Mönchengladbach: Wilfried Bergen ist eine Größe der Beat-Szene

Mönchengladbach : Gladbachs Beatmusiker der ersten Stunde

Vor 55 Jahren hat Wilfried Bergen angefangen, Musik zu machen statt weiter Fußball zu spielen – weil er sich beim 1. FC vom Trainer ungerecht behandelt fühlte. Als „Willie B.“ wurde er zu einer bekannten Größe in der Beat- und Rock’n’Roll-Szene der Stadt.

Das Zeug zu einem „großen Fußballer“ hatte Wilfried Bergen vielleicht, weshalb er 1962 mit 14 Jahren zu einem Lehrgang nach Duisburg in die WFV-Sportschule Wedau eingeladen wurde. Er hatte aber nicht den Ehrgeiz, auch noch in den Ferien zum Training beim 1. FC Mönchengladbach zu gehen – da sein Trainer doch gesagt hatte, wer etwas anderes vorhätte, könne wegbleiben und erst zur neuen Saison wiederkommen, das sei nicht schlimm.

„Da wollte ich mir lieber etwas Taschengeld verdienen und habe zum Beispiel beim Umbau des Möbelhauses Kalderoni in Rheydt geholfen – alles geschleppt, was schwer war“, erzählt der heute 70-Jährige. Doch als das Training nach den Ferien wieder losging, war Wilfried Bergen plötzlich draußen: „Du spielst heute nicht“, hieß es. Seine Reaktion: „Das finde ich ungerecht. Dann spiele ich keinen Fußball mehr.“

Es war eine Entscheidung, die den Weg des 15-Jährigen in eine neue Richtung lenkte und bis heute beeinflusst. Aus Wilfried Bergen wurde später „Willie B.“– ein Musiker, den Mönchengladbachs Experte Horst Pawlik bescheinigt: „Er ist ein Beatmusiker der ersten Stunde.“ Kein Profi, „dafür fehlt es am Talent“, weiß Bergen selbst. Aber ein Bassist, der in der Szene bis heute gerne gesehen und vor allem gehört wird. Die Rambles, Just Four, Clique Shantanes, The Dukes, bis vor einem Jahr Eight Wheel Drive und nun schon seit 40 Jahren Pin Ball, die älteste Live-Band der Stadt: Das waren oder sind seine Bands.

Auch heute noch spielt Willie B. immer mit dem Mann, mit dem er 1963 angefangen hat: Klaus Elschenbroich, den nicht nur alle in der Niederrhein-Musikwelt „Elvis“ nennen. Der war es auch, der Wilfried Bergen damals nach seinem „Karriere-Ende“ als Fußballer bei den ersten Schritten in der Musik Hilfestellung leistete. „Ich stand da und fragte mich, was ich ohne Fußball machen sollte“, erzählt Willie B. „Es war die Zeit der Beatles, die ich toll fand. Ich bestellte mir eine Elektrogitarre und dachte, das könne ja nicht so schwer sein.“

War es aber doch, wie er bald feststellte. Und dann kam der Zufall zur Hilfe: Auf der Heimfahrt von der Schule kam er im Bus mit einem Jungen ins Gespräch, der, eine Klasse höher, ebenfalls die Realschule besuchte. Sie landeten schnell bei der Musik. Wilfried schilderte ihm sein Problem mit der Gitarre, und Klaus Elschenbroich bot spontan an: „Komm doch nachher zu mir, dann bringe ich es dir bei.“

Aus dem kurzen Beibringen wurde schnell eine Freundschaft, und aus der entstand die Idee, eine Band zu gründen. Klaus Elschenbroich sang und spielte Gitarre, Heinz-Dieter („Taidy“) Meetz kam als Schlagzeuger hinzu, Wilfried Bergen stieg auf Bassgitarre um. Ein Problem: Es gab keine Noten, sie mussten die Stücke von Elvis Presley, Little Richard, Chuck Berry, Fats Domino, Jerry Lewis oder, besonders schwer, der Beatles nach Gehör nachspielen. Doch Joscho Frolian und Günther Stephan, zwei „Zigeuner“, wie man damals sagte, aus der Stadt, ließen sich anstecken von der Begeisterung der Jungen. Sie kamen hinzu, spielten die Harmonien und zeigten: „So gehen die Griffe.“

Willie B. bedauert bis heute, dass er auf der Realschule dem Rat seines Musiklehrers Hoff nicht gefolgt ist, Geige statt Elektrogitarre zu spielen. „Das wäre eine fundierte Ausbildung gewesen“, sagt er. „So habe ich mir im Grunde alles selbst beibringen müssen.“ Das aber doch so gut, dass er und „seine“ Bands, bei denen er als Bassist oder Gitarrist spielte, längst nicht nur in Mönchengladbach gefragt waren. Eight Wheel Drive etwa, 2005 gegründet, wurde 2014 zum Amtsantritt Peter Kolbs, des neuen deutschen Gesandten in der bulgarischen Hauptstadt Sofia, eingeladen. „Deutsche Band rockt die Botschaft“, lautete danach eine Schlagzeile.

Bei ihr vereinigten sich musikalisch Rock und Blues zu einer teilweise zehnköpfigen Band. Sie war viermal in Sofia und beim International Jazz-Festval in Bansko. „Schon die Fahrt von Sofias Flughafen nach Bansko war ein Erlebnis. Die Busse hätten wahrscheinlich auf deutschen Straßen keine Betriebserlaubnis erhalten“, erinnert er sich.

Sänger „Elvis“ ist der musikalische Weggefährte Willie B.s., von den Rambles bis heute zur „Pin Ball Rock ’n’ Roll Band“: Jungs zwischen Anfang 50 und knapp 70 Jahren. Drei-, viermal im Jahr treten sie auf, und die „Oldies“ erzählen sich von der Zeit, als sie Mitte der 1960er Jahre bei „Dammer“ an der Bachstraße oder im „Derby“ am Alten Markt ihr erstes Geld mit Auftritten verdienten.

Mit seiner Band Eight Wheel Drive spielte Bergen 2014 beim Jazzfestival im bulgarischen Bansko. Foto: Wilfried Bergen
Zwölf Jahre hat Bergen (Zweiter von links, hinten, 1978) bei Borussia gespielt, bei den Dritten Amateuren in der Kreisliga B. Sein Vater (links) war Betreuer. Foto: Wilfried Bergen
Just Four 1965 im Kino „Lichtburg“ (v.l.): Klaus „Shorty“ Jansen, Dieter „Taidy“ Meetz, Dieter Lennartz, Hans Günter Boden und Wilfried Bergen. Foto: Wilfried Bergen

Wilfried Bergen ist die „ordnende Hand“ bei Pin Ball, das verkürzt oft einfach „Pinball“ geschrieben wird. Er kümmert sich um (fast) alles, um die Technik, um die Kontakte, die Auftritte, die Harmonie in der Band. 40 Jahre wird sie nun, und das wird gefeiert. Die Planungen für ein oder zwei Jubiläumskonzerte laufen. Ort und Datum stehen noch nicht fest, werden aber natürlich rechtzeitig bekanntgegeben.