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Mönchengladbach: Viele Auszubildende müssen auf Abschlussprüfungen warten

Auszubildende in Mönchengladbach : Das Warten auf die Abschlussprüfungen

Die Prüfungstermine für Auszubildende sind aufgrund der Corona-Pandemie entweder verschoben oder noch nicht neu terminiert worden. Das sorgt gerade bei den Azubis, die kurz vor dem Abschluss stehen, für Unsicherheit. Unterstützung erhalten sie von ihren Arbeitgebern.

Vanessa Hörig weiß schon ganz genau, welches Möbelstück sie für ihre Gesellenprüfung bauen will. „Es soll ein Highboard werden, das sowohl in einem Wohn- als auch in einem Esszimmer stehen könnte“, sagt die 28-Jährige. Die Planung steht, an die Zeichnung hat sie sich allerdings noch nicht gemacht, obwohl diese noch im April fertig werden müsste. Eigentlich. Denn derzeit ist völlig unklar, wann die Auszubildende der Mönchengladbacher Schreinerei Zimmermanns ihre Prüfungen ablegen kann.

„Es ist nicht ganz einfach, die Motivation hochzuhalten, wenn nicht klar ist, wann es richtig weitergeht“, sagt Vanessa Hörig. Ihr ergeht es wie vielen Auszubildenden, deren Abschlussprüfungen aufgrund der Corona-Pandemie entweder bereits verschoben oder noch nicht terminiert sind. Hinzu kommt, dass die überbetrieblichen Ausbildungen derzeit nicht möglich sind. Es herrscht große Ungewissheit, wie es in den kommenden Wochen und Monaten für die Azubis weitergeht.

Das betrifft auch die 30 Auszubildenden des Anlagenbauers SMS Group, die 2020 ihre Abschlussprüfungen ablegen. Marion Hermanns ist – auch am Standort Mönchengladbach – als Ausbildungsleiterin ihre erste Ansprechpartnerin. Und in Krisenzeiten noch etwas häufiger gefragt. „Alle unsere zehn Ausbildungsberufe sind durch die Corona-Krise betroffen. Aber wir versuchen so viel Normalität und Struktur wie möglich zu bieten. Und für die Auszubildenden ist es wichtig, die Sicherheit zu haben, dass es ein Team im Hintergrund gibt, das sich um ihre Sorgen und Belange kümmert“, sagt sie.

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So seien die Azubis im gewerblichen Bereich, etwa die Industriemechaniker oder die Mechatroniker, stark mit Projekten in die Produktion und Entwicklung involviert und unterstützen bei der Auftragsabwicklung. Dabei werde jedoch auf die Einhaltung der empfohlenen Hygienemaßnahmen und des Sicherheitsabstandes geachtet oder Schutzausrüstung ausgegeben. Im kaufmännischen Sektor seien derweil einige Kollegen im Homeoffice, dafür gebe es verstärkt E-Learning-Maßnahmen. „Die Digitalisierung geht gerade im Sauseschritt voran. Dank einer Kooperation mit einem Verlag haben wir die Möglichkeit, viele Lerninhalte online anzubieten“, sagt Hermanns.

Für ihre Auszubildenden hat die Industrie- und Handelskammer (IHK) Mittlerer Niederrhein bereits neue Prüfungstermine bekannt gegeben. Demnach sollen die schriftlichen Prüfungen Mitte Juni nachgeholt werden. Zudem können Prüfungsteilnehmer, die im Frühjahr für die Abschlussprüfung Teil I angemeldet waren, die Prüfung im Herbst nachholen. Damit könnte sich für manchen Auszubildenden aber auch die Entscheidung, wie es für ihn persönlich weitergeht und ob er übernommen wird, verschieben. „Das soll aber niemandem zum Nachteil gereichen, da muss sich keiner unserer Auszubildenden Sorgen machen“, sagt Hermanns.

Vanessa Hörig hat mit ihrem Chef in der Schreinerei Zimmermanns noch kein konkretes Gespräch über ihre Zukunft geführt. „Zurzeit ist alles so unklar, die Prüfungstermine gibt es nur noch unter Vorbehalt. Vielleicht muss ich auch noch bis Dezember warten, bis die nächsten Prüfungen anstehen“, sagt sie. Ihr fehle es sehr, sich mit anderen Auszubildenden in der Berufsschule auszutauschen. Aber immerhin bleibt ihr die Arbeit in der Schreinerei und der Kontakt zu den Kollegen.

„Glücklicherweise gibt es immer etwas zu tun, wir können die Bestellungen zügig abarbeiten. Es ist für mich auch sehr hilfreich, weiterhin viele Aufgaben in der Praxis zu haben.“ Denn irgendwann soll es soweit sein mit schriftlicher Prüfung, Arbeitsprobe und Gesellenstück. „Mein Chef ist mit der Kreishandwerkerschaft ständig in Kontakt und informiert mich über alle Veränderungen“, sagt Hörig. Nun hofft sie, dass schnell wieder Normalität einkehrt – dann werde sie sich sogleich auch an die Zeichnung für ihr Highboard setzen, sagt sie.