Mönchengladbach: Wanderfalken inspirieren Autorin

Mönchengladbacherin schreibt Jugendthriller: Rheydter Falken inspirieren Autorin

Im neuen Thriller von Andrea Rings spielt ein Wanderfalke eine entscheidende Rolle. Die Jugendbuchautorin, die mit ihrem Erstlingswerk einen Preis gewann, beobachtet gerne die Falken aus dem Rheydter Kirchturm.

Andrea Rings hat ein Fernglas dabei. Aber die Wanderfalken, die hoch über dem Rheydter Marktplatz  fliegen, erkennt sie auch mit bloßem Auge. Die Odenkirchenerin, die mit dem Fahrrad unterwegs ist, weiß viel über Greifvögel – als erklärtes Naturkind und studierte Biologin, aber auch als Jugendbuchautorin.  In ihrem neuesten Werk, das kurz vor der Vollendung steht, spielt nämlich ein 13-jähriger Junge, der einen Wanderfalken besitzt, die Hauptrolle. Und damit alles stimmig ist in dem 280-Seiten-Thriller, hat Andrea Rings viel über die Vögel recherchiert. Und das macht sie auch jetzt. Um Wanderfalken live zu erleben, fährt sie gerne zum Rheydter Marktplatz.

Dort lässt sie sich inspirieren. Schließlich leben dort im Kirchturm gleich fünf Exemplare der einst selten gewordenen Vögel: ein Elternpaar und drei mittlerweile flügge gewordene Jungtiere. Die Raubvögel sorgen auch dafür, dass sich die Taubenpopulation am Rheydter Marktplatz in natürlichen Grenzen hält. Vor sieben Jahren nisteten zum ersten Mal Wanderfalken im Turm der evangelischen Hauptkirche. Seitdem gibt es dort regelmäßig Nachwuchs.

Warum spielt ausgerechnet ein Wanderfalke eine entscheidende Rolle in Andrea Rings’ Roman? „Die Vögel sind spektakulär. Sie sind die schnellsten Tiere der Welt, können Geschwindigkeiten von fast 400 Kilometer pro Stunde erreichen. Und Kinder lieben Rekorde“, sagt die Odenkirchenerin.

Schon in ihrem ersten Jugendroman „Parkour – Nur die Wahrheit ist unbezwingbar“, mit dem sie den Goldenen Pick 2013 gewann, spielte Naturschutz eine große Rolle. In ihrem Leben ist das auch so. Andrea Rings macht mit ihrem Mann regelmäßig Urlaub in Nationalparks, und sie besuchen auch gerne Greifvogelschutzwarten. „Da frage ich gerne die Tierpfleger aus“, erzählt sie. Schließlich sei es etwas ganz anderes Liveberichte zu hören, als nach den Tieren zu googeln.

Andrea Rings, die früher bei der Stadt als Abfallberaterin arbeitete, schreibt seit 18 Jahren, „wahrscheinlich schon länger“, sagt sie. Damals war ein Workshop in „kreativem Schreiben“ in der Familienbildungsstätte die Initialzündung. Andrea Rings, damals noch als Abfallberaterin bei der Stadt Mönchengladbach angestellt, schloss sich einer Autorengruppe an, kaufte sich Fachbücher und schrieb meistens nachts. Damals waren ihre Kinder noch klein (1 und 3 Jahre).

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Zuerst schrieb Andrea Rings Kurzgeschichten. „Dann hatte ich das Bedürfnis, ein größeres Projekt zu starten“, sagt sie. Ihrer Familie sagte sie nichts davon. „Ich wusste ja nicht, ob das hinkriege.“ Hat sie. Sogar mit Auszeichnung.

Heute ist Andrea Rings Berufsautorin. Sie hat ein eigenes Büro, macht Lesungen, hat einen Youtube-Kanal eingerichtet und veranstaltet selbst Workshops für kreatives Schreiben für Jugendliche.

Für ihre neues Buch wird sich Andrea Rings in Kürze irgendwo in eine kleine Pension einmieten, wo sie die Ruhe hat, den Show-Down für ihren Jugendthriller schreiben will. Das soll sitzen. Und viel Zeit bleibt nicht mehr. Denn Abgabetermin ist im August. Erscheinen soll das Buch dann im März.

Für das Schreiben braucht Andrea Rings Ruhe und Zurückgezogenheit, wie sie sagt. Gleichzeitig mag sie aber auch nicht gerne abgeschottet am Schreibtisch sitzen. Dann lieber in der Natur, um sich damit verbunden zu fühlen. „Eigentlich ist ja das Schöne am Schreiben, dass man es immer und überall machen kann. Also übe ich gerade, es auch in der Öffentlichkeit zu tun“, sagt die Autorin. Zur Sicherheit hat sie aber immer die Ohrstöpsel dabei, eben wegen der Ruhe, die sie braucht.

Ideen fürs Schreiben hat die Odenkirchenerin, wie sie sagt, immer. Ihre Kinder (mittlerweile 21 und 19 Jahre) kennen das: „Mama  greift plötzlich zum Zettel und schreibt etwas  auf.“ Aber alle Geistesblitze  für Geschichten drehen sich bei Andrea Rings, die in der Eifel aufwuchs, um Storys für Jugendliche. Die Autorin: „Das ist meine Zielgruppe. Ich hatte bis jetzt noch nie den Drang, einen Erwachsenenroman zu schreiben.“

(gap)
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