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Mönchengladbach: Was macht eigentlich der Hausfrauenbund?

Serie Was macht eigentlich? : „Nur“ Hausfrau? Von wegen!

M. Gladbach war 1919 eine der ersten deutschen Städte mit einer Sektion des Deutschen Hausfrauenbundes. 2014 hat er sich in dieser Stadt aufgelöst. Die ehemaligen Vorstandsmitglieder Margret Mühlen und Helga Alt erinnern an die Rolle, die der Verein einst gespielt hat.

Es waren Damen der sogenannten besseren Gesellschaft, die vor einem Jahrhundert den „Hausfrauenverein für M. Gladbach“ gründeten – mit für die Zeit beinahe revolutionärem Anspruch. „Frau Direktor Paula Schurz eröffnete die Versammlung, und Fräulein Künning legte in wohldurchdachten, klaren Worten dar, warum es eine gebietende Notwendigkeit sei, dass die Hausfrauen sich zusammenschlössen“, hieß es in einem Bericht über die Versammlung. Und: „Wo alle anderen Berufe sich organisierten, um sich zu schützen und durchzusetzen, da sollen die Hausfrauen, auf denen die Sorge für das Wohl der Familien ruht, nicht mehr abseits stehen.“ Den Kampf „gegen die schweren Übelstände der Gegenwart, hauptsächlich der Wucher, die Kohlennot, die Wohnungsnot“ ein Jahr nach Ende des Ersten Weltkriegs setzte sich 1919 der Hausfrauenverein unter Führung von Paula Schurz als erstes Ziel. Dahinter kamen die Eröffnung von Beratungsstellen, Koch- Näh- und Flickkursen.

All das traf nicht nur 1919 in eine Marktlücke, wie man heute sagen würde. Es wurde eine fast einhundertjährige Erfolgsgeschichte: der Hausfrauenbund, wie er sich später nannte, wurde zu einer Mönchengladbacher Institution, anerkannt nicht nur vom weiblichen Teil der Stadt. Die Rolle der Frau in der Gesellschaft änderte sich immer rasanter zum Positiven. „Und trotzdem haben wir noch all die Jahre gegen das Klischee angekämpft, nur Hausfrau zu sein“, sagt Margret Mühlen. „Hausfrauen sind doof, war früher ein vielzitiertes Klischee. Wir zeigten, dass da nichts dran ist. Im Gegenteil.“ Die heute 85-Jährige war 23 Jahre Vorsitzende des Hausfrauenbund Mönchengladbach e. V., von 1991 bis zur Auflösung im Dezember 2014, die letzte in der Reihe von sieben Frauen in 99 Jahren – oder genauer: in 87 Jahren. Denn 1934 wurde der Verein durch eine Verfügung der Nationalsozialisten aufgelöst, 1946 reaktiviert – und war flott wieder quicklebendig und erfolgreich mit einem anspruchsvollen Programm. Mit Hauswirtschaftsmeisterinnen, die Lehrlinge ausbilden durften und den Mitgliedern ihr Wissen und Können vermittelten.

Frauen wie die Vorsitzenden Irene Müller, Gerda Püttmann und Margret Mühlen brachten Lebenserfahrung und auch ein Stück unternehmerisches Denken ein – und nicht zuletzt großes ehrenamtliches soziales Engagement mit. Margret Mühlen zum Beispiel war aktiv im Sozialdienst Katholischer Frauen, Mitgründerin des Gladbacher Frauenhauses, arbeitete auch im Jugendhaus Am Steinberg mit, übernahm im Lauf der Jahre zwölf Vormundschaften. Oder Helga Alt, Schatzmeisterin und drei Jahrzehnte im Vorstand des Hausfrauenbundes, dazu Mitgründerin des Neuwerker Vereins „Kind im Krankenhaus“, auch im Christophorus Hospiz und in der Montessori-Arbeit aktiv.

Eine Reise führte nach Washington D.C. Das Foto entstand vor dem Kapitol. Ins Weiße Haus gelangte man durch einen „geheimen“ Eingang. Foto: MM

Im Hausfrauenbund war Helga Alt maßgeblich für die Organisation der regelmäßigen und sehr beliebten Tagesausflüge verantwortlich. Wichtig nicht nur für sie: „Es waren nie Kaffeefahrten, sondern immer informative Besichtigungstouren.“ Kleine Auswahl: das Bundeskanzleramt und das Haus der Geschichte in Bonn, Museen, Ausstellungen, interessanten Firmen oder auch mal den Karl-May-Festspielen in Elspe.

Neues erleben und erfahren, Wissenswertes kennenlernen: Dafür bot der Hausfrauenbund alle vier Wochen Vortrags-Veranstaltungen mit vielerlei aktuellen Themen. Eine kleine Auswahl: von der Arzthaftung über Ernährungs- und Gesundheitsfragen, bis zur Bedrohung durch den internationalen Terrorismus zum Verbraucherrecht. Nur Kirche und Parteipolitik blieben der Neutralität halber außen vor – nicht aber eingehende Antworten auf Fragen zu Rathaus und Stadtverwaltung. Die Oberbürgermeister der Stadt stellten sich ebenso regelmäßig den Mitgliedern des Hausfrauenbundes wie Beigeordnete und Amtsleiter.

Auf Hildegard Klinkhammers Organisation der Bildungsreisen konnte sich Margret Mühlen (links) immer verlassen. Foto: MM

„Neben“ den regelmäßigen Tagesausflügen gab es ein besonders attraktives Angebot an die Mitglieder: die Studienfahrten. Hildegard Klinkhammer organisierte 15 mit immer neuen Zielen und, ihr ganz wichtig, stets ausgezeichneter Reiseleitung. Ob mit dem Bus, dem Flugzeug oder dem Schiff, kreuz und quer durch Europa, nach Nordafrika, Russland, zur Ost- wie zur Westküste der USA, Kanada oder auch zu attraktiven Zielen in Deutschland: Die Studienfahrten, hießen nicht nur so, sie boten Wissens- und Lernenswertes. Und brachten unvergessliche Eindrücke.

Auf der „grünen Insel Europas“: Eine Bildungsreise führte den Hausfrauenbund Mönchengladbach1992 nach Irland. Foto: MM

Darunter gab es auch diese eine immer wieder gerne erzählte Geschichte vom „illegalen Zutritt“ ins Weiße Haus, den Amts- und Wohnsitz des US-Präsidenten Bill Clinton: „Wir hatten eine Besichtigung gebucht. Doch an dem Tag gab es besonders lange Besucherschlangen vor dem Eingang. Bis unser Reiseleiter kam und leise sagte: ,Kommen Sie einfach mit.’ Dann brachte er uns durch einen Notausgang direkt ins Weiße Haus, und wir standen auf einmal mitten im East Room, den man aus dem Fernsehen bei Pressekonferenzen kennt“, erzählt Margret Mühlen.