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Mönchengladbach: Mönchengladbach war unsere Heimat

Mönchengladbach : Mönchengladbach war unsere Heimat

Würdevoll, feierlich und emotional verabschiedeten sich am Donnerstagabend beim Zapfenstreich die britischen Soldaten. Für Brigitte Peach war der Abend ein ganz besonderer. Sie kehrte mit ihrem britischen Mann in ihre Geburtsstadt zurück.

Seit 2008 ist es klar, und trotzdem hatten viele gestern eine Träne im Knopfloch, als es nach fünf Jahren mit dem Zapfenstreich unwiederbringlich wurde: Die britischen Soldaten, die Jahrzehnte so selbstverständlich zur Stadt gehörten, ziehen ab. Für immer. Für kaum jemanden bedeutete dies wohl so viel wie für Brigitte und Stuart Peach. Der 57-Jährige ist Vice-Chief of the Defence Staff, und damit der zweithöchste Soldat Großbritanniens. Gestern kam er nicht nur als Repräsentant der britischen Armee — er kam auch mit seiner ganz persönlichen Geschichte nach Rheindahlen. Denn Peach war nicht nur mehrere Jahre in Deutschland stationiert. In Gladbach lernte er auch seine Frau Brigitte kennen.

Die stammt aus Hardt und arbeitete als Baukostenbearbeiterin im JHQ. Anglophil war sie schon immer gewesen, verbrachte mit 17 zum ersten Mal längere Zeit in England. Eines war für sie immer klar. "Du heiratest nie einen vom Militär." Das galt, bis sie Stuart Peach kennenlernte. 1986 traten die beiden vor den Altar. Seit 1996 lebt die Mönchengladbacherin in England, betreibt dort eine eigene Firma. "Für uns beide ist das ein sehr emotionaler Abend", sagte Brigitte Peach der RP. Dabei hat sie Dank des Berufs ihres Mannes viele besondere Momente miterlebt. So war die Hardterin etwa beim Thronjubiläum von Queen Elisabeth im Westminster Abbey dabei. Heute bei der großen öffentlichen Abschiedsparade auf dem Kapuzinerplatz wird wieder so ein besonderer Moment sein. Den wird sie standesgemäß begehen: "Mit Hut natürlich, das gehört einfach dazu", sagt sie.

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Auch in den Reden beim letzten großen Empfang im Big House wurde deutlich, dass eine Ära endet. Es sei schon einzigartig, dass ein ganzer Stadtteil von Soldaten bevölkert sei, sagte Major General John Henderson, Befehlshaber der Streitkräfte der Briten in Deutschland. "Für uns Soldaten ist Zuhause dort, wo wir arbeiten. Es tut uns ehrlich leid, Mönchengladbach zu verlassen", sagte Henderson. Zwar sei der Abschied seit fünf Jahren beschlossen gewesen. "Doch die Zeit ist geflogen", so der Generalmajor weiter. Oberbürgermeister Norbert Bude dankte den Briten für ihren Einsatz für die Sicherung des Friedens in Europa. "Als die Briten kamen, konnte niemand ahnen, dass es zu so einer tiefgehenden Freundschaft kommen würde." Nun stehe die Stadt vor der Herkulesaufgabe, ein neues Kapitel aufzuschlagen.

Bei der Parade beeindruckten die Prince of Wales Division, das Heeresmusikkorps 300 und die Crossed Sword Pipe Band die Ehrengäste nicht nur musikalisch, sondern mit ihren Uniformen auch optisch. Und auch die Sonne, die während der zweistündigen Zeremonie langsam hinter dem Big House verschwand, spielte mit und passte bestens ins feierliche, aber auch sentimentale Bild. Peach, Henderson und Bude nahmen die Parade gemeinsam von einem Podest aus ab. Dann spielte einer der Dudelsackspieler vom Dach des Big House aus ein letztes Stück, bevor alle drei Bands gemeinsam die britische und die deutsche Nationalhymne intonierten. Um kurz vor 22 Uhr endete der letzte offizielle große Auftritt im HQ.

Während gestern beim Empfang nur geladene Gäste dabei waren, können sich heute alle Gladbacher von den Briten verabschieden. Die Parade auf dem Kapuzinerplatz startet militärisch-genau um 10.25 Uhr. Am Ende der Zeremonie wird die Stadtfahne übergeben. Mit dem Abmarsch der Crossed Swords Pipe Band endet die Parade gegen 11.55 Uhr. Die "Party im Park" auf dem gelände des JHQ am Samstag, 13 bis 22 Uhr, ist keine öffentliche Veranstaltung. Es handelt sich bei dem Fest um einen Familien-Tag für Nachbarn, Anwohner und enge Freunde des Militärgeländes.

Bilder von der Parade auf dem Kapuzinerplatz gibt es heute auf www.rp-online.de/moenchengladbach.

(RP)