Mönchengladbach: Willich gegen Flughafen-Ausbau

Flughafen Mönchengladbach : Willich gegen Landebahnausbau

Der Stadtrat in Willich hat sich in einer Resolution gegen eine Verlängerung der Landebahn am Gladbacher Flughafen ausgesprochen. Die wäre nötig, damit Business-Flugzeuge am Airport MGL starten und landen dürfen. In Sachen Regiobahn gibt es Annäherungen.

Die Sorge in der Mönchengladbacher Nachbarkommune Willich über einen Ausbau der Landebahn am Mönchengladbacher Flughafen ist groß. Schon vor Jahren hat sich die Willicher Politik zum Düsseldorfer Flughafen „bekannt“, sich dafür allerdings gegen einen Ausbau des Mönchengladbacher Flughafens gestellt und dazu eine Resolution verabschiedet. In der jüngsten Ratssitzung in Willich stellte nun die FDP den Antrag, der Rat möge beschließen, dass er sich gegen eine Verlängerung der Start- und Landebahn des Flughafens Mönchengladbach ausspreche. Von einem „Schauantrag“ sprach Christian Pakusch (CDU), da es diese Resolution ja bereits gebe. Zudem laufe man Gefahr, das „kleine Pflänzchen“ der Annäherung an Mönchengladbach bezüglich des Ausbaus der Regiobahn S28 zu zerstören. Denn seit ein paar Wochen gibt es wieder Gespräche mit Gladbacher Politikern über dieses Thema. Pakusch sagte, man sei zwar nicht gegen den FDP-Antrag, aber Politik sei nun mal zu 90 Prozent Psychologie.

Hans-Joachim Donath (FDP) verteidigte die Position der Liberalen: „Wenn wir die Sorgen unserer Bürger aufgreifen, ist das kein Schauantrag.“ Am Ende stimmten dann bis auf Robert Brintrup (CDU), der sich enthielt, mehr oder weniger zähneknirschend alle Politiker für den Antrag der FDP (Bürgermeister Josef Heyes stimmte dagegen) – allerdings auf Anregung der CDU mit der Ergänzung, den Mönchengladbachern Gesprächsbereitschaft über eine alternative Nutzung des Flugplatz-Geländes zu signalisieren. Im Gespräch ist nämlich inzwischen auch ein interkommunales Gewerbegebiet, das von Willich bereits vor Jahren angestrebt wurde. Der Flughafen sei ein „Filetgrundstück“ mit guter Autobahnanbindung und der Option Regiobahn, betonte Johannes Bäumges (CDU). Der Geschäftsführer des Düsseldorfer Flughafens, Thomas Schnalke, bezeichnete als Gast in der Ratssitzung den Standort Mönchengladbach für einen Verkehrsflughafen als „nicht geeignet“. Daher habe sein Unternehmen die Mehrheitsbeteiligung auch inzwischen aufgegeben.

Seit wenigen Monaten ist Mönchengladbach wieder Mehrheitseigner des Airports MGL. Der Düsseldorfer Flughafen reduzierte seinen Anteil von 70 auf 20 Prozent und legte noch gut 18 Millionen Euro drauf, was die Verluste bis Ende 2020 abdeckt. Die Stadt Willich ist mit 0,01 Prozent an der Flughafengesellschaft Mönchengladbach (FMG) beteiligt. Die Flughafen Düsseldorf GmbH hält jetzt noch 20 Prozent, NEW und EWMG halten die Mehrheit. Ab 2021 müsste Mönchengladbach die Verluste von derzeit jährlich rund 2,7 Millionen Euro alleine tragen, wenn bis dahin kein neues Konzept entstanden und vor allem umgesetzt worden ist, wie man mit dem Flughafen mehr Geld verdienen kann. Um für Business-Flieger und Lufttaxis attraktiv zu werden, hatte Flughafen-Chef Franz-Josef Kames eine Landebahn-Verlängerung auf 1850 Meter ins Gespräch gebracht. Dadurch könnten zwar keine größeren Flugzeuge in Mönchengladbach landen. Aber die Flugzeuge, die bisher nur als Werksflieger und Schulungsflugzeuge starten und landen, dürften dann auch als Business-Chart-Flieger MGL ansteuern. Wenn Passagiere an Bord sind, braucht die Landebahn nach EU-Vorgaben entsprechend mehr Reserven. „Damit ändert sich im Grunde nichts: Dieselben Flugzeuge wie heute dürften dann aber auch als Lufttaxi genutzt in Mönchengladbach landen“, sagte Kames.

Dennoch sorgte dieser Vorschlag für Unruhe in Willich. Probleme mit zunehmendem Verkehr beschäftigen die Willicher Politik seit Jahren – auch und gerade, weil Bürger immer wieder darauf aufmerksam machen. Nicht nur der Auto- und Lkw-Verkehr nervt vor allem die Schiefbahner, Willicher und Neersener, auch der Lärm, den vom Flughafen Düsseldorf startende Flugzeuge verursachen, belastet besonders die Menschen im Norden der Stadt. 

DUS-Chef Schnalke war als Gast in der Willicher Ratssitzung eingeladen und informierte über sein Unternehmen: 24,6 Millionen Passagiere wurden dort im vergangenen Jahr abgefertigt. Bis zu 700 Starts und Landungen von etwa 70 Fluggesellschaften mit mehr als 200 Zielen in 52 Ländern gab es 2017, was dem Flughafen, der je zur Hälfte in privater Hand und der Hand der Stadt Düsseldorf ist, ein Ergebnis nach Steuern von gut 60 Millionen Euro brachte.

Der Flughafen sei mit 2300 Beschäftigten nicht nur selbst ein großer Arbeitgeber, so Schnalke. Es gebe 21.600 Arbeitsplätze in 208 Unternehmen, die direkt am Flughafen sitzen. „Insgesamt hängen rund 56.000 Jobs von der Existenz des Flughafens ab.“ Aber da ist halt auch der Fluglärm, der die Bürger im Norden belastet, da die meisten Flugzeuge in Richtung Westen starten, gab Schnalke zu. Vor allem die Situation, dass derzeit durch Verspätungen viele Flugzeuge erst weit nach 23 Uhr landen, sei „inakzeptabel“. Daher müssten Anreize für die Fluggesellschaften geschaffen werden, Verspätungen zu vermeiden. Spätestens 2020, wenn entsprechende Verträge auslaufen, könne man das etwa durch erhöhte Landeentgelte regeln.

Mehr von RP ONLINE