Mönchengladbach: Weniger Verantwortung für Händler und Kunden dank Foodsharing und Co.

Kommentar Foodsharing : Nicht die beste Lösung

Die Lebensmittelretter von Foodsharing tun dem Handel einen Gefallen, im Guten wie im Schlechten. Dabei darf es nicht bleiben.

Es ist ein Dilemma. Der Kunde möchte bitte nur das Frischeste im Regal vorfinden. Der Handel möchte möglichst viel verkaufen. Mit vollen Regalen gelingt das besser, denn mit einem üppigen Angebot macht das Einkaufen mehr Spaß. Jene Lebensmittel, die täglich in jedem Supermarkt aussortiert werden, sind in der Rechnung bereits enthalten. In der Folge müssen sich Ehrenamtliche von Foodsharing oder den Tafeln immer stärker industrialisieren, müssen Organisationsstrukturen und -hierarchien ausbilden. Und das nur, um die Mengen, die der Handel andernfalls wegwerfen würde, vor der Müllhalde zu retten.

Die Mitglieder von Foodsharing und Co. opfern damit ihre Freizeit, um dem Mangel an Nachhaltigkeit des Lebensmittelhandels entgegenzuwirken. Das ist löblich, aber alles andere als nachhaltig. Im besten Falle wird dem Händler bei der Abgabe der Lebensmittel bewusst, wie groß die Mengen noch genießbarer Lebensmittel sind, die er verliert. Im schlimmsten Falle entbindet dieses Engagement den Handel von der Last, sich selbst eine bessere Lösung zu überlegen. Und nicht zuletzt auch den Kunden von der Verantwortung, sein Einkaufsverhalten zu überdenken. Und im Regal einfach den vordersten Joghurt zu kaufen und nicht den hintersten, weil das MHD dort drei Tage später greift.