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Mönchengladbach: Viel Beifall für das Vitus-Quartettt

Studio des Theaters : Der Tod und das Mädchen an einem Sonntagvormittag

Das Vitus-Quartett spielte Schubert und Vasks im Studio des Theaters. 60 Zuhörer spendeten viel Beifall für ein gelungenes Konzert.

Die Idee, Peteris Vasks 3. Streichquartett mit Franz Schuberts berühmtem Werk gleicher Besetzung „Der Tod und das Mädchen“ zu vermählen, kam den Mitgliedern des Vitus-Quartetts beim 3. Sinfoniekonzert der Niederrheinischen Sinfoniker in der Saison 2016/17. Damals saßen Konzertmeisterin Chisato Yamamoto mit ihren Kolleginnen Johanna Brinkmann, Richard Weitz (Bratsche) und Raffaele Franchini (Cello) bei den Proben zu Vasks „Musica adventus“ beieinander, das nichts Anderes ist als die Orchesterfassung des Kammermusikwerks.

Wie Weitz vor der gestrigen Matinee im Theaterstudio in Art eines sprechenden Konzertführers sagte, passt der Ton der rund 160 Jahre voneinander entfernten Werke sehr gut zusammen. Das fanden auch die rund 60 Zuhörer des Konzerts am gestrigen Sonntagmorgen, die am Ende nicht mit Beifall geizten.

Nun spiegelt Vasks in seinen teils sehr anrührenden Klängen seine eigene Biografie: das Aufwachsen als Pfarrerssohn im von sowjetischer Okkupation bedrohten Lettland, die im Entstehungsjahr 1995 keimende Hoffnung nach Identität, Spiritualität, Freiheit auch der Kunst. Der 1946 geborene Vasks war da längst Teil der Avantgarde, hatte fast autodidaktisch einen Personalstil entwickelt, der unmittelbar seine Hörer anspricht. Mit gedämpften Obertonklängen, gezupften und mit dem Bogenholz geschlagenen Saiten beginnt das Quartett. Große kantable Passagen kontrastieren mit purem Chaos, Vogelgezwitscher flirrt über choralartigen tonalen Akkorden. Schrecken gebiert Hoffnung. Dies auszudrücken trat das Vitus-Quartett an und meisterte seine Aufgabe mit gebührendem Ernst.

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In dieser Besetzung spielen die vier Musiker schon elf Jahre zusammen, als eine Art selbstbestimmter Gegenentwurf zum Dienst im Orchester tragen sie zum Ansehen auch des Ganzen bei. Bei Schuberts „Der Tod und das Mädchen“ treten denn auch Stärken wie Schwächen plastisch zutage. Gegründet auf eine sehr feine Intonation und auf die technischen Fähigkeiten von Profimusikern findet das Vitus Quartett zu einem schönen romantischen Ton. Im Variationensatz strahlt Yamamoto in wunderbar singenden Höhen, der fitzelige punktierte Rhythmus des Presto führt zu keinerlei Verwerfungen. Dabei beschönigt die Akustik des Studios nichts. Jedes fahle Cello-Pizzicato, jede matte Begleitfloskel der 2. Violine, jeder besonders insistierende Rhythmus der Bratsche grätscht ins Klangideal dieses Werks, das nun wirklich jeder Hörer im Ohr haben dürfte.

Es sind besonders die Finessen – gemeinsames Ausschwingen, Spontaneität und Risikobereitschaft –,  an denen es an diesen Vormittag mangelt. Kompetente Botschafter der Musik sind die Musiker des Vitus-Quartetts desungeachtet.