Mönchengladbach: Wie die Textilindustrie sich verändert

Mönchengladbach: Wie die Textilindustrie sich verändert

Das Traditionsunternehmen Aunde hat sich zu einem der wichtigsten Automobilzulieferer entwickelt. Auch die Ausbildung hat sich völlig gewandelt. Aunde-Chef Rolf Königs sagt eine „Renaissance der Textilindustrie“ voraus.

Der Name Mönchengladbach ist seit der Industrialisierung im 19. Jahrhundert mit der Textilindustrie verbunden. Das ist auch heute noch so, allerdings hat sich der Schwerpunkt verlagert in Richtung Ausbildung, Studium, Forschung und Entwicklung. „Ich sage eine Renaissance der Textilindustrie voraus“, sagt Rolf Königs, der Vorsitzende des Verbands der Rheinischen Textil- und Bekleidungsindustrie. „Die Wiedergeburt ist im vollen Gange, denn es entwickeln sich so viele neue Geschäftsfelder.“ Königs ist auch Geschäftsführer des Mönchengladbacher Traditionsunternehmens Aunde Achter & Ebels, das sich in den vergangenen vier Jahrzehnten zu einer globalen Unternehmensgruppe mit 115 Werken in 29 Ländern entwickelt hat. Aus der einstigen Tuchfabrik ist ein Konzern geworden, der auf der Liste der 100 wichtigsten Automobilzulieferer weltweit Platz 76 einnimmt. Aunde, Isringhausen und Fehrer, die zur Gruppe gehören, entwickeln und produzieren im Grunde alles, was ins Interieur eines Fahrzeugs gehört.

Aber auch für Aunde beginnt in diesen Tagen ein neuer Meilenstein in der langen Firmen-Historie. Denn die derzeit 27 Auszubildenden am Standort Mönchengladbach lernen ab sofort an der neuen Textilakademie in Mönchengladbach. 16 Auszubildende hat Aunde gerade neu eingestellt, zwei werden noch gesucht für den Beruf des Produktprüfers. Aunde hat seit 1980 insgesamt 1810 junge Menschen zu Facharbeitern ausgebildet, davon allein 477 in Mönchengladbach. Aus der klassischen Weberei von einst ist ein komplexer Hersteller von technischen Textilien geworden, gearbeitet wird an hochtechnologisierten Maschinen, alles ist digital.

Aunde-Geschäftsführer Rolf Königs begrüßt mit Ausbildern die neuen Auszubildenden im Jahr 2018 der Aunde-Gruppe am Standort in Mönchengladbach.  Foto: Aunde/Thorsten Voehrs
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Insofern sind auch die Anforderungen an die Berufsausbildung in textiltechnischen Berufen deutlich gewachsen. Und sie werden sich weiter verändern, glaubt Königs. Denn das autonome Fahren stellt auch an das Fahrzeug-Interieur und damit an die Zulieferer neue Herausforderungen. Erstmals bildet Aunde deshalb wieder Produktgestalter und Textillaboranten aus. Für die kommenden Jahre plant die Gruppe auch weiter mit jeweils 18 neuen Azubis: Dazu gehören auch Industriekaufleute, Maschinenführer Textiltechnik, Maschinenführer Textilveredlung, Produktionsmechaniker, Produktprüfer Textil.

Zur Ausbildung eigener Fachkräfte, aber auch zur Weiterbildung der Belegschaft, findet das Unternehmen beste Voraussetzungen in Mönchengladbach vor. Rund um die Hochschule Niederrhein (und natürlich auch die Berufskollegs in der Umgebung) ist in den vergangenen Jahren ein Textilcampus gewachsen, der bundesweit zur Spitze gehört. Dazu gehört neben der Textilakademie und dem Textiltechnikum im Monforts-Quartier in der Nähe auch das Fraunhofer Zentrum für Textillogistik. „Die Top-Ausbildung, die wir in Mönchengladbach ermöglichen, ist unser Beitrag in die Zukunft der Textilindustrie“, sagt Königs, der auch noch weitere Ideen für den Textilcampus hat, etwa ein neues Farblabor.

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