Mönchengladbach: Volksverein macht Langzeitarbeitslose fit

Minister beim Volksverein : Laumann will „atmendes“ System

Der NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann war beim Volksverein. Er fordert, dass langzeitarbeitslose Menschen nicht im Hartz-IV-Mileu verharren dürfen. Deshalb will er mehr Durchlässigkeit im System.

Wilfried Reiners ist seit 26 Jahren beim Volksverein beschäftigt. „Es gibt Langzeitarbeitslose, mit denen ich seitdem immer wieder zu tun habe, weil sie auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt keine Stelle finden. Sie sind froh, dass es uns gibt“, erzählt der Geschäftsführer des Sozialunternehmens. Zuhörer war NRW-Arbeits- und Sozialminister Karl-Josef Laumann (CDU). Er besuchte am gestrigen Mittwoch den Volksverein an der Geistenbecker Straße, ließ sich von Geschäftsführern und Gesellschaftern des Vereins durch die Betriebsstätte führen, sprach mit Mitarbeitern und diskutierte über arbeitsmarktpolitische Themen. „Sie machen gute Arbeit hier“, sagte Laumann und nickte anerkennend, als die Geschäftsführer Reiners und Hermann-Josef Kronen von einer Vermittlungsquote von 30 bis 35 Prozent in den sogenannten ersten Arbeitsmarkt berichteten. „Ein guter Wert“, lobte Laumann.

Es ist – und so ehrlich muss man auch sein – ein Tropfen auf einem heißen Stein. Denn die Zahl der Langzeitarbeitslosen liegt bei rund 10.000 in der Stadt. Der Volksverein hat in den 35 Jahren seiner Existenz immerhin für einen steten Tropfen gesorgt, der Spuren auf dem Stein hinterlassen hat. Regelmäßig finden sich bei ihm rund 200 Menschen in unterschiedlichen Programmen wieder, verwerten Secondhand-Kleidung, arbeiten Gebrauchtmöbel auf und stellen Rapsöl her, das in Bauernläden und bei Rewe verkauft wird. Vor allem vermitteln die 34 Volksvereins-Beschäftigen – davon mehrere in Teilzeit – den langzeitarbeitslosen Menschen Grundtugenden eines Erwerbslebens, die bei ihnen aufgrund ihrer Situation verloren zu gehen drohen: pünktlich am Arbeitsplatz zu sein, verlässlich und dauerhaft gestellte Aufgaben zu erledigen, sich Herausforderungen zu stellen, frustrierende Situation zu überwinden. Ohne feste Struktur im Leben – und dazu gehört auch Arbeit – sind es diese Tugenden, die dann sehr schnell auf der Strecke bleiben können.

Doch wie durchlässig muss ein solches System sein? Wie viele langzeitarbeitslose Menschen bleiben in einem Kreislauf, weil der erste Arbeitsmarkt für sie eine Utopie ist? Wie muss dann die Betreuung, das Jobcoaching, aussehen? „Wir müssen verhindern, dass sich Menschen im Hartz-IV-Milieu einrichten. Denn das ist gesellschaftspolitischer Sprengstoff“, sagt Minister Laumann. Und deshalb sieht er es kritisch, wenn das System „nicht atmet“, wie er es beschreibt. Das bedeutet: Es muss immer Wechsel in den ersten Arbeitsmarkt geben, die Struktur darf sich nicht verfestigen. Laumanns Ideal sieht so aus: Langzeitarbeitslose werden in normalen Betrieben – „Dafür brauchen wir die öffentlichen Betriebe“ – beschäftigt und dort von Jobtrainern betreut.