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Mönchengladbach: Was gegen die Angst vorm Zahnarzt hilft

Dentalphobie : Strategien gegen die Angst vorm Zahnarzt

Dentalphobie ist mehr als nur ein wenig Unbehagen vor dem Zahnarztbesuch. Es gibt Mittel und Wege, sehr ängstlichen Patienten zu helfen.

Es gibt Menschen, die gehen nicht zum Zahnarzt, weil sie sich nicht um Vorsorge scheren. In Nordrhein-Westfalen sind das oft Männer. Nur 41 Prozent  gehen dort nach Angaben der Kaufmännischen Krankenkasse KKH regelmäßig zur zahnärztlichen Vorsorgeuntersuchung. Aber es gibt auch Patienten, die lassen sich in keiner Zahnarztpraxis blicken, weil sie panische Angst haben, an Dental- oder Zahnarztphobie leiden. Schon der Gedanken an den Zahnarzt führt bei ihnen zu zitternden Händen, Schweißausbrüchen oder Herzrasen. Sie tauchen erst auf, wenn es gar nicht mehr anders geht. Die Folge: Die Behandlung beginnt viel zu spät und  ist umso unangenehmer, die Phobie verstärkt sich noch. Ein Teufelskreis. Aber mit Dentalphobie kann man inzwischen gut umgehen. Mönchengladbachs Zahnärzte sehen sich gut aufgestellt.

Christine Stramm ist Vorstandsvorsitzende der Zahnärzte Initiative Mönchengladbach (ZIM). „Wir bieten regelmäßig Fortbildungen an, auch zu Themen wie Dentalphobie. Die Kollegen sind gut auf die Behandlung von Angstpatienten eingestellt “, sagt sie. Stramm ist seit Jahren selbst in diesem Bereich tätig. Etwa 20 Prozent ihrer Patienten sind Angstpatienten. Das ist eine überdurchschnittliche Quote. Im Allgemeinen kann man wohl von etwa zwölf Prozent Dentalphobikern ausgehen, das legt eine britische Studie nahe.

Warum einige Menschen diese Angst entwickeln, ist unklar. Die ersten Zahnarztbesuche als Kind können traumatisch gewesen sein, die Eltern können ihre Angst auf ihr Kind übertragen, es gibt Zusammenhänge zwischen Dentalphobie und Missbrauchs- und Gewalterfahrungen in der Kindheit. Es wird sogar über genetische Veranlagungen diskutiert. Nach Christine Stramms Erfahrung ist die Mehrheit der Angstpatienten männlich. Und: „Die Phobie ist unabhängig vom Bildungsgrad.“

Wie aber nun umgehen mit Patienten im Panik-Modus? „Mit Geduld und Einfühlungsvermögen“, sagt Stramm. „Der Patient ist Chef im Ring. Er muss spüren, dass er die Kontrolle behält.“ Patientenzentrierte Behandlung bedeutet, sich auf den Patienten einzustellen. Der eine mag keine weitere Person im Raum,  der andere möchte einen Begleiter mitbringen. Einer will detaillierte Erklärungen zum Vorgehen, der andere will nichts wissen, es soll nur schnell vorbei sein. „Man muss im Gespräch herausfinden, was der Einzelne  braucht und das Behandlungskonzept darauf abstellen“, sagt Stramm.

 Manchmal helfen homöopathische Medikamente, manchmal werden stärkere Beruhigungsmittel gebraucht. Wichtig: Der Patient darf nicht überfordert werden. „An einem Termin wird nur so viel gemacht, wie der Patient glaubt zu schaffen“, erklärt die Zahnmedizinerin. Hilft Musik bei der Entspannung? „Wenn ein Patient das möchte, kann er seine eigene Musik mitbringen oder in einem vorhandenen Angebot auswählen.“ Von einer Ablenkung durch Fernsehen hält sie nichts. „Bewegte Bilder verstärken nur die Unruhe“, meint sie. Aber Deckenbilder, die der Patient fixieren und betrachten kann, können hilfreich sein. Kinder lassen sich auch mit Geschichten von ihrer Angst ablenken. Aber es gibt Angstpatienten, bei denen die Panik so groß ist, dass nichts mehr zu ihnen durchdringt. „Wenn ihnen schnell geholfen werden muss, beispielsweise weil ein schmerzhafter Abszess vorliegt, kann man das nur unter Vollnarkose tun“, sagt Stramm.