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Mönchengladbach: Wenn Sodbrennen zur Krankheit wird

Wandel des Lebensstils nötig : Wenn Sodbrennen zur Krankheit wird

Dass sich zu fettes Essen unangenehm bemerkbar macht, hat wohl jeder schon mal gespürt. Wenn Sodbrennen allerdings häufig auftritt und sich zu einer Refluxkrankheit entwickelt, ist eine Behandlung nötig.

Gerd ist nicht nur ein Vorname. In Großbuchstaben steht GERD für eine weit verbreitete Erkrankung und ein Wortungetüm: die Gastroösophageale Refluxkrankheit (englisch: Gastroesophageal Reflux Disease, GERD) Als Sodbrennen kennt es so ziemlich jeder. Heißt es allerdings GERD, ist es zur Krankheit geworden. Tatsächlich ist es ist die häufigste gutartige Erkrankung des oberen Verdauungstraktes in der westlichen Welt. Zwischen zehn und 20 Prozent der Bevölkerung leiden darunter.

Der Reflux äußert sich, wie der lateinische Begriff sagt,  als Rückfluss: Mageninhalt gelangt wieder in den Mund. In schweren Fällen werden Betroffene bis zu fünf Mal in der Nacht wach, weil das Abendessen nicht im Magen bleiben will. Eine Ursache für den Reflux: Die Verbindung zwischen Speiseröhre und Magen schließt sich nicht. „Der Schließmuskel zwischen Speiseröhre und Magen ist defekt“, erklärt Professor Frank A. Granderath, Chefarzt der Klinik für Allgemein- und Viszeralchirurgie des Krankenhauses Neuwerk. Es kann auch ein Zwerchfellbruch vorliegen. Es gibt viele Gründe, die dazu führen, dass das Sodbrennen krankhaft wird. Übergewicht ist ein wichtiger Faktor, eine falsche Ernährungsweise ein weiterer. „Zu viel, zu fett, zu spät, zu schnell“, zählt der Chefarzt einige der  Sünden in der modernen Ernährung auf.

Ob  und ab wann die Betroffenen den Reflux als Krankheit wahrnehmen, ist sehr individuell. Spätestens allerdings, wenn sich die Magensäure schon beim Binden der Schnürsenkel im Mund sammelt, kommen die Menschen zum Arzt. „Das erste Mittel der Wahl ist die medikamentöse Behandlung“, erklärt Jan Franzen, Oberarzt im Neuwerker Krankenhaus. Mit Säureblockern lässt sich viel erreichen, auch eine Entzündung lässt sich mit Medikamenten behandeln.

Wenn aber anatomische Gründen zum Reflux führen oder junge Patienten nicht ein Leben lang Tabletten nehmen wollen, wird über eine OP nachgedacht. Rund 50 solcher Eingriffe führen die Chirurgen des Krankenhauses Neuwerk im Jahr durch. Ziel ist  es, die Funktion des Schließmuskels zu verbessern. Man kann zum Beispiel körpereigenes Gewebe als Manschette um den unteren Teil der Speiseröhre legen. Oder man verwendet dafür ein Magnetband. „Das ist eine Kette aus magnetischen Perlen“, sagt Franzen. „Beim Schlucken werden die Perlen auseinander gedrückt, hinterher verschließt sich die Speiseröhre wieder.“ Die Chirurgen haben damit gute Erfahrungen gemacht.

Aber in jedem Fall ist eine Ernährungsumstellung nötig. „Eine sehr intensive und individuelle Ernährungsberatung ist erforderlich“, betont der Oberarzt. Die Patienten müssen ihren Lebensstil ändern. Und das ist eine schwierige Aufgabe. Aber die Kooperation und der Wille des Patienten, auch persönlich zum Therapieerfolg beizutragen, ist entscheidend, um GERD in die Schranken zu weisen. Sonst hilft auch keine OP. „Wir können nicht gegen das falsche Verhalten anoperieren“, betont Granderath.

Also gilt: Nicht schnell den Burger oder den Döner im Gehen herunterschlingen, nicht spät am Abend die Schweinshaxe essen, nachdem der Körper den ganzen Tag über nichts bekommen hat. Lieber mehrere kleine Mahlzeiten zu sich nehmen und Übergewicht abbauen. Dann bietet die moderne Medizin gute Chancen, dass GERD für die Betroffenen wieder zum Vornamen wird und nicht eine Krankheitsbezeichnung bleibt.