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Mönchengladbach: Wie das Geriatrie-Zentrum am Elisabeth-Krankenhaus Senioren hilft

Gesundheit in Mönchengladbach : Warum Altersmedizin immer wichtiger wird

Seit zehn Jahren gibt es das Geriatrie-Zentrum am „Eli“. Dort hat die Altersmedizin durch interdisziplinäre Ansätze einen Quantensprung gemacht.

Beim Rückblick auf den Standortwechsel der Geriatrie vor zehn Jahren gerät Thomas Jaeger ins Schwärmen. Der Chefarzt bezeichnet den Umzug von der Hardterwald-Klinik in den Neubau des städtischen Elisabeth Krankenhauses als Quantensprung. „Wir haben hier moderne, altersgerechte und barrierefreie Räume übernommen. Die Verflechtung zum Elisabeth-Krankenhaus ist viel enger geworden. Damit können wir direkt auf Intensivstation, Röntgenabteilung und Notfallversorgung zurückgreifen und bei Bedarf zu allen altersrelevanten Problemen Fachkollegen hinzuholen“, fasst der Neurologe, Psychiater und Altersmediziner stichpunktartig zusammen.

Er ist überzeugt, dass das Haupthaus im Gegenzug vom neurologischen Schwerpunkt der Geriatrie profitiert, insbesondere bei der Beurteilung von Koma-Zuständen auf der Intensivstation. Jaeger betont den breiten Ansatz der Altersmedizin, zu deren Zielgruppe Senioren ab 65 Jahren gehören. „Das Gros der Patienten ist mindestens 75 Jahre, oft 85 Jahre alt und deutlich älter. Bei Hochaltrigen haben wir ein sensibles, fragiles System. Bei jeder Maßnahme muss sich der Arzt im Klaren sein, was sie auch über Wechselwirkungen verursachen kann“, erklärt der Arzt. Dabei spiele zum Beispiel eine angemessene Medikamentierung eine wichtige Rolle. Denn hochbetagte Senioren wären oft neben der Akut-Erkrankung von einem „Sammelsurium“ an Leiden betroffen.

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Jaeger hebt hervor, dass die Altersmedizin wegen der steigenden Lebenserwartung gewaltig an Bedeutung gewonnen habe. Die Senioren stellten zudem andere Ansprüche an die Medizin als noch vor fünfzehn Jahren, während deren steigende Anzahl mehr Möglichkeiten zum Erfahrungsgewinn berge. Als Indikationen zur Behandlung nennt der Altersmediziner zum Beispiel Zustände nach ausgedehnten Operationen, Knochenbrüchen oder Schlaganfällen sowie die Behandlung und Abklärung bei chronischen Schmerzen, Schwindel, Gangstörung, Stürzen, Parkinsonsyndromen wie auch Herzschwäche oder Diabetes im Alter. Bei der Versorgung nach Verletzungen setzten zum Beispiel Unfallchirurgie und Geriatrie inzwischen auf eine enge Zusammenarbeit. Gemeinsam werde ein individuelles Behandlungskonzept erarbeitet, in das Krankengymnasten, Ergotherapeuten, Masseure und Psychologen einbezogen werden. Für die Intensivierung der Zusammenarbeit gründete Jaeger vor wenigen Monaten mit Chefarzt Harald Löw von der Unfallchirurgischen Klinik ein alterstraumatologisches Zentrum. Dessen Zertifizierung ist für Herbst geplant. Neben der stationären bietet das Geriatrie-Zentrum auch eine tagesklinische Behandlung an.

Jaeger betont das Bemühen, nach einer schweren Erkrankung oder einem akuten Ereignis Senioren wieder Mut zu einem selbständigen Leben zu machen. Da sei es wichtig, möglichst bald wieder für einen festen Tagesablauf zu sorgen. „Mir macht zusehends Sorgen, dass wir immer mehr hochbetagte Menschen haben, die mutterseelenallein sind und aus privater Sicht niemanden haben, mit dem sie über ihre Perspektiven reden können. Da müssen wir auch oft vieles auffangen, was an Einsamkeit da ist“, so der Arzt. Ebenso sei es oft nötig, helfende Angehörige vor sich selbst zu schützen und ihnen nahezulegen, eine Pflegekraft zur Entlastung hinzuzuziehen.

Für die Zukunft der Geriatrie wünscht er sich, dass die Medizin wieder weniger auf Pandemie und Covid eingeengt werde. „Das hat den übrigen Disziplinen und den Senioren nicht gut getan. Der Schutz der Senioren ist wichtig, doch wir dürfen sie auf keinen Fall wieder wegsperren wie im ersten Lockdown“, betont Jaeger. Da die Pflege von Hochbetagten in der Regel sehr intensiv ist, wünscht er sich für diesen Bereich eine möglichst gute Ausstattung und finanziell bessere Unterfütterung durch Krankenkassen und Politik.