Mönchengladbach: Was Schüler über den Digital-Pakt für Schulen denken

„Lehrer haben oft wenig Ahnung“ : So sehen zwei Mönchengladbacher Schülerinnen die Digitalisierung der Schulen

Abiturientin Clara Milnikel (18) und Schülerin Mia Tellmann (16) berichten, wie digital ihre Schulen sind und wie ihre Lehrer mit den neuen Medien umgehen. Beide sagen: Die Digitalisierung in Schulen ist längst überfällig – aber nicht immer einfach.

Internet im Unterricht war in meiner Schulzeit immer ein heiß diskutiertes Thema: Da war jeder Schritt in Richtung „Neuland“ eine echte Errungenschaft. Man möchte meinen, ich sei Mitte 30 und erzähle von meinen Erlebnissen, die ich in den 90er Jahren gesammelt habe. Aber das täuscht und ist nur ein weiteres Zeichen, dass das mit der Digitalisierung an (Gladbacher) Schulen manchmal etwas holprig gelaufen ist. Denn ich habe erst diesen Sommer mein Abi gemacht.
Jetzt ist es so, dass meine alte Schule, das Hugo-Junkers-Gymnasium, eine Pilotschule mit bereits vorhandenem W-Lan ist. Da höre ich schon den ein oder anderen sagen: „Was sollen denn die Schüler auch noch in der Schulzeit mit dem Internet? Hängen doch genug am Handy rum!“

Klar ist das Internet ein ständiger Begleiter in meiner Generation, aber nicht ohne Grund: Moderne Arbeitsstellen sehen mittlerweile das Internet und was alles dazugehört nicht nur als einen netten Zusatz, sondern als essenzielles Arbeitsmittel: Social Media ist da schon lange nicht mehr nur ein Mittel, um seinen Freunden Urlaubsbilder zu schicken und Hundevideos zu teilen, sondern eine Plattform, um sich und seine Produkte vorzustellen, zu vermarkten und sich mit bestimmten Zielgruppen zu vernetzten. Und weil die Schule uns Schüler doch auf unser zukünftiges Arbeitsleben vorbereiten soll, gehören im 21. Jahrhundert Fertigkeiten mit neuen Medien und dem Internet doch dazu, oder etwa nicht? Außerdem, Stichpunkt Lebensrealität der Jugendlichen: Die wäre durch im Unterricht eingebundenes Internet doch wesentlich mehr berücksichtigt als aktuell. Denn eine Overheadprojektor-Folie mit einem lustigen Comic aufzulegen ist mal ganz lustig, aber ansonsten auch eher ein Fall von „nett gemeint“.

Aber am Ende nützt das ganze Internet ja niemandem etwas, wenn die Lehrkraft im zählenden Moment krampfhaft versucht, dieses „neumodische Laptopding“ anzubekommen und es am Ende dann doch lieber sein lässt, um sich nicht zu blamieren. Oder es eben Tobi aus der letzten Reihe regeln muss, der mit seiner Technikhilfe dann doch noch eine vier auf dem Zeugnis bekommt. Clara Milnikel

Clara Milnikel. Foto: Andreas Gruhn

Freies W-Lan gibt es am Gymnasium am Geroweiher (GaG) nur in einem bestimmten Bereich, im Schulfoyer, dort, wo drei große runde Tische aufgestellt sind. Wie es scheint, allein zu dem Zweck, dass sich in den Pausen und Freistunden die Oberstufenschüler dort sammeln und auf die Bildschirme ihrer Handys starren. Sie kennen das Passwort. Jüngere Schüler schauen, vielleicht etwas neidisch, zu ihnen hinüber.

Eine typische Schulszene – könnte sich das bald ändern? Freies W-Lan auf dem gesamten Schulgelände klingt verlockend für alle, die ein Handy besitzen. Zwar würde sich an den bisherigen Regeln nichts ändern (Handys dürfen im Unterricht nur mit ausdrücklicher Erlaubnis des Lehrers benutzt werden, nur Oberstufenschüler dürfen das Handy in den Pausen zu privaten Zwecken nutzen), aber es bieten sich auch neue Möglichkeiten für die Unterrichtsgestaltung. Lehrer könnten den Schülern mal eben einen anschaulichen Film zeigen oder kurz einen Zeitungsbericht aufrufen. Der Unterricht könnte lebendiger, spontaner werden. Teilweise werden diese Ideen auch schon von Lehrern und Lehrerinnen am GaG umgesetzt.

Ob Handys, Tablets oder sonstige Medien in den Unterricht eingebunden werden, hängt sehr stark vom Lehrer ab: Manche stehen den digitalen Lehrmitteln eher skeptisch gegenüber, andere sind offen für Neues. Leider lässt sich häufig beobachten, dass die Lehrkräfte weniger Ahnung von denen ihnen bereitgestellten Hilfsmitteln haben als die Schüler selbst. Da muss auch mal ein Schüler nach vorne kommen, um dem verzweifelten Lehrer bei der Bedienung des Smartboards zu helfen…

Mia Tellmann. Foto: Andreas Gruhn

Und dann gibt es da noch die andere Seite, die kleinere Gruppe von technikbegeisterten, innovativen Lehrerinnen und Lehrern, für die ein Tablet im Unterricht nicht mehr wegzudenken ist. Dieser Bruchteil nutzt gern den neuen iPad-Raum – um die 30 iPads lagern hier, an denen sich jeder Schüler mit einer eigenen ID anmelden kann. Über eine App schickt der Lehrer seiner Klasse die Aufgaben. Mindmaps, digitale Notizen, Diagramme: Alles wird am Ende der Stunde gespeichert und dem Lehrer (auf virtuellem Wege) abgegeben. Statt sich mit Papier, Stiften und schweren Büchern zu plagen, braucht man nur das kleine handliche Tablet.

Mia Tellmann

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