1. NRW
  2. Städte
  3. Mönchengladbach

Mönchengladbach: Weihnachtsfeier für Obdachlose bei den "Suppentanten"

Initiative gibt warmes Essen an Obdachlose aus : Bescherung der Suppentanten für hunderte Obdachlose

Die „Suppentanten und -onkel“ kochen jeden Samstag für Obdachlose eine frische Mahlzeit und verteilen sie. Diesmal gab es auch Weihnachtspäckchen dazu – wenn es zu Weihnachten das Nötigste zum Überleben gibt.

Munter futtert sich Sunny durch seine Hundekekse. „Er ist mein Augenschein“, sagt Michael und blickt stolz auf seinen Jack Russel. Die beiden kommen regelmäßig zum Platz der Republik, wenn die „Suppentanten und Onkel für die Obdachlosen“ samstags von September bis Mai deftigen und gesunden Eintopf an Frauen und Männer ausgeben, denen oft das Geld für eine warme Mahlzeit fehlt. Weil einige davon passionierte Hundebesitzer sind, steht auch Tiernahrung auf dem Programm.

An diesem Samstag ist Weihnachtsfeier, und so gibt es ein Festessen: Rindergulasch mit Rotkohl und Kartoffeln oder Nudeln, dazu Apfelmus. Als Nachtisch locken frisch gebackener Kuchen und Kaffee. Michael genießt sein Essen. Dann sagt er: „Ich bin so froh, dass es diese lieben, netten Menschen gibt, die all das hier für uns auf die Beine stellen.“

„800 Obdachlose gibt es offiziell in Mönchengladbach, die Dunkelziffer wird deutlich höher liegen“, sagt Suppentante Kerstin Wegmann. Heute sind etwa 130 zur Feier gekommen, an herkömmlichen Samstagen finden sich durchschnittlich 150 ein. Sie kommen nicht nur, um zu essen – sie schätzen den Standort um den Essenswagen unter dem blauen Zeltdach als festen Treffpunkt der Freundschaft. Man kennt sich, man klönt und bringt sich gegenseitig Kaffee. Ihr Miteinander schafft Zusammenhalt, sorgt für geteilte Momente, hilft, den Hunger, auch die Einsamkeit eine Zeitlang beiseite zu schieben. Menschen, die viel Ablehnung von der Außenwelt erleben, atmen bei den Suppentanten auf. Das Rentnerpaar Christel Offermann und Willi Dahmen kommt aus Odenkirchen: „Wir sind öfter hier. Das Essen ist lecker, heute haben wir sogar Geschenke bekommen. Geschenke können wir selbst nicht kaufen, dafür reichen unsere Mittel nicht.“ 80 Geschenktüten haben die Suppentanten vorbereitet, sie sind schnell verteilt: Strümpfe, Mützen und Schals sind darin, ein bisschen Süßes, Hygieneartikel und Thermobecher.

Suppentante Melanie Mertens singt mit ihren Kindern Lisa und Marc Weihnachtslieder. Es ist mucksmäuschenstill, bis auf das Mitsummen einiger bei „Stille Nacht“ und „Kling, Glöckchen“. „Es ist einfach schön, Freude zu bereiten, das macht Spaß“, sagt Marc. Melanie Mertens hat von ihrem Arbeitgeber einen freien Tag bekommen; dabei zu sein, ist für sie eine Herzensangelegenheit.

Die „Suppentanten und Onkel für die Obdachlosen“ ist eine private Initiative, die Iris van Montfort-Eickhoff 2013 gegründet hat, „um denjenigen, die vernachlässigt werden, Hilfe zu leisten“. In kurzer Zeit fanden sich engagierte Bürger, die mitmachten, bis heute sind es 180. Organisiert ist die Initiative in der gleichnamigen Facebook-Gruppe. Der Zusammenschluss ist von privaten Warenspenden wie Lebensmittel, Essgeschirr und Tiernahrung abhängig.