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Mönchengladbach: Vor 100 Jahren entstand die Großstadt M.Gladbach

Eingemeindung – aber ohne Rheydt : Die Geburt der Großstadt M.Gladbach vor 100 Jahren

Am 1. August 1921 wurde Mönchengladbach zur Großstadt: An jenem Tag wurden Neuwerk, Rheindahlen und M.Gladbach-Land eingemeindet. Doch dieses Konstrukt hielt so nicht lange.

Die Industrialisierung im Mönchengladbacher Raum brachte nicht nur viele Arbeiterinnen und Arbeiter in das Zentrum der blühenden Textilwirtschaft. Die Gemeinden wuchsen durch die stetige Bevölkerungszunahme. Dies stellte jede einzelne Kommune beziehungsweise Gemeinde vor neue Aufgaben nicht nur im infrastrukturellen Bereich. Dabei waren die notwendigen Versorgungsleistungen oft ähnlich, um nicht zu sagen die Gleichen. Um eine schlagkräftige und effizientere Verwaltung und Versorgung zu ermöglichen, war es unabdingbar, verschiedene Nachbargemeinden mit Stadt und Landkreis M.Gladbach, wie Mönchengladbach damals hieß, zu vereinigen.

Der erste bedeutende Zusammenschluss fand vor 100 Jahren am 1. August 1921 statt. Es verbanden sich die Stadt M.Gladbach mit den Landgemeinden M.Gladbach und Neuwerk und der Stadt Rheindahlen. Hierdurch entstand erstmalig auf dem heutigen Mönchengladbacher Stadtgebiet gemäß Festlegung eine Großstadt. Man sprach von „Groß-Gladbach“. Dies bedeutete, dass in den vereinten Gebieten mehr als 100.000 Einwohner wohnten und arbeiteten. Dies stellte einen gewaltigen Schritt bezüglich einer städtischen Dominanz am linken Niederrhein dar. Es entstand die Stadt München-Gladbach mit über 110.000 Bewohnern und einem versechsfachten Stadtgebiet. Die Stadt Rheydt sollte die 100.000er-Marke erst um das Jahr 1970 erreichen. Die Städte Rheydt und Odenkirchen und die Gemeinde Schelsen hatten zunächst lange an den Verhandlungen teilgenommen, waren aber Anfang 1920 abgesprungen.

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Insbesondere von großem Vorteil war nunmehr die leichtere Versorgung mit Wasser, Gas und Elektrizität. Aber auch die Organisation und Verwaltung der Abwässer boten manche Vorteile. Beispielsweise stand der neue Wasserturm an der Viersener Straße, der 1909 errichtet worden war, außerhalb der Stadt M.Gladbach auf dem Gebiet von M.Gladbach-Land. „Wir haben nicht mehr fremdes Gelände nötig“, so der Oberbürgermeister von M.Gladbach-Stadt, Franz Gielen, „um unsere Stadt weiter zu entwickeln, unsere Wassertürme stehen nicht mehr auf Nachbars Boden, die peinlich genau errechneten Zuschußleistungen für diese und jene Zwecke der Nachbargemeinden hören auf, die vier Gemeinden gehören einander an auf Gedeih und Verderb (…).“

 Gemälde des Oberbürgermeisters der neuen Großstadt, Franz Gielen. So hängt es heute im Rathaus Abtei.
Gemälde des Oberbürgermeisters der neuen Großstadt, Franz Gielen. So hängt es heute im Rathaus Abtei. Foto: Stadtarchiv MG

Nicht zuletzt war aber auch die expandierende Textilindustrie gerade in den Bereichen von M.Gladbach-Land und Neuwerk ein Grund, sich zusammenzutun und sich verwaltungsmäßig neu aufzustellen und das neue Stadtgebilde weiter zu entwickeln. Dazu das erstmalig von demokratisch gewählten Stadtverordneten bestimmte Stadtoberhaupt Franz Gielen: „Es würde unbillig sein, würde ich nicht auch die Gründungen und Niederlassungen der Industrie berühren, die den Grund des Großwerdens der Gemeinde bilden.“ Insbesondere meinte Gielen damit die vielfach um die Jahrhundertwende in der Gemeinde M.Gladbach-Land entstandenen zahlreichen Textil-Fabriken im Westen. Als bedeutendste Fabrik wäre zu nennen die Gladbacher Wollindustrie AG, 1890 als mechanische Weberei gegründet von Leonhard Josten an der heutigen Rudolf- beziehungsweise Waldnieler Straße. Alleine diese vollstufige Textilfabrik beschäftigte in den 1920er Jahren zeitweilig mehr als zirka 1200 Arbeiterinnen und Arbeiter.

Über die Festivitäten zur Gründung von Groß-Gladbach am 1. August 1921 schrieb die Westdeutsche Landeszeitung: „(…) als ein Zukunftsfest wollen wir diesen Sonntag feiern; denn die siegreiche Idee Groß-Gladbach ist uns verheißungsvolles Versprechen für die Zukunft.“ Dieses Versprechen konnte nicht eingehalten werden. Bekanntlich blieb das Konstrukt München-Gladbach in der Form von 1921 nicht lange erhalten. Schon 8 Jahre später, im Jahr 1929, wurde die Stadt Gladbach-Rheydt aus der Taufe gehoben, gegen den massivsten Widerstand der Rheydter Bevölkerung. Hinzu kamen nun neben der Stadt Rheydt noch das Amt Hardt, sowie die Stadt Odenkirchen, die Gemeinden Giesenkirchen und Schelsen hinzu.

Diese Städte(re)form wurde 1933 wieder aufgelöst. Die genauen Umstände sind bis heute nicht hinlänglich geklärt. Vermutet wird, dass der einstige Rheydter Ehrenbürger Joseph Göbbels als Propagandaminister seine Finger im Spiel gehabt haben soll. Rheydt fiel hierdurch gemäß der internationalen Statistikkonferenz von 1887 wieder auf das Niveau einer „Mittelstadt“ (unter 100.000 Einwohner) zurück. Ein erneutes „Groß-Gladbach“ mit nunmehr zirka einer Viertelmillion Einwohner sollte es erst wieder 1975 durch den erneuten Zusammenschluss von Mönchengladbach und Rheydt, nun auch mit der Gemeinde Wickrath, entstehen.

Ein Gastbeitrag der Geschichtswerkstatt Mönchengladbach.