Mönchengladbach: Volksbank will digitale Dienste ausbauen und prüft Filialstruktur

Bilanz nach der Fusion: Volksbank will digitale Dienste ausbauen

Immer mehr Bankgeschäfte werden online erledigt. Deshalb stehen unwirtschaftliche Filialen in Mönchengladbach und Erkelenz auf dem Prüfstand. Schließungen seien derzeit aber nicht geplant. Das Kundenvolumen ist gewachsen.

Die Kunden der fusionierten Volksbank in Mönchengladbach und Erkelenz werden immer digitaler, und das hat Folgen. 80 Prozent aller Girokonten (Kontokorent-Konten) werden inzwischen online geführt. Von den gut drei Millionen Überweisungen im Jahr 2018 waren 83 Prozent Online-Transaktionen. Bei 2,6 Millionen Überweisungen war also gar kein Papier mehr im Spiel, wie die Volksbank am Donnerstag bei ihrer Bilanz-Pressekonferenz mitteilte. „Der technische Wandel ist bei den Kunden gelebte Praxis, und wo der Kunde sich bewegt, müssen wir auch neue Zugangswege zur Verfügung stellen“, sagte Vorstandsmitglied Josef Brück.

Das hatte im vergangenen Jahr Auswirkungen auf die Filialstruktur: Eine Geschäftsstelle wurde geschlossen, zwei weitere zu Selbstbedienungsfilialen umgestaltet. „Wir schauen weiter, wie die Filialen genutzt werden und ob es wirtschaftlich vertretbar ist, einen Standort zu halten“, sagte Brück. Der Vorstandsvorsitzende Veit Luxem sagte, derzeit seien für dieses Jahr keine weiteren Veränderungen im Filialnetz geplant. Die Volksbank betreibt in Mönchengladbach, Willich, Wegberg und Erkelenz insgesamt 31 Standorte, davon sind sieben Selbstbedienungsfilialen.

Das veränderte Kundenverhalten macht sich aber nicht nur in den Filialen bemerkbar, sondern auch im Kundenservice-Center der Bank an der Senefelder Straße in Mönchengladbach. Dort beantworten mehr als 20 Mitarbeiter fast 200.000 Anrufe im Jahr. „Dinge, die früher in der Filiale erledigt wurden, werden heute am Telefon abgewickelt“, sagte Veit Luxem. Und künftig werde auch der Video-Chat für kleine Bankgeschäfte interessanter. Das alles werde die Volksbank weiter ausbauen. Luxem betonte aber: „Wir werden keine Direktbank. Wir halten den persönlichen Kontakt in der Region.“

Insgesamt sei das erste Geschäftsjahr nach der Fusion mit der Volksbank Erkelenz ein gutes gewesen, sagte der Vorstand. Die Bilanzsumme wuchs um 4,6 Prozent auf knapp 1,9 Milliarden Euro, das betreute Kundenvolumen wuchs um 2,8 Prozent auf 3,8 Milliarden Euro. Darin sind Kredite (1,5 Milliarden Euro, plus 2,4 Prozent) und Einlagen (2,3 Milliarden Euro, plus 3,1 Prozent) enthalten. Für die Volksbank wird es allerdings aufgrund des Zinses immer schwieriger, Geld zu verdienen. Das Institut zahlt auf Einlagen bei der Europäischen Zentralbank einen Negativzins von 0,4 Prozent. Für die Kunden gebe es abgesehen von einigen wenigen Großkunden keine Negativzinsen, wie Luxem sagte. Das Zinsergebnis sank um 2,1 Prozent auf 30,8 Millionen Euro, was durch Zuwächse im Provisionsergebnis und niedrigere Verwaltungskosten aufgefangen wurde. Unterm Strich blieb wie auch 2017 am Ende nach Steuern ein Bilanzgewinn von 3,3 Millionen Euro. Davon sollen 1,5 Millionen Euro an Dividende ausbezahlt werden. Darüber entscheidet am 28. Mai die Vertreterversammlung.

Vor allem Immobilien-Finanzierungen waren weiter gefragt. Die Volksbank vermittelte in Erkelenz, Mönchengladbach, Wegberg und Willich insgesamt 235 Objekte mit einem Gesamtwert von 50 Millionen Euro. Für Wohnungsbaufinanzierungen wurden 126 Millionen Euro an Krediten vergeben oder an Verbundpartner vermittelt. Die Volksbank ist auch selbst als Investor aktiv und baut in Erkelenz an der Hermann-Josef-Gormanns-Straße ein Wohn- und Geschäftshaus für rund sieben Millionen Euro. Bis Sommer 2020 soll das Gebäude fertig sein, wie Vorstandsmitglied Franz Dierk Meurers sagte.

An Spenden und Zweckerträgen wurden 310.000 Euro an Vereine, Bedürftige und Organisationen gegeben. Vorstandsmitglied Meurers betonte auch das ehrenamtliche Engagement der Mitarbeiter, die sich handwerklich an Projekten etwa in Kitas beteiligten.

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