mönchengladbacher Finanzinstitute gemeinsam mit der Hochschule Niederrhein ins Leben gerufen haben. „Das ist eine sehr erfolgreiche Praxis, die Studenten sind sehr zufrieden“, stellt er auch mit Blick auf die internationale Belegschaft der spanischen Bank mit Sitz in Gladbach fest.

Heike Grünert vom Informationstechnologiezentrum Maas-Niederrhein ist es wichtig, jungen Mitarbeitern Perspektiven anbieten zu können. Das Unternehmen bildet Studierende dreier dualer Studiengänge aus. „Das ist sehr spannend, besonders wenn sie Ideen aus dem Studium einbringen und ausprobieren“, sagt sie.

Hans Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks, ist von der Kooperation mit der Hochschule Niederrhein beeindruckt. „Man spricht immer auf Augenhöhe miteinander, und die Umsetzung ist enorm schnell“, stellt er fest. Das sei wichtig, schließlich befinde man sich im Wettbewerb um kluge Köpfe und schnelle Hände. Zuletzt hatte die Hochschule in Kooperation mit dem Handwerk den trialen Studiengang Handwerksmanagement geschaffen, der drei Abschlüsse ermöglicht: den Bachelor, den Gesellen und den Meister. Auch als Partner für den Technologietransfer seien die Hochschulen wichtig für das Handwerk, unterstreicht der Handwerkspräsident.

Auch die Hochschule profitiere von der Zusammenarbeit mit Unternehmen, betont Professor Berthold Stegemerten, Vizepräsident der Hochschule. „Wenn wir unseren Studierenden anwendungsorientierte Forschung bieten wollen, ist  Kooperation essentiell.“ Ist die Hochschule schon ein innovationsförderndes regionales Entwicklungszentrum? Im Textilbereich sei man gut,  bei Informatik und BWL gebe es noch Verbesserungspotenzial.

Die Ausbildung von Fachkräften ist das eine, sie in der Region zu halten das andere. Kann Mönchengladbach das? Aber ja, meint IHK-Geschäftsführer Jürgen Steinmetz. „Das ist eine hochattraktive Region. Die Menschen müssen sie nur kennen lernen.“ Die Wege seien kurz, die Netzwerke gut, die Kontakte persönlich. Projekte wie die Cyber-Alliance, die gemeinsam auf den Weg gebracht werden, steigerten die Attraktivität zusätzlich. Und  wie kann der Strukturwandel nach dem  Braunkohleausstieg gelingen? „Die Stärken der Region stärken“, sagt Steinmetz. „Bloß keine Monokulturen schaffen“, warnt Wollseifer. „Wir brauchen Vielfalt.“

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