Mönchengladbach: Wettbewerb der Oberbürgermeister-Kandidaten der CDU

Analyse : Der OB-Wettbewerb in der Union

Nach den Bewerbungen von Frank Boss und Petra Heinen-Dauber als OB-Kandidaten beginnt in der CDU der Wettlauf um Unterstützer. Es geht darum, von wem sich die Mitglieder mehr Rückenwind im Kampf um die Direktmandate versprechen.

Wenn die CDU in Mönchengladbach einen Oberbürgermeister-Kandidaten aufstellt, dann war das mit Ausnahme von zehn Jahren auch immer schon die Entscheidung darüber, wer ins Rathaus Abtei einzieht. Von 2004 bis 2014 hatte dort der Sozialdemokrat Norbert Bude seinen Amtssitz im Büro des OB, sonst hatte der erste Bürger der Stadt seit dem Zweiten Weltkrieg immer ein CDU-Parteibuch. Insofern ist die Entscheidung, die nun bei gut 1300 Mönchengladbacher CDU-Mitgliedern liegt, eine wegweisende: Der Weg an die Spitze der Stadt führt über die CDU und ihren Kandidaten. Das gilt umso mehr, wenn es keine Stichwahl geben sollte.

Am 16. November entscheiden die Mitglieder über ihre wichtigste Personalie für den Wahlkampf. Und seit Donnerstagabend ist klar, was viele hinter vorgehaltener Hand schon länger gesagt haben: Frank Boss (58) und Petra Heinen-Dauber (55) treten an. „Es ist positiv, dass zwei Ratsmitglieder der CDU antreten wollen“, sagt Parteichef Günter Krings. „Beide sind voller Tatendrang und haben viel Erfahrung, und das ist eine sehr gute Kombination. Das wird für viele die Wahl schwer machen.“ Wer die Erfahrung betont, zieht damit schon eine Abgrenzung zum praktisch feststehenden SPD-Kandidaten Felix Heinrichs (30). Vom Alter her könnte der Sozialdemokrat der Sohn eines jeden der CDU-Bewerber sein.

In der Union beginnt nun ein gut zweimonatiger interner Wahlkampf. Wettbewerb belebt das Geschäft und kann Mitglieder mobilisieren. Krings erwartet dadurch eine „Stärkung der Identität in der Partei“. Mit wem auch immer man in der Partei spricht, praktisch alle trauen beiden die Kandidatur zu. Präferenzen sind aber offensichtlich: Der Landtagsabgeordnete Jochen Klenner unterstützt wie auch Ratsherr Dieter Breymann Frank Boss. „Mit seiner langen Erfahrung in Verwaltung und Politik kommunal und überregional bringt er mit Abstand die besten Voraussetzungen für einen guten Chef der mehreren tausend Mitarbeiter starken Stadtverwaltung mit“, sagt Klenner.

Boss ist seit 25 Jahren Ratsmitglied, Fraktionsgeschäftsführer der CDU beim LVR, war Bezirksvorsteher in Giesenkirchen und ist seit 2017 Landtagsabgeordneter. Heinen-Dauber ist seit 1989 Mitglied in Bezirksvertretungen (Odenkirchen und heute Süd), war sachkundige Bürgerin in Ratsausschüssen, ist seit 2014 Ratsmitglied und wurde auf Vorschlag des Fraktionschefs Hans Peter Schlegelmilch direkt zur Bürgermeisterin gewählt. Schlegelmilch dürfte auch diesmal ihr wichtigster Unterstützer sein, auch Planungsdezernent Gregor Bonin wird Heinen-Daubers Bewerbungsrede im Parteivorstand nicht missfallen haben. Darin hatte sie die Errungenschaften der vergangenen Jahre rund um die Stadtentwicklungsstragie „MG+“ betont und gesagt, dass „viele Grundsteine gelegt wurden, die die Stadt nach vorne gebracht haben.“ Und sie stellte ihre Ausbildung heraus: Heinen-Dauber ist Rechtsanwältin, eine juristische Ausbildung war zu Zeiten der Doppelspitze aus OB und Oberstadtdirektor die Voraussetzung zur Führung der Verwaltung. Boss betonte seine Stärken als „Brückenbauer“, als derjenige, der in der Region durch seine Ämter besser vernetzt ist. Boss’ Stärke ist auch die Erfahrung eines gewonnenen Wahlkampfs bei der Landtagswahl 2017. Aber gerade da muss er der Partei schlüssig erklären, warum es eine gute Idee ist, den Landtag nach drei Jahren wieder zu verlassen. Schließlich verliert die Gladbacher CDU im Falle seines Wahlsieges ein Mandat im Parlament, ein Listenkandidat würde nachrücken. Krings sagt vorsorglich: „Die Wahlperiode im Land ist im Herbst 2020 zu mehr als zwei Dritteln vorbei. Deshalb sehe ich es nicht als großes Problem, wenn wir dann für eineinhalb Jahre nur einen Landtagsabgeordneten aus der Mönchengladbacher CDU hätten.“

Entscheidend wird nicht nur sein, wem die CDU-Mitglieder das Oberbürgermeister-Amt mehr zutrauen, sondern auch, von wem die noch zu nominierenden Direktkandidaten am ehesten Hilfe dabei erwarten, die Wahlkreise zu gewinnen. Denn die Sorge vor dem Verlust dieser Plätze im Rat an die erstarkten Grünen ist die größte in der CDU im Sommer 2019.

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