Mönchengladbach wird beim ADFC-Fahrrad-Klimatest wieder miserabel bewertet

ADFC-Fahrradklimatest 2018 : Gladbach beim Radverkehr Schlusslicht

Schon wieder ist Mönchengladbach beim ADFC-Fahrradklima-Test im Vergleich zu anderen NRW-Städten auf dem letzten Platz gelandet. Es tut sich zwar einiges, doch die Radwege schneiden bei den Nutzern miserabel ab.

In der Stadt ist in den vergangenen Jahren einiges für das Fahrradfahren passiert. Die Fahrradstraße „Blaue Route“ ist dabei nur das sichtbarste Zeichen. Allerdings schneidet Mönchengladbach in der Gunst der Fahrradfahrer weiter miserabel ab. Wie der ADFC am Dienstag mitteilte, erteilen die Radfahrer in Mönchengladbach der Stadt im Fahrradklimatest 2018 die Schulnote 4,4. Das ist ein „ausreichend minus“, ganz knapp vor „mangelhaft“. Bei Prüfungen an Hochschulen würde diese Note bedeuten: durchgefallen. Damit liegt die Stadt  landesweit weiter auf dem letzten Platz unter den Städten zwischen 200.000 und 500.000 Einwohnern. Bundesweit schneidet nur Wiesbaden schlechter ab. Eine Veränderung in der Gesamtnote hat es nicht gegeben. Wohl aber in einzelnen Bereichen.

Was ist gut? Mönchengladbach punktet im Städtevergleich vor allem bei den Punkten: kaum Fahrraddiebstahl, gutes Angebot öffentlicher Leihfahrräder und Werbung für das Radfahren. Die besten Noten bekommt die Stadt in den Einzelbewertungen für „geöffnete Einbahnstraßen in Gegenrichtung (Note 3,0), öffentliche Fahrräder (3,4) und Wegweisung für Radfahrer (3,5). In all diesen Punkten hat sich die Stadt auch im Vergleich zum letzten Klimatest verbessert. Das ist Ausdruck der deutlichen Bemühungen der Stadtverwaltung, Radfahrer im Gladbacher Straßenverkehr besser zu stellen.

Was ist schlecht? Man kann ganz einfach sagen: die Radwege. Miserabel schneiden die „Führungen an Baustellen“ (Note 5,2), die „Breite der Radwege“ (5,2) und die „Oberfläche der Radwege“ (5,3) ab. Im Vergleich zu ähnlichen Städten wurden von den Befragten vor allem holprige und unebene Radwege, eine schlechte Reinigung der Radwege und eine schlechte Erreichbarkeit des Stadtzentrums kritisiert, wobei diese Ergebnisse relativ konstant sind. Deutlich schlechter als vor zwei Jahren wurde die Sicherheit beim Radfahren bewertet. Das allgemeine Sicherheitsgefühl (4,9), Konflikte mit Fußgängern (3,9), Konflikte mit Autos (4,7), Hindernisse auf Radwegen (4,9), Fahren im Mischverkehr mit Autos (4,9) und Ampelschaltungen für Radfahrer (5,1) haben sich deutlich verschlechtert. Fahrradfahren bedeutet für die Gladbacher vor allem Stress statt Spaß, so das Ergebnis des Fahrradklimas.

Was sagt der ADFC? Thomas Claßen vom Allgemeinen Fahrradclub in Mönchengladbach nimmt die Stadt in Schutz: „Man kann nicht erwarten, dass sich ein Stimmungsbild so schnell ändert.“ Alle Kommunen kämpften mit einer schlechten Fahrradinfrastruktur, aber sie hätten das Problem erkannt. „Die Städte wollen vieles ändern, aber sie können nicht, weil das Geld fehlt.“

Was tut die Stadt? In den vergangenen beiden Jahren sind unter anderem die erste Fahrradstraße und die Radstation am Gladbacher Hauptbahnhof (die zweite nach der in Rheydt) entstanden. An vier Bahnhöfen können Pendler Fahrradboxen mieten und ihr Gefährt dort unterstellen. Carsten Knoch, der Mobilitätsbeauftragte der Stadt, sagt: „Wir wollen zufriedene Radfahrer in der Stadt. Daher ist diese Momentaufnahme wichtig.“ Bei der Infrastruktur sei der Rückstand groß, weil „50 Jahre der Rad- und Fußverkehr an den Rand gedrängt worden ist zugunsten der Autofahrer. Dieser Rückstand ist schwer aufzuholen.“ Dennoch werde bei allen Straßenbaumaßnahmen geprüft, wo Verbesserungen für Radfahrer und Fußgänger umgesetzt werden können. „Aber wir haben aus der Historie viele enge Straßenräume in der Stadt.“ Dennoch: „Die Fahrradkultur etabliert sich jetzt erst, und das ist die beste Voraussetzung, die Infrastruktur voranzubringen.“

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