Mönchengladbach will als Cyber Alliance NRW mit Bonn Cybercrime bekämpfen

Antrag beim Land gestellt : Gladbach mit Bonn gegen Cybercrime

In einer Cyber Alliance NRW und mit gemeinsamem Konzept bewerben sich Mönchengladbach und Bonn beim Land als Zentren für Cyber-Sicherheit. Geplant ist ein Hochschul-Neubau auf einer städtischen Fläche an der Rheydter Straße.

Der ursprünglich avisierte Standort ist vom Tisch, das Vorhaben selbst stimmt die Beteiligten aber optimistisch – und der jüngste Skandal um gehackte persönliche Daten von rund 1000 Politikern, Journalisten und Künstlern hat die Notwendigkeit erneut vor Augen geführt: Mönchengladbach möchte gemeinsam mit Bonn zum Zentrum gegen Straftaten und für mehr Sicherheit im Internet werden. Die Hochschulen der Städte haben beim Land ein Konzept eingereicht und einen entsprechenden Antrag auf Landesgelder gestellt. Die Partnerschaft, die durch unterschiedlichste Ansätze und in verschiedenen Bereichen für mehr Schutz gegen Cyber-Kriminalität sorgen soll, hat den Titel Cyber Alliance NRW (CAN).

Auf Mönchengladbacher Seite haben drei Männer die Sache maßgeblich vorangetrieben: Professor Hans-Hennig von Grünberg, Präsident der Hochschule Niederrhein, Oberbürgermeister Hans Wilhelm Reiners und IHK-Hauptgeschäftsführer Jürgen Steinmetz. Auch die Kölner Fachhochschule für öffentliche Verwaltung sitzt mit im Boot.

Das Konzept sieht, so von Grünberg, vor, dass bei der Hochschule in Mönchengladbach ein elfter Fachbereich mit mehreren Studiengängen entsteht, der sich nur dieser Thematik widmet. Er rechnet mit etwa 700 Studierenden. Jeweils 20 Professuren sind für die beiden Fachbereiche unter einem Dach angedacht. Die zwei Standorte mit den unterschiedlichen Möglichkeiten sollen die Attraktivität steigern, Professuren anzunehmen. Denn auch in diesem Bereich wird hart um Fachkräfte geworben, so der Hochschul-Präsident.

In Bonn soll ein Cybersecurity-Campus entstehen – mit Beteiligung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik, der Telekom und des Fraunhofer Instituts, die dort ihren Sitz haben. In Gladbach soll der Schwerpunkt auf Cybermanagement und E-Government liegen. Bachelor, Master und Weiterbildung sollen möglich sein, der gehobene höhere Dienst und auch die Polizei gehören zur Zielgruppe. „Ich habe die Hoffnung, dass diese Landesregierung den digitalen Polizisten einführt“, sagt von Grünberg. Forensik und Cybercrime sollen auch im Zentrum stehen.

Dass das mehr als nötig ist, belegt Steinmetz mit Zahlen aus der Wirtschaft: „Jedes Jahr entsteht Unternehmen bundesweit durch Cybercrime ein Schaden in Höhe von 20 Milliarden Euro.“ Deshalb sei es richtig, dass die schwarz-gelbe Landesregierung eine Cybercrime-Akademie zum Schutz gegen Straftaten im Internet im Koalitionsvertrag verankert habe. Schon früh warf Mönchengladbach seinen Hut in den Ring: Das Trio führte seit 2017 regelmäßig Gespräche auf vielen Ebenen, etwa mit Landesministern wie dem fürs Innere, Herbert Reul. Der Nachwuchs bei IT-Sicherheitsexperten soll mit der CAN ebenfalls gesichert werden. Denn auch da werden bundesweit Zehntausende gesucht.

„Die Stadt Mönchengladbach hat ein großes Interesse, dass die Hochschule sich hier entwickeln kann“, sagt Reiners. Da es beim ersten avisierten Standort, auf einem Teil des früheren Polizeipräsidiums, nicht voranging (das Areal ist im Eigentum des landeseigenen Bau- und Liegenschaftsbetriebs), will die Stadt das Projekt nun auf einem Grundstück ihrer Tochter EWMG realisieren: Wo heute an der Rheydter Straße gegenüber der Textilakademie ein Schotterparkplatz ist, soll ein Neubau für den neuen Fachbereich entstehen. Ein Investor soll in öffentlich-privater Partnerschaft das Gebäude errichten, die Hochschule mietet es dann an. Auch 280 Parkplätze sind eingeplant (heute sind dort 150).

„Wenn das Land zusagt, müssen wir sehr schnell startklar sein“, betont Reiners. Steinmetz ist zuversichtlich, dass das Land noch vor der Sommerpause entscheiden wird – für die Cyber Alliance NRW.

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