Kläranlage in Neuwerk Wie der Niersverband das Gladbacher Abwasser reinigt

Mönchengladbach · Die Anlage in Neuwerk ist ausgelegt für mehr als 600.000 Einwohner. Dort wird nicht nur das Abwasser aus Gladbach geklärt, sondern auch aus umliegenden Gemeinden. Ein Rundgang gab Einblicke in die Einrichtung und das Umfeld.

Die Kläranlage des Niersverbands in Neuwerk vor Beginn des aktuell laufenden Ausbaus.

Die Kläranlage des Niersverbands in Neuwerk vor Beginn des aktuell laufenden Ausbaus.

Foto: Raupold, Isabella (ikr)

Es war eine besondere Führung im Rahmen der Stadtteilerkundungen: Die Verfahrenstechnikerin Monica Hermans erklärte vor Ort, wie die Kläranlage in Neuwerk funktioniert. Getrübt wurde die Führung durch starke Regenfälle – einiges schauten sich die Teilnehmenden deshalb am Modell im Verwaltungsgebäude an. Die Zahlen und Fakten beeindruckten. Der Geruch in Teilen der Anlage ist gewöhnungsbedürftig. Entscheidend ist ja, was am Ende herauskommt: Das geklärte Wasser wird in die Niers eingeleitet.

Monica Hermans berichtete den Besuchern zum Teil erstaunliche Informationen: „Es handelt sich hier in Neuwerk um eine große Kläranlage. Sie ist auf 632.500 Einwohner ausgerichtet.“ Wenn es nicht regnet, beträgt der Zufluss 83.057 Kubikmeter pro Tag, der maximale Zufluss beträgt 13.357 Kubikmeter pro Stunde.

 Monica Hermans führte die Besucher über das Gelände.

Monica Hermans führte die Besucher über das Gelände.

Foto: Markus Rick (rick)

„Die stufenweise Errichtung einer Kläranlage in Neuwerk begann im Jahre 1933. Das war vergleichsweise früh. Die Abwässer von Betrieben der Textilindustrie in Städten wie Krefeld, Neuss oder Köln wurden in den Rhein geleitet“, sagte Hermans. Und die Gäste erfuhren auch, woher der Zulauf des zu klärenden Wassers kommt. Es gibt zwei Zuläufe. Der eine schafft Wasser von Mönchengladbach, Korschenbroich, Willich, Jüchen und dem Kreis Heinsberg herbei, der andere von Viersen, Süchteln, Vorst und Anrath. Wegen des starken Regens müffelte es vergleichsweise wenig, weil der Anteil des Regenwassers im Verhältnis zum Abwasser stieg.

Im Gebäude für die mechanische Reinigung blieb die Gruppe länger: Monica Hermans ging intensiv auf die mechanische Reinigung ein, die der biologischen Reinigung vorgeschaltet ist. Sie präsentierte einen Glasbehälter mit Wasser. Unten hatte sich Sand abgesetzt, oben Fett – beides Grobstoffe, die es im Rahmen der mechanischen Reinigung zu entfernen gilt. Auch Toilettenpapierreste werden schon sehr früh gestoppt. Die Stoffe, die am Beginn des Klärvorgangs entfernt werden, werden in einer Presse entwässert, die Entsorgung erfolgt anschließend in einer Müllverbrennungsanlage. In der Regel fällt ein Container pro Woche an.

Wenn einmal besonders viel Wasser fließt, zum Beispiel durch anhaltenden starken Regen, stehen zwei Regenüberlaufbecken mit einem Fassungsvermögen von jeweils 20.000 Kubikmetern zur Verfügung. Die Schwerkraft hilft bei der mechanischen Reinigung: In zwei kleineren Rundbecken können sich Stoffe auf den Grund des Beckens absetzen. Nach der Vorklärung erfolgt dann die biologische Reinigung. Monica Hermans berichtete von Bakterien und Kleinstlebewesen, die viel zur Klärung des Wassers beitragen. Bei diesen Prozessen wird auch Biogas gewonnen. Nach der mechanischen Reinigung ist unter anderem noch Urin im Abwasser. Ein größeres Problem sind die Medikamentenrückstände. In der Kläranlage Neuwerk werden regelmäßig Proben entnommen, um zu erkennen, ob das Coronavirus wieder unterwegs ist. Monica Hermans warnte davor, Lebensmittel oder Katzenstreu über die Toilette zu entsorgen.

Die Teilnehmenden der Führung erfuhren unter anderem, was es mit dem auffälligen ovalen Bauwerk auf sich hat: Es ist der Faulturm. Dort wird eingedickter Rohschlamm unter Abschluss von Sauerstoff und mithilfe von Bakterien ausgefault. So bilden sich Faulgase mit Methan. Der Gasbehälter hat ein Fassungsvermögen von 5.000 Kubikmetern Faulgas. Auf dem Gelände der Kläranlage Neuwerk gibt es ein Blockheizkraftwerk, in dem das Faulgas zur Strom- und Wärmegewinnung für den Eigenbedarf genutzt wird.

Der benachbarte Nierssee ist ein künstliches Gewässer, er taugt als Hochwasserrückhaltebecken. Er wurde 1969 als sogenannter Schönungsteich angelegt. Worauf Monica Hermans hinwies: „Der Niersverband ist nicht gewinnorientiert.“

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